FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Der Blick ist leer, der Kopf gen Boden gerichtet. Marvin Mehlem schlürft nach Spielende der verwaisten Ersatzbank entgegen. Lässt seinen Körper enttäuscht auf den Sitz sacken und das 0:0 gegen den SSV Jahn Regensburg auch irgendwie. Ein Unentschieden. Kein Sieg. Nach so einem Spiel. Wie konnte der SV 98 dieses Duell nicht für sich entscheiden? Auch Markus Anfang erblickte seinen Mittelfeldmann dort und steuerte zielstrebig auf ihn zu. "Er saß auf der Bank, ließ den Kopf hängen und ärgerte sich", gab der Cheftrainer später auf der Pressekonferenz zu Protokoll. Ein Anblick, den der Cheftrainer der Lilien so nicht ertragen konnte. Rund zwei Minuten sprach er intensiv und doch fürsorglich mit seinem Schützling, tätschelte ihn an der Wange, richtete ihn wieder auf. Und wiederholte in dem Einzelgespräch vermutlich noch mal das Gesagte aus dem Kreis. Tenor: Ärgern über das Ergebnis ja, aber nicht verzweifeln nach dem zweiten unglücklichen Spiel in Folge.
„Das Unentschieden tut richtig weh. Aber was soll ich den Jungs vorwerfen?“, fragte Anfang rhetorisch auf der PK. Mehr Ballbesitz. Mehr Großchancen. Die bessere Passquote. Der SV Darmstadt 98 war wie schon am ersten Spieltag in Sandhausen auch im Merck-Stadion am Böllenfalltor die bessere Mannschaft. Nur der Ertrag stimmt nicht mit den gebotenen ansehnlichen Leistungen überein. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht“, sagte denn auch Mehlem ins Mikrofon, nachdem er sich von der Ersatzbank wieder erhoben hatte. Seine Aussage bekräftigt der Lilien-Kapitän. „Nach diesem Spielverlauf wären wir der verdiente Sieger gewesen“, äußerte sich Fabian Holland. Doch diese eine entscheidende Sache – die Sache des Toreschießens, die Lilien versäumten sie. „Vorne haben wir erneut vergessen, uns zu belohnen“, konstatierte Mehlem.
„Das ist schon extrem gut gewesen“
Woran das lag, wissen die Lilien genau. „An uns“, so die einstimmige Meinung aller Protagonisten in Blau und Weiß. „Wir haben den Torhüter wieder selbst zum ‚Man of the Match‘ gemacht“, ärgerte sich Tobias Kempe. Klar, Jahn-Keeper Alexander Meyer erwischte einen überragenden Tag – kratzte auch manch sicher im Netz geglaubten Ball noch von der Linie. Doch den Südhessen fehlt vor dem gegnerischen Gehäuse bislang noch die nötige Kaltschnäuzigkeit in dieser jungen Spielzeit. Der Knoten will einfach noch nicht platzen. Der große Mutmacher, dass er platzen wird, lautet: Die Ansätze, das Auftreten und die Spielweise stimmen. „Jeder sieht, wie wir die Torchance kreieren. Das ist schon extrem gut gewesen“, nahm Kempe aus der Videoanalyse am Sonntagvormittag mit. Ein Fakt, den auch Anfang unterstrich. „Wir kommen vermehrt zu Torabschlüssen. Auch gegen einen gut organisierten Gegner wie Regensburg musst du dir erstmal so viele Torchancen erspielen. Und das haben wir gemacht“, betonte der Übungsleiter der Lilien.
Mut und Motivation
Die Frage des Cheftrainers, was er den Jungs vorwerfen solle, ist damit beantwortet. „Wir haben nur das Tor nicht gemacht“, betont Anfang. Es ist der einzige, aber entscheidende Makel einer ansonsten souverän geführten Partie. Im Vergleich zur Pokalpartie in Magdeburg und zum ersten Spieltag im Hardtwald haben die Lilien wieder einen Schritt nach vorne gemacht. „Dumme Fehler“ so Holland, hätten die Darmstädter dank eines gut organisierten Defensivverbunds gegen den Jahn abgestellt. „Die Jungs haben konsequent und gut verteidigt. Das ist uns in den ersten beiden Spielen nicht so gelungen. Und das war heute definitiv besser“, sieht Anfang einen Fortschritt in einem laufenden Prozess, der weiterhin seine Zeit benötigt. Aber der Auftritt gegen Regensburg macht Mut. „Es motiviert, dass wir die Kontrolle über das Spiel hatten. Der Gegner hatte kaum Zugriff“, verdeutlicht Mehlem.
Darauf lässt sich aufbauen. Gerade mit Blick auf den kommenden Spieltag. Doch bis dahin haben die Lilien zahlreiche Trainingseinheiten vor der Brust. Eine lange Woche steht bevor. Erst am Montag (5.10.) tritt der SV Darmstadt 98 zum Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg an. „Wir haben jetzt genug Zeit, um an den Sachen zu arbeiten, die uns noch fehlen“, sagt Holland. Beim FCN will der SV 98 wieder einen Schritt in die richtige Richtung machen. Und viel wichtiger: sich endlich belohnen. „Ich hoffe, dass der Knoten platzt, die Chancen, die wir uns herausspielen, auch mal reingehen und wir uns mit drei Punkten belohnen”, betonte Anfang und schob noch einen Satz hinterher: „Es wird Zeit dafür.“ Denn nach den bisher gezeigten Leistungen wäre ein Dreier definitiv überfällig.