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10.06.2021 / Allgemein

Passend

Es gibt Anblicke, bei denen es Zeit braucht, bis sich der Betrachter daran gewöhnen kann. Jahrelange Brillenträger, die plötzlich Kontaktlinsen besitzen. Langhaarige Personen, die überraschend zu einem Kurzhaarschnitt wechseln. Ganz einfach, weil man diese Menschen über einen langen Zeitraum nur so gekannt hat. Und dann gibt es Dinge, die sind zwar neu und ebenfalls ungewohnt, sorgen aber direkt für ein stimmiges Bild. Torsten Lieberknecht gab am Donnerstag ein gutes Beispiel dafür ab. Erstmals trug der neue Cheftrainer die Lilie auf der Brust. Das Emblem des SV 98, in schwarz auf das weiße Poloshirt des 47-Jährigen gestickt. Das passte. Zunächst einmal allein im optischen Sinne. Aber auch inhaltlich, wie sich spätestens auf der Pressekonferenz zur Vorstellung Lieberknechts immer stärker herauskristallisierte.

Foto: SV 98

Schon das herzliche und fröhliche „Gude“, das Lieberknecht den anwesenden Journalisten zu Beginn des Mediengesprächs zurief, zeugte davon, wie sehr der Fußballlehrer auf die Aufgabe in Südhessen brennt. Und wem die Begrüßung für dieses Fazit noch nicht ausreichte, dem verdeutlichte es der gebürtige Bad Dürkheimer noch einmal mit seinen eigenen Worten: „Der Klub hat mich einfach direkt angefixt. Nach der ersten Kontaktaufnahme bin ich voller Enthusiasmus ins Auto gestiegen und nach Darmstadt gefahren.“

Passt in das Profil

Gleich zwei Mal sei er auf der Strecke geblitzt worden, verriet Lieberknecht mit einem leichten Schmunzeln, die pure Vorfreude hatte in diesem Fall wohl über das Tempolimit gesiegt. Die augenscheinlich rasante Fahrt des Pfälzers endete auf dem Parkplatz vor dem Merck-Stadion am Böllenfalltor, die folgenden Gespräche mit den sportlich Verantwortlichen beim SV 98 mündeten in einem Zweijahresvertrag. „Er hat genau die Punkte angesprochen, die wir vorab auch für uns festgelegt hatten“, erläutere Carsten Wehlmann mit Blick auf das erste Treffen mit dem neuen Mann an der Seitenlinie. Ebendiese Punkte hatte der Sportliche Leiter der Lilien bereits in der Vorwoche hinsichtlich des Profils eines neuen Coaches konkretisiert: „Wir arbeiten daran, einen neuen Trainer zu verpflichten, der die Art und Weise unseres Fußball sowie unseren Weg fortführen kann. Gerade im Hinblick auf den spielerischen und aktiven Ansatz unseres Spiels. Das ist die Grundlage, wenn wir uns mit Kandidaten unterhalten und darin sollte auch die Kernkompetenz des neuen Trainers liegen.“

Sechs Tage nach diesen Sätzen konnten Wehlmann und der SV 98 am Dienstag (8.6.) vermelden, dass Torsten Lieberknecht dieses Profil ausfüllt und fortan als Cheftrainer der Lilien fungieren wird. Die damit verbundene Spielphilosophie skizzierte Lieberknecht dann am Donnerstag selbst: „Meine Grundidee ist, dass der Ballbesitz eine große Rolle spielt. Das soll aber kein Zirkus sein. Der Ballbesitzfußball, der mit vorschwebt, ist einer, der schnell sowie zielorientiert in Richtung des gegnerischen Tores geht.“

Aktiv und effektiv

Aktiv und insbesondere effektiv – so soll der Fußball unter Lieberknecht aussehen. Dass der Ansatz des früheren Bundesligaprofis Erfolg bringen kann, zeigt allein ein Blick in seine Vita. 10 Jahre lang war Lieberknecht als Cheftrainer von Eintracht Braunschweig aktiv, die Niedersachsen führte er zwischenzeitlich von der 3. bis in die Bundesliga. Allein die enorme Zeitspanne, die der Übungsleiter in braunschweig verbrachte, unterstreicht eine weitere seiner Eigenschaften: Lieberknecht steht für Kontinuität. Für eine enge Bindung und hohe Identifikation mit seinem Arbeitgeber. „Meine Haltung und Wertevorstellung sind, dass ich die Verträge, die ich unterschreibe, auch immer erfüllen will. Wenn es in Darmstadt auch über zehn Jahre  gehen würde, wäre das fantastisch, weil es dann höchstwahrscheinlich erfolgreich war.“

Die Grundvoraussetzungen für eine lange Zusammenarbeit, sie sind auf jeden Fall erfüllt. Ein Trainer, der absolut in das Anforderungsprofil passt. Ein Typ, der sehr gut mit den Werten und Gedanken des Vereins harmoniert. Und die Lilie, die sich hervorragend auf der Brust von Lieberknecht macht.

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