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17.12.2018 / Allgemein

Per Achterbahn zum Punktgewinn

Wer eine Achterbahn verlässt, der spürt zumeist recht schnell, wie sich das Adrenalin allmählich abbaut und einem gewissen Glücksgefühl weicht, das durchaus länger anhalten kann. Dem Bewusstsein, etwas erreicht zu haben, obwohl man sich auf dem Weg dorthin teilweise unwohl gefühlt hat. Für ganz ähnliche Empfindungen bei den Lilien sorgten auch die 90 Minuten im Erzgebirge, die schlussendlich ebenfalls mit positiver Grundstimmung endeten.

Wie auch im berühmtesten Fahrgeschäft war es der Beginn, der zunächst eine gewisse Ruhe ausströmte, dabei aber bereits Indizien vereinte, die auf ein späteres Anheben des Pulsschlages hindeuteten. Obwohl Aues Cheftrainer Daniel Meyer die erste Halbzeit im Nachgang als "eher einschläfernd" bezeichnete und sich damit als Adrenalinjunkie outete. Dirk Schuster hingegen wählte die Begriffe "kampfbetont und intensiv", bevor er sich dem Auf und Ab des zweiten Abschnittes widmete.
"Wir sind sehr gut gestartet mit der Möglichkeit von Sulu und dem Pfostentreffer von Dursun", skizzierte der Cheftrainer den ersten kleinen Höhenflug nach Wiederanpfiff, dem dann ein extremer Fall folgte. "Das Gefühl nach dem 0:2 war nicht gut", erklärte Marvin Mehlem am Montag angesichts der beiden Nackenschläge, die sein Team am Vortag innerhalb von einer knappen Viertelstunde hinnehmen musste.
Insbesondere das 0:1 rund 20 Sekunden nach Dursuns Alu-Treffer stand sinnbildlich für den Charakter der Partie. "Wir haben nie aufgegeben und immer weitergemacht" bilanzierte Mehlem angesichts der Reaktion, die der SV 98 auf die beiden Gegentreffer parat hatte.
"Nie die Fassung verloren"
Mit mutigem Offensivspiel und dem Willen, die schlechte Ausgangslage ins positive zu verändern, kehrten die Lilien schlussendlich das Emotionspendel wieder in ihre Richtung. Vom Tiefpunkt des Tages zum Glücksmoment innerhalb von 14 Minuten. Zweifelsohne eine surreal lange Achterbahnfahrt im herkömmlichen Sinne, in Bezug auf ein Fußballspiel aber eine rasante Veränderung der Gegebenheiten. "Wir haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt und nach den Rückschlägen nie die Fassung verloren", resümierte daher Aytac Sulu, bevor er "ein Lob an jeden Einzelnen" aussprach, der an dieser "großen Willensleistung" seinen Anteil hatte.
Dass Mehlem der Ausgleichstreffer gelang, passte ebenfalls ins Bild. Noch in der Vorwoche hatte der 21-Jährige in der Nachspielzeit den möglichen Siegtreffer gegen Ingolstadt auf dem Fuß gehabt, nun sicherte er mit seinem trockenen Abschluss den Auswärtspunkt. Ein persönliches Hin und Her im dazugehörigen Rahmen des Tages.
Stolz überwiegt
"Ich habe ein Spiel gesehen, das gefühlsmäßig schwer zu verarbeiten ist", so Schuster, der mit diesem Satz eine passende Beschreibung für das Geschehen im Erzgebirge fand. Welches Gefühl schlussendlich als Quintessenz des Wechselbades hervorging, vermittelte der gebürtige Chemnitzer ebenfalls: "Es macht mich stolz, dass meine Mannschaft so viel Herz gezeigt hat."
Und Stolz ist sicherlich ein gutes Ergebnis im Nachgang einer Achterbahnfahrt, die beinahe mit einem großen Jubelsturm geendet wäre, wenn die Lilien in den Schlussminuten einen der weiteren vielversprechenden Angriffe mit dem dritten Treffer gekrönt hätten. "Da hätten wir sogar gewinnen können", bestätigte Sulu, der mit Blick auf den Spielverlauf einen Wunsch für die Partien der anstehenden Rückrunde äußerte: "Uns wäre es am liebsten, wenn wir bald wieder ein Spiel ruhig gestalten würden. Wenn wir selbst in Führung gehen, diese bestenfalls ausbauen und die drei Punkte einfahren."
Gemischtes Hinrunden-Fazit
Ein Szenario ganz ohne Gefühlschaos und von den Lilien in den Spielen gegen Duisburg, Fürth und Magdeburg in dieser Saison bereits erlebt. Doch insgesamt passte der Nachmittag in Aue ganz gut in den Gesamteindruck der ersten 17 Spiele, die der SV 98 absolvierte. Gute Phasen, kleine Durststrecken und ein insgesamt recht positives Tabellenbild. Ein Eindruck, den auch Sulu gewonnen hatte: "Wir blicken auf eine durchwachsene Hinrunde. Es war nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut, weil wir einiges haben liegen lassen. Für uns ist es in aber insgesamt in Ordnung."
Genau wie das Gefühl, mit dem die Lilien am Sonntag das Erzgebirge verließen.

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