Kaufoption gezogen: Dettoni bleibt eine Lilie
Grayson Dettoni wird auch zukünftig das Trikot des SV 98 tragen. Die Lilien haben die Kaufoption für den bislang vom FC Bayern München ausgeliehenen Verteidiger gezogen.
Es war einer dieser Momente, die das Bölle förmlich explodieren lassen können. Nach einer Stunde zog Fraser Hornby entschlossen in den Strafraum und nagelte seinen Abschluss voller Überzeugung unter die Latte. 2:0, eine blau-weiße Jubeltraube vor der Südtribüne, Ekstase auf den Rängen. Doch keine zwei Minuten später die Ernüchterung: Nach Eingriff des Video-Assistenten wurde Hornbys Treffer zurückgenommen, der Spielstand wieder auf 1:0 gedreht und mit der Mannschaft des SV 98 geschah etwas, was schlussendlich dazu führte, dass die Gäste aus Braunschweig einen Punkt aus dem Merck-Stadion entführen konnten.
"Fußball ist nicht nur Taktik und nicht nur individuelle Qualität. Fußball ist auch: Wie gehe ich mit speziellen Momenten um?"
„Wir haben vorher zur Mannschaft gesagt: Wenn eine Sache gegen uns läuft, so wie beim aberkannten 2:0, lasst uns trotzdem weiterhin inhaltlich das machen, was wir vor besprochen haben. Aber ich denke, dass sie dennoch ein wenig zusammengezuckt sind und dann funktionieren bestimmte Dinge nicht mehr. Da war ein Moment, wo wir es nicht mehr geschafft haben, die Kontrolle zu übernehmen“, erklärte Florian Kohfeldt später auf die Frage nach den Gründen für eine gewisse Passivität seiner Mannschaft im Laufe der 2. Halbzeit.
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Lilien derzeit kein Team sind, das jegliche Widerstände überwindet und sich von keinerlei Umständen aus der Bahn werfen lässt. Von den saisonübergreifend vergangenen 32 Ligaspielen konnte der SV 98 nur eine Partie gewinnen. „Nach dem zurückgenommenen Tor hat man schon gemerkt, was in den vergangenen Monaten mit der Mannschaft passiert ist“, analysierte daher auch der neue Cheftrainer und Schlussmann Marcel Schuhen bilanzierte: „Mit der Führung im Rücken war der fußballerische Plan nach der Pause nicht mehr so da, weil wir das Ergebnis natürlich auch verteidigen wollten. Das ist auch eine Kopfthematik, wie man mit so etwas umgeht. In unserer Situation hat das bei dem einen oder anderen etwas verändert, wir wollten ein wenig sicherer spielen und sind tiefer gefallen.“
Diese Erkenntnisse aus der Partie veranlassten Kohfeldt zu einer allgemeinen Einordung: „Fußball ist nicht nur Taktik und nicht nur individuelle Qualität. Fußball ist auch: Wie gehe ich mit speziellen Momenten um?“ Entsprechend offen beantwortete der 41-Jährige nach seinem Debüt auch die Frage, ob aktuell der Bereich zwischen den Schultern eine besonders wichtige Baustelle bei den Darmstädtern sei: „Natürlich müssen wir auch auf die Köpfe einwirken. Damit das Vertrauen an sich selbst und an die Spielidee komplett vorhanden sind. Und es wird immer Momente geben, in denen ein Spiel kippen kann. Wichtig ist, dass wir dann nicht als Team umkippen.“
Und doch gab es trotz des späten Ausgleichstreffers viele positive Dinge, die der SV 98 aus dem Heimspiel mitnehmen kann. Denn losgelöst von den Momenten, denen der SV 98 aktuell noch nicht mit der erhofften Stabilität begegnet, war der angestoßene Prozess unter Kohfeldt schon deutlich sichtbar. Insbesondere in der 1. Halbzeit. „Da war von unserer Grundidee einiges zu erkennen“, so Kohfeldt, der „Zielstrebigkeit“, „Tempoaktionen“ und eine „stabile Grundstruktur“ hervorhob. Schon bei der Grundformation hatte Kohfeldt umgestellt, die Lilien agierten in einer Viererkette und übernahmen im ersten Abschnitt größtenteils die Spielkontrolle.
Kohfeldt registrierte dabei, „dass viele Inhalte, die wir besprochen und trainiert haben, bereits da gewesen sind.“ Das Gefühl des Trainers beim Blick auf den Rasen teilten auch die Protagonisten auf dem Platz, wie Schuhen zu Protokoll gab: „Der Plan des Trainers wurde von uns schon teilweise gut umgesetzt. Das zeigt, dass wir diesen Plan fühlen. Wenn man so etwas nach sieben Tagen schon sagen kann, ist das ein gutes Zeichen.“
Sowohl für den Schlussmann als auch für den Coach geht es nun darum, immer mehr in „Automatismen“ zu kommen, um die angestoßene Entwicklung weiter zu stärken und das Team damit auch stabiler zu machen. „Das ist ein Prozess“, fasste Schuhen zusammen, der auch noch einmal darauf verwies, dass die Mannschaft erst am vergangenen Montag erstmals gemeinsam mit Kohfeldt auf dem Platz gestanden hatte. „Innerhalb von einer Trainingswoche ist das nicht so einfach, viele Dinge zu verinnerlichen. Dafür haben wir es schon ganz gut gemacht.“
Jetzt wartet eine kurze Woche auf die Südhessen, die bereits am kommenden Freitag beim FC Schalke 04 gastieren werden. Ein Highlight, dem die Lilien und insbesondere der Cheftrainer mit positiven Gedanken entgegenblicken: „Wir gehen den Weg weiter und ich bin sicher, dass wir auf Schalke schon einen weiteren Schritt gemacht haben werden.“
Noch stehen die Lilien am Anfang des Prozesses unter Kohfeldt. Es macht aber den Anschein, als könnte dieser schnell voranschreiten.