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04.03.2019 / Allgemein

Raum für mehr

Als Dimitrios Grammozis gegen 11:40 Uhr die SchücoArena betrat, da lag seine erste Einheit als Lilientrainer fast exakt eine Woche zurück. Und selbst im schnelllebigen Fußballgeschäft sind 7 Tage ein extrem kurzer Zeitraum, um mit einer Mannschaft eine Vielzahl an Abläufen, Laufwegen oder gar eine gravierende Veränderung der Spielphilosophie einzustudieren. Und so war auf der Bielefelder Alm zwar schon eine Handschrift des 40-Jährigen erkennbar, aber auch, dass die Lilien speziell im Offensivspiel noch Luft nach oben haben.

"Die Spielanlagen waren ja durchaus ähnlich", resümierte ein Journalist nach Spielende in der Mixed-Zone angesichts zweier Teams, die über 90 Minuten versucht hatten, über Kombinationsfußball zum Erfolg zu kommen. So verzichteten die Lilien quasi im gesamten Spielverlauf auf lange Bälle oder Abstöße, um viel eher über verschiedene Stationen und das Kurzpassspiel die eigenen Angriffe aufzuziehen. "Wir haben da viele Sachen gut gelöst, haben hinten herausgespielt und damit immer wieder Räume geöffnet", bilanzierte daher auch Marcel Heller, bevor er auf das wohl größte Manko des Tages zu sprechen kam: "Und diese Räume müssen wir besser nutzen."
Denn in der Tat gelang es dem SV 98 in vielen Situationen, in Gleich- oder sogar Überzahl bis in die gegnerische Hälfte vorzudringen, wo dem Team dann aber ein wenig die Durchschlagskraft abging. "Uns hat der letzte Pass und vielleicht der letzte Wille im Spiel nach vorne gefehlt", erklärte Marvin Mehlem, der in Bielefeld mit seinem Pfostentreffer nur wenige Zentimeter am Ausgleichstreffer vorbeigeschrammt war. Im Rahmen der Medienrunde am Montagvormittag gab der 21-Jährige dann auch einen Einblick in die Schwerpunkte, die Grammozis dem Team bei seiner Premiere mit auf den Weg gegeben hatte. "Wir hatten die Vorgabe, die Defensive ein wenig zu stabilisieren. Daran haben wir in der vergangenen Woche intensiv gearbeitet. Das ist ganz gut gelungen, auch wenn Bielefeld zu ein paar Chancen und dem Tor gekommen ist."
Ein angestoßener Prozess
Doch der defensive Gesamteindruck stimmte, wie auch Grammozis feststellen durfte: "Da waren wir strukturiert, das war weitestgehend okay." Auch den Mut und die Ideen im tiefen Spielaufbau nahm der neue Cheftrainer durchaus positiv zur Kenntnis ("Ich war mit einigen Ballpassagen zufrieden"), verwies aber auch auf seine überschaubare Wirkungszeit am neuen Standort: "In der Kürze der Zeit konnten wir noch keine großen Sachen machen. Das ist alles ein Prozess, der nicht von heute auf morgen funktionieren kann."
Und so konnte es als durchaus positiv eingeordnet werden, dass bereits einige Dinge zumindest ordentlich funktionierten. Ein Abstimmungsproblem verhinderte eine mögliche weiße Weste, auf das Offensivspiel dürfte in der kommenden Trainingswoche ein Schwerpunkt gesetzt werden: "Wir müssen uns trauen, Risikopässe zu spielen, die sicherlich auch mal nicht ankommen können", forderte Heller mit Blick auf die nächsten Wochen und fügte an: "Wir wollen den Gegner noch mehr bewegen, und noch mehr Räume schaffen. Das war schon gar nicht so schlecht, aber das wollen wir in Zukunft noch konsequenter bespielen."
"Der Trainer hat uns schon viel mitgegeben"
Das Spiel in Bielefeld hinterließ Raum für mehr. Raum, den die Spieler in den kommenden Tagen weiter ausfüllen möchten. Zumal der neue Trainer innerhalb der kurzen Zusammenarbeit mit den Lilien schon einiges angestoßen hat, wie Heller bestätigte: "In der einen Woche hat uns der Trainer schon viel mitgegeben. Wir werden weiterhin Dinge einstudieren und andere weiter verbessern. Und dann bin ich sicher, dass die kommenden Wochen erfolgreicher werden."
Zumal sowohl Trainerteam als auch Spieler wissen, dass aufgrund der Tabellensituation nicht ewig Zeit bleibt, um Neuerungen zu verinnerlichen. Bestenfalls gelingt schon am kommenden Samstag gegen Kiel eine derart gute Umsetzung, dass nach Spielende auch etwas Zählbares auf dem Punktekonto der Lilien landet. Denn auch dort herrscht nach 24 Spieltagen weiterhin Raum für mehr.  

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