Kaufoption gezogen: Dettoni bleibt eine Lilie
Grayson Dettoni wird auch zukünftig das Trikot des SV 98 tragen. Die Lilien haben die Kaufoption für den bislang vom FC Bayern München ausgeliehenen Verteidiger gezogen.
„Saugt das auf, Männer! Saugt das auf!“, schrie Marcel Schuhen seine Teamkollegen nach Abpfiff an. Da standen sie gerade aufgereiht vor dem Gästeblock, rissen gemeinsam mit über 2.000 mitgereisten Lilien-Fans die Arme nach oben. Einklatschen. SVD. Gänsehaut. „Saugt das auf!“ Was er damit meinte: Kanalisiert diese Emotionen nach Abpfiff. Das Gefühl des Sieges. Nehmt die Freude über einen der wohl spektakulärsten Auswärtsdreier und den Schub dieses unfassbaren Comebacks mit in die neue Arbeitswoche.
Dabei sah es nach 38 Zeigerumdrehungen keinesfalls danach aus, dass die Lilien nach Abpfiff überhaupt nur irgendetwas hätten feiern können. Ron Schallenberg hatte da gerade den dritten Schalker Treffer erzielt. „Natürlich denkt man nach dem 0:3 kurz daran, dass hier alles in die falsche Richtung läuft“, gab der Schlussmann des SV Darmstadt 98 ehrlich zu. Ähnlich beurteilte auch Florian Kohfeldt die Situation nach diesem doch so deutlichen Rückstand: „Normalerweise kommt man nach so einer ersten Halbzeit nicht mehr zurück. Normalerweise gewinnst man so ein Spiel nach 0:3 nicht mehr.“
Man sollte niemals aufgeben, an etwas zu glauben!
Aber: „Wir haben es heute geschafft“, freute sich der Cheftrainer des SV 98. Weil die Lilien eine herausragende Mentalität und eine unglaubliche Moral an den Tag legten. Weil sie trotz dieser Nackenschläge im ersten Spielabschnitt immer mutiger wurden und durch den Handelfmeter von Fraser Hornby zurück in die Partie kamen. Die Nummer 9 des SVD? Ohnehin ein gutes Beispiel für Mut: Spielte er noch vor dem 0:1 einen entscheidenden Fehlpass, schnappte er sich dann aber vor der Schalker Nordkurve den Ball und verwandelte selbstbewusst sowie eiskalt vom Punkt. Ein Treffer, der den Glauben erwecken ließ. „Man sollte niemals aufgeben, an etwas zu glauben. Das passt heute sehr gut“, fasste es Schuhen in seinem Statement nach Abpfiff zusammen. Die Geschichte des Spiels: Aus 0:3 mach 5:3 – dank der Treffer von Hornby, einem Dreierpack von Isac Lidberg und dem Schlusspunkt von Sergio Lopez. Ein spektakulärer und umjubelter Auswärtssieg der Lilien, der „sich unglaublich gut anfühlt“, wie Lidberg verdeutlichte.
…dass die Lilien im ersten Durchgang vor allem defensiv nicht das zeigten, was sie sich vorgenommen hatten. Zudem hätte der FC Schalke 04 nach Wiederanpfiff mit zwei hochkarätigen Chancen den Deckel draufmachen können, was Schuhen mit wiederum zwei starken Paraden zu verhindern wusste. „Speziell gegen den Ball geht das überhaupt nicht, was wir vor der Pause gespielt haben“, ärgerte sich Kohfeldt. In der Halbzeit dann nahm der sich erst seit gut zwei Wochen im Amt befindliche Cheftrainer entscheidende Änderungen vor. „Er hat eine ganz kleine Umstellung in der Pause vorgenommen, die allerdings immens war“, verriet Schuhen und ergänzte: „Wir hatten nach der Pause eine unglaubliche Power auf dem Platz, jeder wollte den Ball haben. Es ist eine besondere Körpersprache entstanden. Das war außergewöhnlich gut.“ Ohnehin arbeitet Kohfeldt gerade tagtäglich daran, der Mannschaft seine Spielidee einzuimpfen, was diese nun stetig besser umzusetzen weiß. Erfolgserlebnisse helfen dabei natürlich. „Man glaubt an Ideen, wenn sie erfolgreich sind“, so Schuhen. Und die Ideen des Cheftrainer waren am Freitagabend erfolgreich.
Der erste Sieg in der Liga, ein ganz besonderer dazu. Wie viel Selbstvertrauen und Schub kann dieser Dreier der Mannschaft geben? Das wurde Florian Kohfeldt auf der Pressekonferenz in den Katakomben der Veltins-Arena gefragt. „Natürlich kann uns dieses Spiel sicherlich einen großen Schub geben“, betonte der Chefcoach des SV 98, machte gleichzeitig aber auch deutlich: „Wir dürfen uns aber nicht darauf verlassen.“ Schließlich war es nur ein Spiel, am Ende auch nur die ersten drei Punkte der laufenden Spielzeit.
Viel Arbeit liegt noch vor den Darmstädtern, die am kommenden Samstagmittag (28.9./13 Uhr) den 1. FC Magdeburg im Merck-Stadion am Böllenfalltor empfangen. „Wir müssen den Schub viel eher nutzen, um weiter an unseren Inhalten zu arbeiten“, so Kohfeldt, der konkret fußball-taktische sowie mentale und athletische Inhalte damit meinte. Denn erst im Magdeburg-Spiel wird sich zeigen, wie viel der Emotionen auf Schalke die Mannschaft aufsaugen und kanalisieren, wie sehr sie den Schub aus Gelsenkirchen für die Trainingsarbeit an ihren Inhalten nutzen konnte.