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09.08.2018 / Allgemein

„Schön, dass ich es jetzt als Lilie erleben darf“

Beim Saisonauftakt gegen den SC Paderborn feierte Sebastian Hertner sein Pflichtspieldebüt für die Lilien. Die besondere Stimmung am Böllenfalltor kannte der Neuzugang aber bereits aus der Vergangenheit. Mit sv98.de sprach unsere Nummer Zwei über positive Erinnerungen, den geglückten Start und die kommende Partie gegen den FC St. Pauli.

sv98.de: Basti, gegen Paderborn hast du dein Pflichtspiel-Debüt für die Lilien gefeiert. Wie war das erste Mal als Darmstädter im vollen Bölle?
Sebastian Hertner: Es war eine besondere Atmosphäre. Natürlich war ich ein wenig aufgeregt, die Vorfreude war riesig. Aber es ist wirklich alles positiv gelaufen und wir haben das Spiel dann auch positiv gestalten können.
sv98.de: Speziell in der Schlussphase war die Stimmung wieder sehr lautstark. Ein besonderer Push, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen?
Hertner: Wir haben schon gemerkt, dass die gewonnenen Zweikämpfe noch lauter bejubelt wurden und dass die Fans absolut hinter und standen. Sie wissen genau, dass wir sie brauchen und zwar die gesamte Saison. Umso schöner war es, dass wir direkt mit dem Sieg starten konnten und ein gemeinsames Positiverlebnis hatten.
sv98.de: Am 13. Mai hast du diese Atmosphäre noch als Gegner gespürt. Im Trikot von Erzgebirge Aue und in einem besonderen Spiel. Ein wenig skurril, dass du nun als Lilie auf dem Platz stehst?
Hertner: Ich habe zumindest noch einmal an dieses Spiel zurückgedacht. Allerdings nur positiv, weil wir mit Aue und auch ich persönlich damals ein gutes Spiel gemacht haben. Deswegen habe ich versucht, diese Gedanken in positive Energie für mein erstes Pflichtspiel hier umzuwandeln. Es ging damals für beide Mannschaften um viel, aber ich habe das ganze Drumherum trotz unserer Niederlage extrem positiv wahrgenommen. Schön, dass ich es jetzt als Lilie erleben darf.
sv98.de: Du hast damals nach Spielende noch auf der Tribüne gesessen und auch mit Lilienfans gesprochen. Ein ungewöhnliches Bild. Was haben die Anhänger dir gesagt?
Hertner: Wir haben schon direkt nach Abpfiff gemerkt, dass wir als Gastverein beklatscht worden sind und uns Mut für die Relegation zugesprochen wurde. Als es dann etwas ruhiger war, bin ich auf die Tribüne, da  meine Familie und einige Freunde bei dem Spiel waren und ich sie natürlich noch sehen wollte. Auch dort haben mich Fans angesprochen, Mut zugesprochen, speziell ein Fan, der mir viele positive Dinge mitgegeben hat. Mittlerweile weiß ich, dass dieser Fan hier „Kutten-Kalli“ genannt wird und es ist schon eine schöne Geschichte, dass ich mich jetzt als Darmstädter auf unserer Saisoneröffnung wieder mit ihm unterhalten habe.
sv98.de: Waren diese Eindrücke auch in deinem Hinterkopf als es um einen Wechsel nach Darmstadt ging?
Hertner: Es war natürlich nicht ausschlaggebend, aber schon ein kleiner Bonus. Ausschlaggebend waren die Gespräche mit dem Trainerteam, die Ideen und die Philosophie. Aber die Atmosphäre ist schon hängengeblieben und es freut mich sehr, dass ich sie jetzt öfter mitbekommen darf.
sv98.de: Überhaupt bist du sehr fannah, ob nach dem Training oder auch im Trainingslager. Du scheinst den direkten Kontakt zu schätzen…
Hertner: Es gibt auch Phasen, in denen ich gerne mal für mich bin. Aber wenn es sich ergibt, dann bin ich offen und auch gerne bereit für Kommunikation. Ich will authentisch sein und habe überhaupt keine Probleme damit, wenn Fans nach dem Training auf mich zukommen. Solange es sachlich bleibt, kann man mit mir auch kritisch über Dinge sprechen, natürlich freut man sich auch immer über ein Lob.
sv98.de: Nochmal zurück zum Auftakt. Wie wichtig waren die drei Punkte gegen Paderborn?
Hertner: Es war nur der erste Spieltag, aber wir wollten unbedingt gut in die Runde kommen. Auch wenn ich im vergangenen Jahr noch nicht hier war, wollten wir alle die laufende Serie an ungeschlagenen Spielen weiter fortführen, das ist uns super gelungen. Und generell machen drei Punkte zum Auftakt den Kopf ein wenig freier. Nach einer Niederlage wärst du jetzt mit einem anderen Gefühl nach St. Pauli gefahren, auch wenn es dort nur der zweite Spieltag ist. So versuchen wir den guten Start dort abzurunden, zumal Pauli in der Vergangenheit für Darmstadt ja ein ganz guter Gegner gewesen ist.
sv98.de: Und nach sieben Wochen Vorbereitung wolltet ihr euch sicherlich auch wenig für die Schufterei belohnen.
Hertner: Auf jeden Fall. Die Vorbereitung war heftig, da gibt es auch Momente, in denen du das Trainerteam verteufelst. (lacht) Schlussendlich weißt du aber genau, dass du jetzt 90 Minuten marschieren kannst und bist dankbar für diese Einheiten. Und mit einem Auftaktsieg sind dann auch die Qualen der Vorbereitung vergessen.
sv98.de: Die anderen Ergebnisse haben sofort wieder verdeutlicht, wie eng die Liga auch in diesem Jahr sein wird…
Hertner: Die Liga ist wieder extrem ausgeglichen, das war uns aber schon vor dem Start klar. Trotzdem überrascht es natürlich, wenn Kiel dann sofort mit einem 3:0 in Hamburg aufhorchen lässt. Die Ergebnisse sind nicht vorhersehbar, es braucht an jedem Wochenende wieder den totalen Fokus auf die Aufgabe. Nur ein Prozent weniger und du kannst gleich zu Hause bleiben. Das war auch in den vergangenen Jahren in dieser Liga so, oft entscheidet die bessere Tagesform. Oder es reicht ein Standard, weil die Spiele so ausgeglichen sind.
sv98.de: Ein extrem schweres Spiel wartet auch am Freitag auf euch. 20.30 Uhr am Millerntor, da kribbelt es doch sicherlich bei jedem Fußballer?
Hertner: Das Millerntor ist einfach etwas Besonderes. Fans, Stimmung, Kabinentrakt, das ist eine besondere Kulisse und der FC St. Pauli auch ein besonderer Verein. Da freuen wir uns alle, dort am Freitag aufzulaufen.
sv98.de: Du selbst hast ganz gute Erfahrungen dort gemacht. Mit Aue warst du drei Mal dort zu Gast, verloren hast du nie. In der vorletzten Saison standest du beim 2:1-Auswärtserfolg 90 Minuten auf dem Platz. Ein gutes Gefühl für den Hinterkopf?
Die letzten Spiele sind immer noch abgespeichert. Sogar mein erstes Länderspiel in der U18 hatte ich dort, damals haben wir 4:0 gewonnen. Es ist auch schön zu sehen, wie sich das Stadion dort entwickelt hat. Von den alten Tribünen hin zu einer bombastischen Spielstätte. Ich erinnere mich sehr gern an die Spiele dort, auch wenn ich mit 1860 einmal sehr unglücklich dort verloren habe. Aber sonst sind es nur sehr positive Gedanken, die ich auch mit in das Spiel nehmen werde.

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