FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Das 3:0 durch Braydon Manu, es war nur wenige Sekunden alt. Der ausgelassene Jubel auf dem Spielfeld hatte sich gerade gelegt, auf den Rängen herrschte dagegen noch die pure Ekstase. Und genau in diesem Moment stand Phillip Tietz im Mittelkreis. Mit ernster Miene blickte er in die Gesichter seiner Teamkollegen. Gleich mehrfach tippte er sich dabei mit beiden Zeigefingern rechts und links an die Schläfe. Noch einmal alle Sinne schärfen, so sein Ziel. Weitermachen, bis zum Ende konzentriert bleiben. Eine Devise, die nicht nur für das Duell mit Erzgebirge Aue galt. Sie gilt auch für das nun noch zwei Spiele umfassende Saisonfinale der 2. Bundesliga.
Die Lilien haben mit dem 6:0 gegen die Sachsen einen wichtigen Heimsieg errungen und ihre Ausgangsposition in dieser enorm engen 2. Liga weiter verbessert, ja. Gerade die sechs Treffer zahlten positiv auf das eigene Torverhältnis ein, wodurch der SV 98 die Konkurrenz aus Bremen überholen und sich aktuell auf Tabellenplatz zwei setzen konnte. “Doch insgesamt war das heute nur ein Schritt“, mahnte Fabian Holland. Einer von dreien im Saisonendspurt. “Mehr aber auch nicht“, so der Kapitän des SV 98 weiter.
Dem Druck standgehalten
Dennoch zeigten die Südhessen gegen Aue, dass sie zurecht dort oben in der Tabelle stehen. Und das unter gar nicht mal so einfachen Voraussetzungen. 20.30 Uhr, Böllenfalltor. “Eine super Anstoßzeit, wenn es denn endlich soweit ist”, erklärte Torsten Lieberknecht. Das Duell mit den Sachsen war der Abschluss des 32. Spieltags. Zuvor gab es bereits eine verrückte Zweitliga-Konferenz am Freitagabend, weitere Partien am Samstagmittag. Die Spiele der Konkurrenz längst beendet, also alle Augen auf Darmstadt. Dazwischen eigentlich genug Zeit, um sich den Kopf über mögliche Konstellationen zu zerbrechen. Eigentlich. “Natürlich war es ein schwieriges Spiel mit einem gewissen Druck”, verriet Tobias Kempe und verdeutlichte, dass die Ergebnisse auf den anderen Plätzen die Köpfe der Lilien eben nicht verbarrikadierten: “Es ging heute nur um uns. Wir mussten nur auf uns schauen und unser Ding machen. Das haben wir getan.”
Und wie. Bereits in der ersten Halbzeit spielten sich die Lilien – angefeuert vom frenetischen, lautstarken Darmstädter Publikum – in einen Rausch. Luca Pfeiffer, Tim Skarke, Braydon Manu. Drei Tore in gerade mal drei Minuten, dazu noch ein weiterer Skarke-Treffer vor der Pause. Der SV 98 ließ dem Gegner aus dem Erzgebirge vor allem in der ersten Halbzeit, doch auch über die gesamte Spieldauer, kaum Luft zum Atmen. 19:3 Torschüsse, eine Passquote von knapp unter 90 Prozent sowie mehr Ballbesitz (60:40 Prozent) und die bessere Zweikampfquote (54:46 Prozent).
Wuchtig und respektvoll
“Es hat sehr viel von dem funktioniert, was wir uns vorgenommen hatten. Es war extrem wichtig, direkt zu zeigen, dass wir voll da sind”, lobte Holland die wuchtige Anfangsphase der Südhessen. Auch Kempe unterstrich: “Wir haben von Beginn an Vollgas gegeben, die frühe Führung und die beiden Treffer direkt danach waren dann extrem wichtig. Danach hat uns die Atmosphäre getragen.” Wichtig war dann allerdings, nicht in Schönspielerei zu verfallen oder die Arbeit einzustellen. Ganz im Gegenteil. Der respektvolle Umgang mit Spielständen und den Situationen des Gegners ist etwas, was den SV Darmstadt 98 ohnehin in dieser Saison auszeichnet. Lieberknecht: “Für mich ist trotz des Sieges die schönste und wichtigste Erkenntnis, dass die Mannschaft selbst bei diesem Spielstand seriös geblieben ist und den Gegner respektiert hat.”
Natürlich brachten die Südhessen im zweiten Durchgang nicht mehr diese brachiale Wucht aus der ersten Hälfte auf den Rasen. Doch blieben sie dran sowie weiter klar und zielstrebig in ihren Aktionen. Mathias Honsak und Tobias Kempe sorgten schließlich für den Endstand. Zwei weitere wichtige Treffer, wodurch die Lilien nun 67 Saisontore auf dem Konto haben. Gemeinsam mit Schalke 04 stellt der SV 98 nun die beste Offensive der 2. Bundesliga und hat bereits nach 32 Spieltagen die eigene Torausbeute der vergangenen Saison (63) geknackt.
Düsseldorfer Vollbrett
Diese Energie des Darmstädter Spiels gilt es nun, mit in die kommende Woche zu nehmen. Am Freitagabend gastieren die Lilien bei Fortuna Düsseldorf (6.5./18.30 Uhr). Als “ein absolutes Vollbrett” beschrieb Lieberknecht die Rheinländer. “Haben die unter dem neuen Trainer überhaupt schon ein Spiel verloren? Ich glaube nicht”, fragte und antwortete Kempe. Und er hat recht. Daniel Thioune übernahm die Fortuna Anfang Februar. Seitdem sind elf Spiele vergangen und die Düsseldorfer immer noch ungeschlagen. Eine Serie, die die Darmstädter brechen wollen. Denn am Rhein soll er gelingen, der zweite von drei Schritten im Saisonfinale.