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07.02.2021 / Allgemein

Selbst schuld

Als Fabian Holland den Ball vom Elfmeterpunkt in das Tornetz hämmerte, witterten sie ihre große Chance in den Reihen des SV Darmstadt 98. Sie wollten mehr, vier Zeigerumdrehungen ließ das Schiedsrichtergespann nachspielen. Das psychologische Momentum lag auf der Seite der Hausherren, der in Unterzahl befindliche Gegner taumelte. Normalerweise würde bei der fast über die kompletten 90 Minuten sattelfesten Defensive auch nichts mehr anbrennen - gegen einen bekanntlich dezimierten und soeben geschockten Gegner. “Aber in dieser Saison ist fast nichts normal”, raunzte ein genervter Fabian Holland ins Mikrofon.

Foto: Holtzem

Es war eine dieser unzähligen Momente in dieser Saison, die die Wende hätte einleiten können. Aber die Lilien ließen die Chance ungenutzt. Mehr noch: Sie sorgten dafür, dass man nach einem Spiel, in dem locker drei Punkte drin gewesen wären, nicht über immerhin einen erkämpften Zähler sprach. Sondern sie standen sich am Ende abermals selbst im Weg und schenkten die Punkte auf dem Silbertablett her. Ein Spiegelbild der Saison.

Statt sich die Lilien noch die Chance auf einen späten Sieg erspielen, köpften sie sich den Ball ins eigene Tor. Ein Eigentor, welches an Slapstick kaum zu überbieten war. Und dabei ziehen sich diese zahlreichen Nackenschläge schon durch die gesamte Saison – egal, ob durch Treffer des Gegners oder durch eigenes Verschulden. Diese bis dato verkorkste Spielzeit noch zu überbieten? Fast unmöglich. Fast. “Doch wir haben heute nochmal einen draufgesetzt”, ärgerte sich Holland über das dreifache Geschenk, das die Lilien dem 1. FC Nürnberg in den Schlussminuten des 20. Spieltags überreichten. Wenn der SV 98 im Heimspiel gegen die Franken schon keinen Dreier eintüten könne, dann doch bitte zumindest einen Zähler. Aber selbst dazu kam es nicht. Die Verwunderung allein des Gästetrainers darüber sprach Bände. “Wir wollten nach dem Ausgleich in Unterzahl einen Punkt mitnehmen. Dann werden wir am Ende aber noch beschenkt und konnten es gar nicht richtig glauben”, erklärte FCN-Coach Robert Klauß.

„Für unsere Niederlage sind wir selbst verantwortlich“

Dass die Nürnberger den Platz als Sieger verließen, hatten schließlich nicht sie zu verantworten. Es war allein der SV Darmstadt 98. “Für unsere Niederlage sind wir selbst verantwortlich, wir haben uns das selbst zuzuschreiben”, monierte Markus Anfang. Selbst schuld, so lautete sie, die einhellige Analyse aller blau-weißen Protagonisten. Da half es auch nicht, dass die Lilien mal wieder mehr Ballbesitz, mehr Torschütze sowie die bessere Pass- und Zweikampfquote im Merck-Stadion vorweisen konnten. Werte, die zwar schön anzuschauen und natürlich auch von einer gewissen Bedeutung, aber längst kein Patent dafür sind, am Ende auch als Sieger vom Platz zu gehen. Um letzteres zu erreichen, braucht es – auf das wichtigste herunter gebrochen – sowohl eine effektive Offensive als auch eine stabile Defensive.

Was nutzt es, wenn sich der SV 98 zahlreiche vielversprechende Situationen und Möglichkeiten erspielt, diese Chancen Spieltag um Spieltag aber fahrlässig vergibt? Was nutzt es, wenn sich die mannschaftliche Defensive im Vergleich zu Beginn der Saison stark verbessert zeigt, dann aber in den entscheidenden Momenten entweder in der Rest-Verteidigung unsortiert ist (0:1) oder gleich selbst auf groteske Art die Bälle im eigenen Netz unterbringt (1:2)? 

Wie hieß es so schön zu Erstliga-Zeiten, als Gegner am laufenden Band nach Spielende lamentierten, wie die vermeintlich duseligen Darmstädter dieses Spiel gewinnen konnten? Immer Glück ist Können. Das Gegenteil davon? Immer Pech ist Unvermögen. Anfang: “Wir hatten viele gute Offensivaktionen, machen aber viel zu wenig daraus.“ Mal wieder. Auf den Punkt da sein, die Chance(n) beim Schopf ergreifen – auch darauf kommt es an, um in dieser 2. Bundesliga erfolgreich zu sein. “Wir müssen uns der Kritik stellen”, sagte der Cheftrainer des SV 98, “dass wir vorne nicht effektiv genug sind. Wir müssen uns daran messen lassen, wie wir mit unseren Torchancen umgehen.”

Kann nicht der Anspruch sein

Denn werden in der Defensive die Bälle nicht gut verteidigt, ist es ein Fehler. Werden aber in der Offensive die Chance nicht genutzt, ist es ebenso ein klarer Fehler. “Wir müssen uns an die eigene Nase packen”, forderte Anfang und gab seiner Mannschaft mit auf den Weg: “Jeder Spieler muss mit sich selbst ins Gericht gehen, ob das der Anspruch von jedem einzelnen ist.” Gute Spiele abzuliefern, doch in den entscheidenden Momenten in dieser Häufigkeit nicht da zu sein? Ein Muster ohne Wert. Eine B-Note, von der sich der SV 98 tabellarisch nichts kaufen kann.

Es gilt, in den entscheidenden Momenten die nötige Konzentration aufweisen, die absolute Konsequenz. Und ja, auch Kampf. Zwar konnte man den Hausherren abermals keinen Vorwurf in puncto Leidenschaft, Einsatz und Moral machen. Aber im Abstiegskampf kommt es auch darauf an, sich mit jeder Faser des Körpers zu wehren gegen das vermeintliche Unglück. Wehrhaftigkeit, um sich am eigenen Schopf aus der Misere zu ziehen.

Dinge, die zwingend besser werden müssen. Schließlich warten auf den SV 98 in den kommenden Wochen wichtige Duelle gegen den VfL Osnabrück (14.2.) und St. Pauli (20.2.) – zwei Gegner, die punktgleich mit den Lilien knapp vor der gefährliche Zone rangieren. Nach zwei Englischen Wochen haben die Blau-Weißen nun die Zeit, den Kopf freizubekommen und sich bestmöglich auf die nächsten Herausforderungen einzustellen. Denn eines ist sicher: Es ist unabdingbar, dass der SV Darmstadt 98 seine offensiven sowie defensiven Unzulänglichkeiten abstellt, damit er sich nicht mehr selbst um Punkte bringt. Die Lilien, sie haben es selbst in der Hand. Es liegt an ihnen.

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