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10.05.2017 / Allgemein

„Steht außer Frage, bis zum Schluss Vollgas zu geben“

Am 11. März absolvierte Peter Niemeyer sein bislang letztes Spiel für die Lilien. Seitdem fehlt der 33-Jährige aufgrund einer Fersenreizung. Nah an der Mannschaft ist Niemeyer aber immer gewesen. Im Interview spricht die Nummer 18 über den Stand seiner Verletzung, die positive Entwicklung in der Rückrunde und seine Gefühle angesichts des feststehenden Abstiegs.

sv98.de: Peter, zunächst die wichtigste Frage: wie geht es dir?
Peter Niemeyer: Es wird stetig besser. Leider ist es eine sehr langwierige Geschichte, aber ich bin absolut auf dem Weg der Besserung.
sv98.de: Du hast in dieser Woche schon individuell auf dem Platz gearbeitet, was sicherlich ein gutes Gefühl gibt…
Niemeyer: Total. Ich bin seit langem fleißig in der Reha und gebe Vollgas. Da ist es einfach schön, wenn du zurück auf dem Platz bist. Auch wenn es noch kein Mannschaftstraining ist.
sv98.de: Inwiefern behindert die Verletzung auch deine Planung für den verdienten Sommerurlaub?
Niemeyer: Ich habe die letzten Wochen sehr hart gearbeitet, und werde das auch in den kommenden tun. Ich plane Reha und Urlaub so, dass ich zum Saisonstart voll dabei bin.
sv98.de: Seit dem vergangenen Samstag ist der Abstieg offiziell. Mit welchen Gefühlen hast du den Schlusspfiff in München verfolgt?
Niemeyer: Natürlich sah es schon über Wochen nach Abstieg aus. Aber, als es definitiv war, ist schon eine Leere in mir gewesen. Absteigen ist immer eine riesige Enttäuschung für alle Beteiligten, weil man die ganze Saison für ein anderes Ziel gearbeitet hat. Wir hätten nicht absteigen müssen, das haben wir in der Rückrunde bewiesen. Auch wenn uns alle Experten von Beginn an als Absteiger gesehen haben, haben wir ihn uns selbst zuzuschreiben. Wir haben zu viele Fehler gemacht, die einem derart kleinen Verein wie Darmstadt 98 eben nicht passieren dürfen. Dieses Wissen sorgt schon für Enttäuschung. Hervorheben muss ich aber die Fans, die definitiv erstklassig sind. Sie haben uns über die gesamte Saison unterstützt, was überhaupt nicht selbstverständlich ist.
sv98.de: Wie wichtig war es dir persönlich zu sehen, dass sich die Mannschaft nicht hängen lässt und sich ordentlich aus der Liga verabschiedet?
Niemeyer: Extrem wichtig. Vor allem gibt es uns ein gutes Gefühl für den Neustart. Als Absteiger braucht es immer Gewöhnungszeit, bis du als Mannschaft in der zweiten Liga ankommst. Wir haben damals mit Hertha die ersten drei Spiele nicht gewonnen, bevor wir eine überragende Runde gespielt haben. Aber die ersten Spiele brauchten wir, weil wir das Gefühl des Abstiegs noch mitgeschleppt haben. Deswegen ist ganz wichtig, dass wir hier mit einem positiven Gefühl – im Gegensatz zu vielen anderen Absteigern – in die neue Saison starten können.
sv98.de: Während deiner Verletzung warst du nahezu bei jedem Heim- und Auswärtsspiel. Wichtig, immer nah an der Mannschaft zu bleiben?
Niemeyer: Wir gewinnen zusammen, und wir verlieren zusammen. Deswegen ist es mir wichtig, auch in dieser Situation immer dabei zu sein. In guten, wie in schlechten Zeiten.
sv98.de: Du selbst bist ein absoluter Kämpfertyp. Hast du den Jungs auch gesagt, wie wichtig es ist, bis zum Schluss alles rauszuhauen?
Niemeyer: Die Jungs haben schon mitbekommen, dass ihre Leistung von außen honoriert wird. Für mich hat es auch mit Stil zu tun. Die Bundesliga ist ein Privileg, dementsprechend sollten wir sie bis zum Ende genießen und Gas geben. Dort, wo wir sind, da wollen ganz viele Leute hin. Wir durften und dürfen noch dort spielen, deswegen ist es wichtig, dass wir jedes Spiel annehmen, genießen und alles raushauen. Für mich steht es außer Frage, bis zum Schluss Vollgas zu geben.
sv98.de: Oft hast du die Spiele mit deinem Sohn besucht. Ist er endgültig zum Fußballfan geworden?
Niemeyer: Zum Fußballfan schon (lacht) Er schwankt noch zwischen Bayern und Darmstadt (grinst) Es ja immer so bei Kindern, dass sie die Mannschaften toll finden, die ständig gewinnen. Zumindest in den letzten Wochen haben wir in der Hinsicht Punkte gesammelt.
sv98.de: Ein „positiver“ Effekt der Verletzung, dass du mit deinem Sohn Fußball gucken kannst?
Niemeyer: Da hätte ich lieber noch zwei Jahre drauf gewartet und selbst auf dem Platz gestanden.
sv98.de: Du selbst hast dein letztes Spiel gegen Mainz absolviert. Trotzdem hast du viele Einheiten unter Torsten Frings gemacht. Was hat Torsten in die Mannschaft gebracht?
Niemeyer: Die Reputation, die sich die Mannschaft seit dem Winter erarbeitet hat, ist unfassbar. Ich finde auch nicht, dass wir nur die drei Siege in Folge betrachten sollten. Es war auch vorher schon so. Ob in Bremen, gegen Dortmund oder in anderen Spielen. Wir haben uns nur nicht für die Leistungen belohnt, die wir gezeigt haben. An diesem Aufschwung hat Torsten riesigen Anteil.
sv98.de: Am Samstag kommt nun dein Ex-Verein, die Hertha. Erneut verpasst du das Heimspiel gegen die alte Liebe. Doppelt bitter für dich?
Niemeyer: Total bitter. Überhaupt hätte ich viele Sachen in den letzten Wochen gerne miterlebt.  Aber ich will gar nicht daran denken, was ich durch die Verletzung alles verpasst habe.
sv98.de: Du hast viel Kontakt nach Berlin. Hertha strebt nach Europa, wir haben gezeigt, dass wir absolut nichts abschenken. Was erwartest du für Samstag?
Niemeyer: Einen großen Fight. Hertha muss Vollgas geben und nach so vielen Auswärtsniederlagen in Folge bei uns punkten. Ich wünsche dem Verein und der ganzen Stadt absolut die Europa League, hoffe aber, dass es auch reicht, wenn sie nur das letzte Heimspiel gewinnen.
sv98.de: Du hast die Fans bereits angesprochen. Sind sie der größte Anreiz, um am Samstag noch einmal drei Punkte zu holen?
Niemeyer: Mir war es teilweise fast unangenehm, welche riesige Qualität unsere Fans geliefert haben, und dass wir diese Unterstützung auf dem Platz zu selten vergolden konnten. Das vorerst letzte Heimspiel in der Bundesliga ist nun ein optimaler Anlass, um den Fans noch einmal etwas zurückzugeben.

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