Den Abschluss der Stolpersteintour bildete der Dr.-Karl-Heß-Platz am Böllenfalltor. Damit schlossen Thomas Spengler und Marc Rainer Balbaschewski den Kreis der Veranstaltung: Nachdem die Tour am ehemaligen Kanzleisitz von Karl Heß begonnen hatte, endete sie mit der Geschichte des früheren Lilien-Vereinsvorsitzenden und seiner engen Verbundenheit zum Verein.
Karl Heß zählt zu den bekanntesten jüdischen Persönlichkeiten in der Geschichte des SV Darmstadt 98. Von 1928 bis 1933 stand er als Vereinsvorsitzender an der Spitze des Vereins, ehe er vor der nationalsozialistischen Verfolgung ins Exil flüchtete und schließlich nach Brasilien emigrierte. In den 1960er-Jahren kehrte Heß gemeinsam mit seiner Frau nach Darmstadt zurück. Die Verbindung zu seiner Heimatstadt und den Lilien war über die Jahre hinweg bestehen geblieben. Zum Abschluss sorgte eine Anekdote aus Heß‘ Leben für einen heiteren Moment. In den damaligen Vereinsnachrichten berichtete er von seiner Hochzeit und einem schönen Tag mit seiner Frau. Noch erfreulicher sei für ihn allerdings gewesen, dass am selben Abend die Mitgliederversammlung des SV Darmstadt 98 stattfand, bei der er schließlich zum Präsidenten gewählt wurde. Die Geschichte verdeutlichte auf persönliche Weise, welchen Stellenwert die Lilien in Heß‘ Leben einnahmen.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der Tour waren die schriftlichen Zeugnisse jüdischer Vereinsmitglieder, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erneut beim SV Darmstadt 98 meldeten. Die Dokumente geben damit Einblicke in die persönlichen Beziehungen und die Verbundenheit mit dem Verein, die über die Verfolgung und die Kriegsjahre hinaus Bestand hatten. Für die ehemaligen Mitglieder blieb die Zugehörigkeit zu den Lilien offenbar ein wichtiger Teil ihrer Identität. In vielen dieser Schriften ist auch dokumentiert, dass sie gehäuft Heinz Lindner lobten, trotz seiner problematischen Handlungen während der Zeit des Holocaust. Doch für die Mitglieder galt nur eins: „Er ist ein 98er und die 98er halten zusammen.“
Dieses Zitat, das zugleich den Abschluss der Stolpersteintour bildete, verdeutlicht den Zusammenhalt innerhalb der Lilien und zeigt, wie wichtig das Miteinander auch in besonders schwierigen Zeiten ist.