FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Eine spektakuläre Spielzeit ging mit einem dicken Ausrufezeichen im Kieler Holstein-Stadion zu Ende. Eine Saison ohne Zuschauer. Eine Saison mit dramatischen Spielverläufen, vermeidbaren Niederlagen, Slapstick und späten Gegentoren. Aber auch eine Spielzeit mit der erfolgreichsten Zweitliga-Rückrunde der Vereinsgeschichte. Ein Text über Achterbahnfahrten, Tiefpunkte und eine beeindruckenden Rückserie.
Rückblick. „Die Hinrunde ist nicht so gelaufen, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Wir haben von 17 Spielen neun Partien verloren. Das ist viel zu viel“, gab Markus Anfang im Januar dieses Jahres zu Protokoll. Es war eine Hinrunde, die niemanden am Böllenfalltor zufrieden stellen konnte – zumindest punktetechnisch. 18 Zähler, so die Ausbeute – viel zu wenig für die über weite Strecken gezeigten Leistungen der Lilien. Ansehnlicher Fußball, viel Ballbesitz, zahlreiche Chancen. Doch mangelte es dem SV Darmstadt 98 vor allem an der Effektivität, um im gegnerischen Sechzehner die Tore zu machen sowie im eigenen Strafraum die Möglichkeiten des Gegners zu verteidigen. „Es bringt eben nicht viel, wenn du Lob für guten Fußball bekommst, dich aber nicht mit Punkten belohnst“, sagte Anfang damals.
So war es vor allem in den Duellen gegen Sandhausen, Regensburg, St. Pauli und Düsseldorf. Aber auch in fast allen anderen Hinrundenspielen hätten die Lilien mindestens einen, wenn nicht sogar drei Zähler mitnehmen müssen. Nur gegen Paderborn nicht. Marcel Schuhen: „Da haben wir richtig auf die Fresse bekommen.“ Doch war das 0:4 gegen die Ostwestfalen das einzige Duell, in welchem der SV 98 chancenlos unterlegen war. Ansonsten hielten die Darmstädter mit ihrem ansehnlichen Spielstil stets dagegen, waren oftmals überlegen, aber immer mindestens auf Augenhöhe. O-Töne der südhessischen Protagonisten wie „absoluter Wahnsinn“, „tut wahnsinnig weh“, „was für ein Spiel“ oder „ein sehr bitteres Ergebnis“ untermauerten diese verrückte Hinrunde, diese verrückten Achterbahnfahrten.
Schlüsselspiel in Bochum
Dabei hätte es schon viel früher anders laufen können. Wenn Markus Anfang nach Schlüsselspielen in dieser Saison gefragt wird, dann denkt er sofort an den Jahresauftakt in Bochum zurück. An diesen 2. Januar, als die Lilien gegen den späteren Zweitliga-Meister in der 80. Minute in Führung gingen. „Wir waren in einer Phase, in der wir zuvor mit dem Pokalspiel drei Partien in Folge für uns entscheiden konnten. Hätten wir dieses Spiel in Bochum gewonnen, hätte dies genauso gut eine Serie bedeuten können, wie wir sie gegen Ende der Saison gespielt haben“, betonte der Cheftrainer der Lilien. Doch ein zweitminütiger Tiefschlaf im Ruhrstadion ließ die Träume zerplatzen. Negativstrudel statt Siegesserie. Abstiegskampf statt obere Tabellenhälfte.
Zunächst holprig, dann überragend
Rückrunde. Zwar entschieden die Lilien gegen Sandhausen und Osnabrück zu Beginn zwei wichtige Duelle für sich. Doch steckten sie weiterhin im Tabellenkeller, weil sich Slapstick und Wahnsinn gegenseitig überboten. Statt sich die Lilien gegen Nürnberg noch die Chance auf den späten Sieg erspielten, köpften sie sich den Ball ins eigene Tor. Statt der SV 98 am Millerntor in der Nachspielzeit noch zum Ausgleich traf, knallte der Ball allein in der Schlusssekunde gleich zweimal an die Latte. „Ich habe schon viele Spiele gemacht, aber so etwas habe ich selten erlebt“, erklärte Serdar Dursun nach der 2:3-Niederlage auf St. Pauli. Was einen Spieltag später folgte, war wohl der Tiefpunkt dieser Saison. Eine 0:1-Pleite gegen den Karlsruher SC am heimischen Böllenfalltor – keine Punkte, große Unzufriedenheit und ein immer weiter schmelzender Vorsprung auf die Abstiegsränge.
Umso beeindruckender kämpften sich die Lilien aber aus diesem Tal heraus – und das gegen alle Widerstände. Schon vor dem entscheidenden Duell beim SC Paderborn waren die Südhessen von Rückschlägen gebeutelt, große Verletzungssorgen plagten sie. Ein Beispiel hierfür? Um überhaupt ein Elf-gegen-Elf im Training simulieren zu können, mussten Physiotherapeut und Co-Trainer sowie der 59-jährige Torwarttrainer aushelfen.
Freitag, 05. März. Die Partie in Paderborn war einmal mehr eine spektakuläre. Allein, der Ausgang war diesmal ein extrem positiver für die Lilien. Trotz zweier Rückstände und zwei aberkannter Treffer drehte der SV 98 das Spiel beim SCP und entführte drei Punkte aus der Benteler-Arena. Auf dem Feld war eine Mannschaft zu sehen, die ein wenig vom extrem ballbesitzorientierten Spielstil der bisherigen Saison abwich und den Fokus eher in Richtung Kompaktheit verlagerte. Zudem wehrten sich die Spieler mit der Lilie auf der Brust gegen alle Widerstände und wurden dafür belohnt. „This is f**king Darmstadt“, diesen Satz brüllte Victor Palsson im Nachgang in den Paderborner Nachthimmel. Eine passende Überschrift für ein unglaubliches Spiel, das rückwirkend als Wendepunkt der Saison angesehen werden kann.
Der Verein, die Mannschaft, die Fans. Sie alle rückten noch einmal mehr zusammen. Und endlich stellten sich auch die Ergebnisse ein. Nach der Wende von Paderborn sollten die Lilien nur noch insgesamt sieben Punkte abgeben – bei der Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf sowie bei den beiden Unentschieden gegen Braunschweig und Greuther Fürth. Obwohl die Lilien den Baustein der Defensivarbeit in den Vordergrund stellten, erzielten sie Tore wie am Fließpunkt. Genauso wie sie Punkte sammelten – und das zuhauf gleich dreifach. Selbst die Mannschaften aus der Spitze der 2. Bundesliga konnten den Lilienlauf nicht mehr aufhalten: Auswärtssieg beim Hamburger SV, Heimsiege gegen den VfL Bochum und den 1. FC Heidenheim sowie der krönende Abschluss in Kiel. „Wir haben einen sensationelle Rückrunde gespielt“, sprach Immanuel Höhn nach Abpfiff an der Kieler Förde sichtlich zufrieden ins Mikrofon.
Massenhaft Punkte, ständige Comebacks
33 Punkte, so die Rückrundenausbeute. „Wir wollen eine besser Rückrunde als Hinrunde spielen“, hatte Anfang vor dem Rückrundenauftakt Ende Januar betont. Das ist ihm und seiner Mannschaft eindrucksvoll gelungen. Nur Bochum und Fürth – also beide Bundesliga-Aufsteiger – sammelten mehr Punkte in der zweiten Saisonhälfte als der SV 98. Eine besondere Rückrunde der Lilien in jeder Hinsicht. So absolvierten die Darmstädter ihre beste Zweitliga-Rückrunde seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung sowie die beste Rückserie der jüngeren Vereinsgeschichte. Zudem schoss sich Serdar Dursun mit insgesamt 27 Saisontoren, von denen er allein 18 Treffer in der Rückrunde erzielte, an die Spitze der Torjägerstatistik. Und selbst Gegentreffer konnten den SV 98 nicht mehr aus dem Konzept bringen. Schuhen: „In der Mannschaft ist eine Selbstverständlichkeit entstanden, dass wir die Spiele selbst nach einem 0:1-Rückstand noch drehen können.“ Alle vier Siege in Folge zum Saisonende fuhren die Lilien stets nach Rückstand ein. So viele Punkte und Siege nach gegnerischer Führung sammelte kein anderes Team der 2. Bundesliga.
Kein Wunder also, dass auch Holstein Kiel am 34. Spieltag gegen die Lilien erst in Führung gehen musste, ehe die Südhessen endlich aufdrehten. „Vor allem die zweite Halbzeit war unglaublich und einfach geil“, freute sich Höhn. Der Sieg in Kiel, er war der Beweis für eine riesige Darmstädter Moral und das i-Tüpfelchen einer beeindruckenden Rückrunde. Nach Achterbahnfahrten, Tiefpunkten und Abstiegskampf beendete der SV Darmstadt 98 die Spielzeit auf dem siebten Tabellenplatz. Ein positives Ende einer so wahnsinnigen und verrückten Spielzeit.