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25.10.2020 / Allgemein

Tut weh…

Schmerzhaft. So war es, das Empfinden der Lilien nach Schlusspfiff am Böllenfalltor. Die Gesichter leer und enttäuscht. Die Blicke gen Boden gerichtet, in den Augen Fassungslosigkeit. Mit drei Punkten wollten sich die Südhessen nach dreiwöchiger Pflichtspielabstinenz zurückmelden. Einer ist es geworden, zwei sind es zu wenig. Analytisch und selbstkritisch suchten die Lilien die Gründe für das Remis zwar bei sich. Doch auch das Unparteiischen-Gespann sorgte mit einer schmerzhaften Elfmeterentscheidung für Gesprächsstoff.

Foto: Holtzem

Mit einer kreuzenden Bewegung beider Arme signalisierte Schiedsrichter Marco Fritz deutlich: Nichts passiert, weiterspielen. Das war nach 94 Zeigerumdrehungen. Adrian Stanilewicz wollte im Sechzehner der Hausherren klären. Weg damit, einfach nur raus mit der Kugel. Der eingewechselte Pflichtspieldebütant des SV 98 holte aus. Lukas Daschner sah das, hatte aber keine Chance auf den Ball. Doch der St. Paulianer versuchte irgendwie, ein Körperteil zwischen Spielgerät und dem rechten Bein Stanilewicz’ zu bringen, warf seinen Fuß in die Bewegung – irgendwie. Es gab eine Berührung, doch das Spiel lief weiter. Zunächst.

“Jeder, der selbst schon einmal Fußball gespielt hat, weiß: Wenn ein Spieler keine Chance auf den Ball hat, versucht er zu verhindern, dass der andere Spieler den Ball wegschießt und stellt den Fuß rein. Damit behindert er aber das Wegschlagen des Balles”, analysierte Markus Anfang. Doch plötzlich funkte der Kölner Videoschiedsrichter. Fritz ging an die Seitenlinie, sichtete das Material und zeigte nun mit einer nicht weniger eindeutigen Bewegung seines ausgestreckten Armes auf den Punkt. Strafstoß, 90 Minuten plus sechs. “Das ist bitter”, betonte der Cheftrainer der Lilien. “Für mich ist es kein Elfmeter”, urteilte Serdar Dursun. Dass er da nicht der einzige war, verdeutlichten zahllose, verständnislose Nachrichten in den sozialen Netzwerken.

2:2 der Endstand, weil Rodrigo Zalazar den fragwürdigen Strafstoß verwandelte. Dabei hatte es lange nicht danach ausgesehen, dass die Südhessen Punkte hergeben würden. Trotz drei langen Wochen ohne Wettkampfpraxis dominierten die Lilien vor allem im zweiten Durchgang das Spielgeschehen. Dass Dursun den SV 98 dank seines Doppelpacks mit 2:0 in Führung brachte, kam nicht von ungefähr. Mehr Ballbesitz, die bessere Passquote, mehr Großchancen. “St. Pauli hatte in der zweiten Halbzeit richtig Schwierigkeiten und keinen Zugriff auf uns”, erklärte der zweifache Torschütze. Dennoch reichte es nicht für die volle Punkteausbeute. Die Hamburger erzielten erst den Anschlusstreffer, dann den Ausgleich. Warum?

„Wir sind selber Schuld“

“Das begleitet uns schon seit dem ersten Spieltag”, monierte Anfang. Was der Darmstädter Cheftrainer meinte: Die teils fahrlässige Chancenverwertung seiner Mannschaft. 17 Torschüsse hatten die Lilien nach Abpfiff auf der Habenseite. Einige davon richtig gute Möglichkeiten, den Spielstand noch höher zu schrauben und den Kiezkickern damit jegliche Hoffnung auf Zählbares zu rauben. “Wir sind selbst Schuld”, befand der Coach. Und Dursun erklärte: “Uns hat heute die Kaltschnäuzigkeit gefehlt, um bei den großen Chancen in der zweiten Halbzeit weitere Treffer zu erzielen. Die klaren Dinger müssen wir machen.” Doch die Lilien machten sie nicht. “Wenn wir die Situationen vorm Tor haben, sind wir nicht eiskalt genug”, haderte der Angreifer. 

So ist das 2:2 gegen die Hamburger kein Punktgewinn. “St. Pauli dürfen wir nicht mehr mit einem Punkt nach Hause fahren lassen”, betonte Dursun. Es ist vielmehr der Verlust zweier Zähler. “Es fühlt sich aktuell wie eine Niederlage an”, gab Anfang auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zu Protokoll: “Doch das müssen wir uns selbst zuschreiben, weil wir das dritte Tor machen müssen.”

Daran gilt es nun zu arbeiten, auch wenn die Zeit dafür knapp ist. Schon am Mittwoch (28.10., 18.30 Uhr) stehen die Lilien im Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück wieder auf dem Platz. Englische Woche. “Wir fahren dahin, um das Spiel zu gewinnen”, machte Dursun deutlich. Denn auch wenn das Unentschieden schmerzte, die aus der Hand gegebene Führung weh tat: Die Lilien machen weiter. Die Belohnung in Form von Siegen für ansprechende Leistungen und das zahlreiche Kreieren von Torchancen wird folgen. Ganz gewiss. „Kopf hoch“, sagt Dursun. Richtig so.

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