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29.04.2018 / Allgemein

Über die Grenzen hinaus

Es war ein symbolisches Tor, das Fabian Holland in der 12. Minute erzielte. Weil der Treffer des Linksverteidigers alle Tugenden vereinte, die der SV 98 im Kampf um den Klassenerhalt benötigt und seit Wochen auf den Rasen bringt. Leidenschaft, Willensstärke und die totale Überzeugung, das große Ziel zu erreichen. Mit seiner Szene ebnete Holland am Samstag den Weg zum Heimsieg, der wiederum als wichtiger Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt dienen soll.

Bereits nach Spielende hätten die Medienvertreter Holland gerne zu seinem ersten Treffer seit dem 14. Dezember 2014 befragt, allerdings standen zu diesem Zeitpunkt andere Verpflichtungen dem Frage-Antwort-Spiel im Weg. Hollands Weg führte vom Spielfeld direkt zur Dopingkontrolle und damit außerhalb der Reichweite von Mikrofonen, Diktiergeräten und Notizblöcken.
Und so waren es zunächst andere, die den Treffer des 27-Jährigen beschrieben und in den Gesamtkontext einordneten: „Fabis Tor war beispielhaft für unsere Willensleistung“, erklärte Sandro Sirigu und sprach dann auch seine konkreten Gedanken beim Führungstreffer laut aus: „Ich habe gedacht, der Ball wäre schon wieder weg. Aber Fabi hat ihn sich zurückerkämpft und das Tor gemacht.“
"Tor war sinnbildlich für die Mentalität der Mannschaft"
Auch Dirk Schuster zeigt sich durchaus beeindruckt von der Hartnäckigkeit, die seine Nummer 32 im gegnerischen Strafraum bewies und damit die Lilien mit der frühen Führung belohnte: „Fabi saß schon auf dem Po und hat sich dann wieder hochgerappelt, den Ball erkämpft und mit Willensstärke unbedingt das Tor machen wollen. Das Tor war sinnbildlich für die Mentalität der Mannschaft.“
Einer Mentalität, die am Samstag den Schlüssel zum Erfolg darstellte. „Glück muss man sich erarbeiten, da sind wir auf einem guten Weg“, hatte Schuster bereits im Vorfeld der Partie gesagt, seine Mannschaft unterstrich diese Prognose von der ersten Sekunde an. Einen Großteil der Zweikämpfe sicherten sich die Spieler im blauen Dress, die zweiten Bälle landeten überwiegend im Besitz der Lilien und im gegnerischen Strafraum waren sie so effektiv, wie sie es sich in den vergangenen Wochen mehrfach gewünscht hatten.
"Deutliches Lebenszeichen"
„Es war ein deutliches Lebenszeichen, dass wir nach wie vor bereit sind, den Kampf um den Klassenerhalt annehmen. Dass wir an die Grenzen gehen und über die Grenzen hinaus“, bilanzierte Schuster nach dem 3:1 vor heimischer Kulisse, gab aber auch zu, dass sein Team im Verlauf der ersten Hälfte „einen Schluck aus der Pulle Glück“ genommen hatte. Zweimal vereitelte nämlich Daniel Heuer Fernandes Chancen der Eisernen.
Mit der Verzögerung eines Tages trat am Sonntag dann auch Holland vor die Journalisten und sprach in seiner bescheidenen Art ebenfalls von „Glück“, das er bei seinem Treffer gehabt habe. „Den Ball habe ich einmal verloren, dann kam er zurück zu mir und ich habe mich durchgesetzt und durchgewurschtelt“, so einfach beschrieb der gebürtige Berliner den ersten Schlüsselmoment des Vortages, dem Felix Platte mit seinen beiden Treffern noch vor der Pause zwei weitere folgen ließ.
Der Blick geht bereits nach vorne
Viel länger wollte sich Holland trotz mehrerer Nachfragen aber nicht mehr mit seinem Glücksmoment aufhalten, viel eher richtete er den Blick bereits nach vorne. „Für uns hat sich nichts geändert“, erklärte der Linksfuß in Bezug auf die Tabellenposition und ergänzte: „Wir gucken auf die nächste Woche und bereiten uns optimal vor.“
„Ich würde nicht von Befreiungsschlag sprechen, wir sind ja weiterhin 17.“, hatte auch Sirigu bereits am Vortag zu Protokoll gegeben und ebenfalls schon auf das kommende Auswärtsspiel in Regensburg geblickt: „Dort müssen wir an die erste Halbzeit von heute anknüpfen und mit breiter Brust voll dagegenhalten.“ Auf Rechenspiele oder den Blick auf die Konkurrenz wollte sich bei den Lilien niemand einlassen. Zu ausgeglichen ist die Liga in dieser Saison und zu groß ist das Vertrauen in die eigene Stärke beim SV 98: „Wir können nur selber entscheiden, wie viele Punkte noch auf unsere Habenseite dazukommen“, erklärte Schuster mit Blick auf die verbleibenden beiden Partien.
Mit der Willensstärke, der Bereitschaft, über die Grenzen hinaus zu gehen, und vielleicht auch einem weiteren Schluck aus der Glückspulle sollen in den verbleibenden zwei Saisonspielen noch weitere Zähler folgen. Zähler, die dann hoffentlich für das Erreichen des großen Ziels ausreichen werden.  

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