FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Fabian Holland ist allein, er braucht einen Moment für sich. Der Kreis, in welchem Markus Anfang die komplette Mannschaft nach Spielende versammelte, hat sich längst aufgelöst. Doch der Lilienkapitän steht noch immer dort, dort im Mittelkreis der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena. Er bewegt sich nicht, sein Blick ist leer. Dann hebt er den Kopf, sein Blick klart auf. Mit beiden Augen fixiert Holland die 92 Quadratmeter große LED-Großleinwand an der Stadiondecke - weit über dem Tor, in welchem wenige Minuten zuvor der Siegtreffer fiel. “Fortuna Düsseldorf 3:2 SV Darmstadt 98”, prangt dort. Nach so einem Spiel. Was ihm in diesem Moment durch den Kopf ging? “Ich konnte es nicht begreifen”, sagte Holland. Unfassbar.
Nach einem überzeugenden Auftritt und dem daraus resultierenden sowie völlig verdienten 4:0-Erfolg gegen Eintracht Braunschweig wollten die Lilien genau da weitermachen. Wieder diese Dynamik entfachen, wieder diese Leidenschaft auf den Platz bringen. Und die Lilien? Sie taten es. Von Minute eins an gab es nur eine Mannschaft, die Nahe dem Rheinufer den Ton angab. Es war der SV 98, der ohne Victor Palsson, ohne Nicolai Rapp und ohne Matthias Bader nach Düsseldorf angereist war. Spielkontrolle, Passsicherheit, Konzentration, Mut. “Was mein Team hier heute bei einem Bundesliga-Absteiger gespielt hat, war richtig gut”, lobte Markus Anfang. Die Südhessen zeigten schon in der Anfangsphase, wer sich an diesem Abend die dreifache Punkteausbeute krallen wollte. Beste Torchancen durch Tobias Kempe und Seung-ho Paik waren die Folge. Doch die Belohnung blieb aus.
Die bessere Mannschaft verliert
Und Düsseldorf? Diese enorm heimstarke Mannschaft, die aus den vorherigen vier Heimspielen drei gewann und sich einmal die Punkte teilte? Sie hatte keinen Zugriff, keine Tormöglichkeiten. Die erstligaerfahrenen Profis mit den Namen Hennings, Karaman oder Prib hingen völlig in der Luft. Weil die Darmstädter Defensivreihe aufmerksam sowie konsequent verteidigte. Die bessere Zweikampfquote, die bessere Passquote, mehr Ballbesitz. Die Lilien waren überlegen, keine Frage. Trotzdem leuchtete dieses unfassbare Ergebnis zugunsten der Fortuna auf der Anzeigetafel. “Das ist absoluter Wahnsinn”, erklärte Holland und fügte hinzu: “Dort oben steht 3:2 für Düsseldorf, aber erklären kann man es sich nicht.” Denn selbst ein Punkt wäre nach dieser starken Leistung der Südhessen zu wenig gewesen. Das unterstrich auch der Cheftrainer des SV 98 in seiner Analyse: “Bei allem Respekt vor Fortuna Düsseldorf, aber heute hat nicht die bessere Mannschaft gewonnen. Wir haben das Spiel ganz klar in der eigenen Hand und es 90 Minuten dominiert.”
Erst Serdar Dursun, später Tobias Kempe. Die Lilien gingen gleich zweimal verdientermaßen in Führung. “Dann müssen wir aber auch den Deckel drauf setzen”, haderte die Nummer elf der Südhessen. Stattdessen kam die Fortuna gleich zweimal zurück, erzielte dann noch den Siegtreffer. Doch wie eigentlich? “Vielleicht kann mir jemand verraten, wie Düsseldorf die Tore gemacht hat – ich weiß es nicht. Gefühlt hatten sie eine Torchance und wir kassieren drei Gegentreffer. Für uns ist es unfassbar”, ärgerte sich Kempe. Dass Rouwen Hennings mit seinem ersten Schuss auf den Kasten per direktem Freistoß seinen insgesamt 65. Zweitligatreffer markierte und damit für das zwischenzeitliche 1:1 sorgte, zeugte auch von der individuellen Qualität dieser Düsseldorfer Mannschaft. Eine Qualität, die Kenan Karaman beim 2:2 ebenfalls unter Beweis stellte, als er einen Abstimmungsfehler zwischen Darmstädter Keeper und Innenverteidiger eiskalt ausnutzte.
Individuelle Fehler zwingend abstellen
“Klar können es die Jungs besser verteidigen. Aber es ist keine Frage der Organisation”, erklärte Anfang. Denn herausgespielt waren die Tore der Fortuna nicht. “Wir kriegen Gegentreffer, bei denen wir den Gegner durch unsere Fehler eingeladen haben. Das erste Tor resultiert aus einem individuellen Abspielfehler vor dem Freistoß, beim zweiten ist es ein Abstimmungsfehler und das dritte ist ein abgefälschter Schuss”, so der Chefcoach der Lilien weiter. Es sind erneut diese individuellen Fehler, die den SV Darmstadt 98 an diesem Freitagabend wieder mal um den verdienten Lohn brachten.
Nach so einer von Darmstädter Seite überlegen geführten Partie ohne Zählbares die Heimfahrt antreten zu müssen: “Das tut mächtig weh”, sagte Anfang. Doch lassen sich die Lilien nicht von ihrem Weg abbringen, auch nicht nach einem solch unfassbaren Endergebnis wie in Düsseldorf. In dem Wissen, spielerisch eine überzeugende Darbietung abgeliefert haben. Und in dem Wissen, dass sie genau diese Energie auch in den kommenden, schweren Aufgaben brauchen werden. Die Südhessen wissen aber auch, dass sie ihre individuellen Fehler zwingend abstellen müssen. Denn am Ende waren es unterm Strich erneut zu viele Gegentreffer, die etwas Zählbares erschweren. “Wir stehen heute als Verlierer da. Aber wir müssen das Spiel schnell abhaken. Denn nächste Woche wartet schon der HSV”, warf Kempe bereits einen Blick voraus. Einen Blick auf das kommende Heimspiel gegen die Hanseaten (12.12., 13 Uhr). Zwar hat der SV 98 im Merck-Stadion am Böllenfalltor keine 92 Quadratmeter große LED-Großleinwand, am Bölle wird auf der Südtribüne die Anzeigetafel aufgrund der Umbauarbeiten derzeit händisch bedient. Doch Fabian Holland sowie alle anderen Lilien wollen nach 90 HSV-Minuten nicht erneut auf so ein unfassbares Ergebnis blicken.