Verkooijen fehlt längerfristig
Nicolas Verkooijen hat sich beim Pokalspiel in Elversberg (27.10.) eine Ruptur des Syndesmosebands am rechten Sprunggelenk zugezogen. Der 19-Jährige fehlt dem SV 98 damit mehrere Monate.
Es ist die Zeit, in der die Champions League immer mehr zu seiner persönlichen Bühne wird. Cristiano Ronaldo dominiert Europas Königsklasse wie kaum ein Spieler zuvor: Tore am Fließband, Rekorde, große Abende und mit Real Madrid ein Team, das in diesen Jahren den europäischen Fußball prägt. Gerade in den K.-o.-Spielen scheint Ronaldo immer dann zur Stelle zu sein, wenn es darauf ankommt. Aber fangen wir von vorne an:
2015 gewinnt Wolfsburg erstmals den DFB-Pokal, holt anschließend den Supercup und qualifiziert sich erneut für die Champions League. Diesmal geht die Reise deutlich weiter: Der VfL gewinnt seine Gruppe vor PSV Eindhoven, Manchester United und ZSKA Moskau und setzt sich im Achtelfinale gegen KAA Gent durch. Erstmals steht Wolfsburg unter den besten acht Mannschaften Europas.
Und dort folgt am 6. April 2016 eine der größten Nächte der Vereinsgeschichte. Im Viertelfinal-Hinspiel empfängt der VfL Real Madrid und schlägt den zehnmaligen Europapokalsieger sensationell mit 2:0. Ricardo Rodríguez und Maximilian Arnold treffen bereits in der ersten Halbzeit. Wolfsburg bringt damit nicht nur Real Madrid ins Wanken, sondern steht plötzlich unmittelbar vor dem Champions-League-Halbfinale.
Doch sechs Tage später zeigt sich im Estadio Santiago Bernabéu, warum ausgerechnet Cristiano Ronaldo die prägende Figur dieser Champions-League-Ära ist. Real dreht das Duell mit einem 3:0. Alle drei Treffer erzielt Ronaldo. Der Mann, an dem in diesen Jahren in Europa kaum ein Weg vorbeiführt, beendet auch Wolfsburgs Traum. Der VfL scheidet mit 2:3 nach Hin- und Rückspiel aus. Dennoch bleibt vor allem der 2:0-Erfolg im Hinspiel bis heute eine der größten europäischen Sternstunden des VfL Wolfsburg.
Die späte Niederlage bei St. Pauli war zugleich das erste Spiel, aus dem die Wölfe ohne etwas Zählbares nach Hause fuhren. Acht Punkte aus den ersten fünf Spielen bedeuten für den VfL aktuell Tabellenplatz fünf.
| Gegnerische Mannschaft | Endergebnis | Punkteausbeute |
| St. Pauli (A) | 0:1 | 0 |
| Energie Cottbus (H) | 4:4 | 1 |
| Karlsruher SC (A) | 5:2 | 3 |
| Altglienicke (A) | 9:8 n.E. | Nächste Runde |
| Hannover (A) | 1:0 | 3 |
| Top-Torjäger | Top-Vorlagengeber |
| Fabian Reese – 3 Tore | Alexander Bernhardsson – 2 Assists |
| Robert Glatzel – 2 Tore | Joakim Maehle – 2 Assists |
| Vinicius Souza – 2 Tore | Fabian Reese – 1 Assist |
| Alexander Bernhardsson – 1 Tor | Robert Glatzel – 1 Assist |
| Mattias Svanberg – 1 Tor | Alessio Besio – 1 Assist |
| Hauke Wahl – 1 Tor | Mathys Angely – 1 Assist |
Tobias Strobl
Cheftrainer vom VfL WolfsburgAn Abschlüssen mangelt es dem VfL Wolfsburg wahrlich nicht. 91 Torschüsse gab die hochkarätig besetzte Offensive in den ersten fünf Saisonspielen ab, so viele wie kein anderer Zweitligist. Die Niedersachsen schaffen es also regelmäßig, sich in aussichtsreiche Situationen zu bringen und den gegnerischen Strafraum unter Druck zu setzen. Das Problem aus Wolfsburger Sicht: Die enorme Menge an Abschlüssen führt bislang nicht konstant zu Toren. In zwei der fünf Partien blieb der VfL komplett ohne eigenen Treffer. Gleichzeitig zeigen zehn Saisontore, welches Potenzial in der Offensive steckt. Neun davon erzielten die Wölfe allerdings allein beim 5:2 in Karlsruhe und dem spektakulären 4:4 gegen Cottbus. Wolfsburg produziert damit zwar Chancen und Abschlüsse am Fließband, die Ausbeute schwankt bislang aber noch.
Fußball auf der Straße, Freunde aus der Nachbarschaft und die Favelas nicht weit entfernt. Padre Miguel im Westen von Rio de Janeiro. Hier ist Vinicius Souza aufgewachsen und hierhin zieht es ihn bis heute zurück. Wenn er seine Heimat besucht, steht der Bundesliga-Profi nach eigener Aussage gerne wieder ohne T-Shirt mit seinen Freunden auf der Straße und spielt Fußball. Mit 17 Jahren verließ Souza Padre Miguel, um seinen Traum vom Profifußball weiterzuverfolgen. Vergessen hat er seine Wurzeln trotzdem nie.
Sein Weg führte ihn zu Flamengo und damit nicht nur zu einem der größten Vereine Brasiliens, sondern auch an die Seite eines anderen Vinicius. Fast sechs Jahre spielte Souza im Nachwuchs gemeinsam mit Vinicius Junior. Weil zwei Vinis in einer Mannschaft offenbar einer zu viel waren, bekam Souza damals seinen Spitznamen: „Vinicão“, der große Vini. Die Freundschaft besteht bis heute und in Brasilien verbringen beide öfters Zeit miteinander, auch die Familien kennen sich gut.
Seine ersten Schritte bei den Flamengo-Profis hätten dabei kaum brasilianischer ausfallen können. Gleich in seiner ersten Saison gehörte Souza zur Mannschaft, die 2019 die Copa Libertadores gewann. Sein Debüt im legendären Maracanã? Natürlich in einem Derby. Gegen Vasco da Gama wurde der damals junge Mittelfeldspieler im Finale der Staatsmeisterschaft vor knapp 80.000 Zuschauern eingewechselt. Souza erinnerte sich später daran, dass seine Beine gezittert hätten. Kurz darauf fiel der Ausgleich für Flamengo, anschließend gewann sein Team im Elfmeterschießen. Vielleicht erklärt auch diese Erfahrung, warum Souza heute sagt, dass ihm gerade große Stadien und Drucksituationen zusätzliche Energie geben.
Auf dem Platz ist von zitternden Beinen inzwischen allerdings wenig zu sehen. In England verpassten ihm die Fans von Sheffield United aufgrund seiner Verlässlichkeit den Beinamen „Mister Consistency“. In seiner letzten Saison dort gewann der defensive Mittelfeldspieler 60 Prozent seiner Zweikämpfe, kam auf 3,16 Tacklings pro Partie und führte die „Blades“ zeitweise sogar als Kapitän aufs Feld. Sein einziges Premier-League-Tor widmete er übrigens seiner Mutter, nachdem diese ihn zuvor jeden Tag angerufen und dazu aufgefordert hatte, endlich einmal selbst zu treffen.
Von den Straßen Padre Miguels über das Maracanã bis in die Premier League und Bundesliga: Vini Souza hat schon einige Fußballwelten kennengelernt. Geblieben ist vor allem eines: der körperlich robuste, zweikampfstarke Fußball, der ihm einst den Namen „Vinicão“ einbrachte.