Fußball auf der Straße, Freunde aus der Nachbarschaft und die Favelas nicht weit entfernt. Padre Miguel im Westen von Rio de Janeiro. Hier ist Vinicius Souza aufgewachsen und hierhin zieht es ihn bis heute zurück. Wenn er seine Heimat besucht, steht der Bundesliga-Profi nach eigener Aussage gerne wieder ohne T-Shirt mit seinen Freunden auf der Straße und spielt Fußball. Mit 17 Jahren verließ Souza Padre Miguel, um seinen Traum vom Profifußball weiterzuverfolgen. Vergessen hat er seine Wurzeln trotzdem nie.
Sein Weg führte ihn zu Flamengo und damit nicht nur zu einem der größten Vereine Brasiliens, sondern auch an die Seite eines anderen Vinicius. Fast sechs Jahre spielte Souza im Nachwuchs gemeinsam mit Vinicius Junior. Weil zwei Vinis in einer Mannschaft offenbar einer zu viel waren, bekam Souza damals seinen Spitznamen: „Vinicão“, der große Vini. Die Freundschaft besteht bis heute und in Brasilien verbringen beide öfters Zeit miteinander, auch die Familien kennen sich gut.
Seine ersten Schritte bei den Flamengo-Profis hätten dabei kaum brasilianischer ausfallen können. Gleich in seiner ersten Saison gehörte Souza zur Mannschaft, die 2019 die Copa Libertadores gewann. Sein Debüt im legendären Maracanã? Natürlich in einem Derby. Gegen Vasco da Gama wurde der damals junge Mittelfeldspieler im Finale der Staatsmeisterschaft vor knapp 80.000 Zuschauern eingewechselt. Souza erinnerte sich später daran, dass seine Beine gezittert hätten. Kurz darauf fiel der Ausgleich für Flamengo, anschließend gewann sein Team im Elfmeterschießen. Vielleicht erklärt auch diese Erfahrung, warum Souza heute sagt, dass ihm gerade große Stadien und Drucksituationen zusätzliche Energie geben.
Auf dem Platz ist von zitternden Beinen inzwischen allerdings wenig zu sehen. In England verpassten ihm die Fans von Sheffield United aufgrund seiner Verlässlichkeit den Beinamen „Mister Consistency“. In seiner letzten Saison dort gewann der defensive Mittelfeldspieler 60 Prozent seiner Zweikämpfe, kam auf 3,16 Tacklings pro Partie und führte die „Blades“ zeitweise sogar als Kapitän aufs Feld. Sein einziges Premier-League-Tor widmete er übrigens seiner Mutter, nachdem diese ihn zuvor jeden Tag angerufen und dazu aufgefordert hatte, endlich einmal selbst zu treffen.
Von den Straßen Padre Miguels über das Maracanã bis in die Premier League und Bundesliga: Vini Souza hat schon einige Fußballwelten kennengelernt. Geblieben ist vor allem eines: der körperlich robuste, zweikampfstarke Fußball, der ihm einst den Namen „Vinicão“ einbrachte.