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22.12.2019 / Allgemein

Von Moral und Nehmerqualitäten

Bevor er seine Mannschaft zum Duschen oder in die Mixed-Zone schickte, trommelte Dimitrios Grammozis seine Mannschaft zusammen. In der Kabine wollte er noch ein paar Worte loswerden - letzte gemeinsame Teammomente, bevor sich alle zu ihren Familien verabschieden würden. Ein paar Worte nach dem letzten Spiel des Jahres, einem 2:2 gegen den Hamburger SV, den Tabellenzweiten - das zweite Unentschieden gegen eine absolute Spitzenmannschaft der Liga. Und auch wenn er über die Inhalte nicht in die Tiefe gehen wollte, verriet der Chefcoach: „Ich habe mich bei ihnen bedankt." Bedankt für ein intensives Jahr, für eine intensive Hinrunde. Eine Hinrunde, die ohne Wenn und Aber sowohl Höhen als auch Tiefen für die Lilien bereithielt. „Die Jungs haben in nur ganz wenigen Ausnahmefällen nicht das gezeigt, was wir von ihnen verlangt haben“, lobt Grammozis seine Schützlinge und fügt an: „Ansonsten haben wir zu meist ein gutes Gesicht gezeigt.“

So wie beim letzten Heimspiel 2019 im Merck-Stadion am Böllenfalltor, das als Paradebeispiel dienen könnte. Die Südhessen haben binnen einer Woche dem zweiten Aufstiegsfavoriten ordentlich Paroli bieten können – erst das 1:1 gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Montag, dann das Remis gegen den HSV. Nach einer Ergebniskrise Mitte der Hinrunde hat die Mannschaft mittlerweile wieder absolut in die Spur gefunden und tritt reifer, mutiger auf. Vor allem Mut ist in Spielen gegen solche Spitzenteams eine zwingend erforderliche Eigenschaft, die der SV 98 in der Anfangsphase der Partie am Samstag aber noch nicht hatte. „In den ersten Minuten waren wir etwas zu passiv und haben zu viel zugeschaut“, monierte Grammozis. Die Folge? Der Gegentreffer zum 0:1.

Nehmerqualitäten

Doch was sich dann am Bölle abspielte, war beeindruckend. „Wir waren wirklich mutig gegen eine Mannschaft, die zurecht oben in der Tabelle steht. Wir haben gezeigt, was wir als Team am Böllenfalltor leisten können“, betont Marcel Schuhen. Forsch, selbstbewusst und konsequent. Denn selbst von Rückschlägen ließen sich die Lilien zuletzt nicht mehr aus der Bahn bringen: Etwa in Wiesbaden nach der Hinausstellung von Victor Palsson, als sich der SV 98 in Unterzahl einen Zähler erkämpfte und sogar näher am Führungstreffer war. Gegen Stuttgart müssen die Darmstädter nach einer starken ersten Hälfte kurz vor der Pause den Ausgleich schlucken, verloren dennoch nicht ihre Ordnung. Gegen den Hamburger SV gerieten die Lilien gleich zweimal in Rückstand, egalisierten diesen jedoch eben so oft. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch ein drittes Mal den Ausgleich erzielt hätten“, unterstrich Serdar Dursun: „Dieser Geist war einfach in der Mannschaft zu spüren.“

„Wir haben eine Monster-Moral bewiesen“, setzt der Lilien-Coach sogar noch einen drauf. Sein Team gestaltete die Partie gegen die Hanseaten völlig offen. Wie das Spiel am Ende ausgehen würde, kristallisierte sich zu keiner Sekunde heraus. „Beide Mannschaften haben bis zum Ende um den Sieg gerungen. Es war ein offener Schlagabtausch“, musste auch HSV-Trainer Dieter Hecking feststellen. Zwei Sätze, die als Lob an aufopferungsvoll kämpfende Darmstädter zu verstehen sind. Die Lilien warfen, abermals lautstark gepusht von den Fans am Bölle, alles hinein und konnten auch spielerisch mithalten und im Zuge desse immer wieder gefährliche Aktionen kreieren – und wurden belohnt. Mit einem Punktgewinn. „Jeder Lilienfan und jeder, der die Lilien irgendwie im Herzen trägt, kann mit einem guten Gefühl in die Feiertage gehen. Die Art und Weise war absolut Darmstadt-like“, verdeutlichte Schuhen.

Durchatmen, Sinne schärfen, weiterpunkten

So verabschiedet sich der SV 98 nach zwei absoluten Highlights am Böllenfalltor in die Winterpause. Ein kurzes Durchatmen während der Feiertage ist angesagt. Nun gilt es, die Kräfte zu bündeln und im restlichen Verlauf der Rückrunde im neuen Jahr wieder anzugreifen. Die Lilien haben aktuell 21 Punkte auf dem Konto, überwintern auf Rang zwölf oder 13. Eine punktemäßig ordentliche Ausgangslage, aber ein dickes Polster auf die Abstiegsränge ist das allerdings noch nicht.

Und auch deshalb wollen die Lilien den Rückenwind ins neue Jahr mit in neue Jahr pusten, um in den verbleibenden 16 Saisonspielen das Punktekonto noch deutlicher in die Höhe zu schrauben. „Diese beiden Spielen gegen so starke Mannschaften geben uns nochmal Selbstvertrauen“, betonte Kapitän Fabian Holland, der sich bei allem Lob nach den vergangenen beiden Partie im Klaren ist, dass in der Hinserie das eine oder andere Spiel dabei war, „das wir verschenkt haben“. Dennoch bleiben vor allem die letzten beiden Duelle vor dem Jahreswechsel im Bewusstsein. „Diese beiden Spiele geben uns noch mehr Auftrieb. Wir wollen im nächsten Jahr noch effektiver sein, um noch mehr aus uns rauszuholen“, stellt Lilien-Coach Grammozis klar. Damit der Coach nach dem 34. Spieltag seine Jungs noch mal zusammentrommeln kann, um ihnen mitzuteilen: „Auftrag erfüllt.“

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