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28.08.2022 / Allgemein

Von Reife und Brettern

Mit seinen knapp 50.000 Einwohnern zählt Heidenheim nicht gerade zu den Metropolen der Bundesrepublik. Der Fußballclub dieser im Osten Baden-Württembergs gelegenen Stadt aber, er ist in Fußball-Deutschland seit etlichen Jahren ein fester Bestandteil der 2. Bundesliga und hat sich einen Namen gemacht. Dieses unangenehme und so schwer zu bespielende Team kickt seit der Saison 2014/15 ununterbrochen im deutschen Fußball-Unterhaus. Und das auch noch sehr erfolgreich. Gleich sechsmal landeten die Baden-Württemberger in den vergangenen acht Spielzeiten auf einem der ersten zehn Tabellenplätze. Vor allem in den letzten vier Jahren sammelten die Heidenheimer stets über 50 Punkte und sprachen immer ein Wörtchen mit, wenn es um die Frage nach dem Aufstieg in die Bundesliga ging. Wenn also eine Mannschaft die 2. Liga kennt, dann ist es der 1. FC Heidenheim.

Zudem zeigte diese qualitativ gut besetzte Truppe von Cheftrainer Frank Schmidt zu Beginn der aktuellen Spielzeit, dass auch in dieser Saison wieder mit ihr zu rechnen ist: Den besten Zweitliga-Start ihrer Vereinsgeschichte im Rücken, waren die Heidenheimer mit nur zwei Gegentoren als die beste Defensive des Wettbewerbs ins Merck-Stadion am Böllenfalltor gereist. “Gegen sie ist es immer eklig zu spielen, weil sie eine sehr gute Mannschaft sind – sehr laufstark und vor allem mit hoher physischer Intensität”, wusste auch Tobias Kempe, der nach Abpfiff des sechsten Zweitliga-Spieltags anfügte: “Sie haben uns heute bis aufs letzte gefordert.”

Professionalität und Intensität

Umso bemerkenswerter daher die Leistung des SV Darmstadt 98 beim 2:2 gegen eben jene Heidenheimer. Als “Reifeprüfung” hatte Torsten Lieberknecht die Partie zuvor bezeichnet. Gerade nach dem umjubelten 2:1-Auswärtssieg beim Hamburger SV sei es wichtig gewesen, sich eben nicht lange mit dem Dreier im Volksparkstadion aufzuhalten, sondern den Fokus direkt wieder auf die nächste Aufgabe zu legen. “Jedes Wochenende spielst du in dieser Liga gegen Bretter. Es ist nicht alltäglich, nach einem Sieg beim HSV zu punkten”, erklärte der Cheftrainer des SV 98. Doch genau das taten die Lilien, indem sie einen starken Auftritt zeigten und Zählbares aus dem Duell mit Heidenheim mitnahmen.

Den Schlüssel für diesen Punktgewinn sah Lieberknecht vor allem in der “Professionalität” und “Intensität” seiner Mannschaft. Die statistischen Werte dieser 90 Minuten am Böllenfalltor untermauerten dies. Die für ihre Laufstärke und Physis gelobten Heidenheimer konnten ihre Stärken gegen leidenschaftlich arbeitende Darmstädter nicht entfalten. Weil die Lilien dagegen hielten, weil sie den Kampf annahmen. Mit 62:38 Prozent gewonnener Zweikämpfe sprach die Quote doch deutlich für den SV 98. Zudem spulte der FCH im Verbund an den ersten Spieltagen gute 120 Kilometer ab, am Bölle waren es gute zehn Kilometer weniger. “Wir hatten viele Torabschlüsse, haben viele Zweikämpfe gewonnen und nicht zugelassen, dass Heidenheim zu ihrem laufintensiven Spiel kam”, lobte Lieberknecht.

Nach Punktmitnahme folgt Suche nach Verbesserungspotential

Selbst die maximale Punkteausbeute wäre an der Nieder-Ramstädter-Straße im Rahmen des Möglichen gewesen – dank Chancenplus (19:8) und Spielkontrolle (54:46 Prozent Ballbesitz). So aber setzten die Lilien dennoch ihre Ungeschlagen-Serie von nun sechs Partien in Folge fort. Zudem hat der SV 98 seit nun saisonübergreifend fünf Heimspielen nicht mehr verloren. “Den Punkt nehmen wir gerne mit”, befand Kempe und bekam Unterstützung von Braydon Manu. “Wir haben ein gutes Spiel gemacht, deswegen sind wir auch nicht enttäuscht. Ein Sieg wäre nicht unverdient gewesen, aber wir können uns auch nicht über das 2:2 beschweren”, sagte der Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:0. Lieberknecht sah es genauso: “Mit dem Punkt können wir alle zufrieden sein”.

Und auch wenn diesem Samstagmittag in Darmstadt nicht alles perfekt lief, so haben die Lilien die zuvor prophezeite Reifeprüfung bestanden. Darauf lässt sich weiter aufbauen, doch bedarf es zuvor einer ausgiebigen Analyse. “In dieser werden wir ein paar Dinge finden, die – ähnlich wie nach dem Spiel in Regensburg – ganz wichtig sind für unseren weiteren Saisonverlauf”, erklärte Lieberknecht noch nach Abpfiff auf der Pressekonferenz. Das Potential erkannt, nun geht es an die Umsetzung: Inwieweit die Lilien aus der Partie gegen Heidenheim Verbesserungen für ihr eigenes Spiel ziehen können, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Vielleicht schon am nächsten Wochenende. Dann darf der SV Darmstadt 98 erneut im Merck-Stadion am Böllenfalltor ran und empfängt Arminia Bielefeld (4.9./13.30 Uhr). Und mit dem Absteiger aus der 1. Bundesliga wartet dann eben schon wieder so ein Brett, das es zu bearbeiten gilt. Durchpusten? Nein, nicht in dieser 2. Liga.

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