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12.10.2022 / Profis

„Warum sollten wir daran etwas ändern?“

In allen bisherigen Pflichtspielen dieser Spielzeit stand Phillip Tietz in der Startelf und hat entsprechend auch einen großen Anteil am erfolgreichen Saisonstart der Lilien. Wir haben mit dem Angreifer über die Serie an ungeschlagenen Partien, das kommende Duell in Karlsruhe und Unberechenbarkeiten im Spiel des SV 98 gesprochen.

Foto: Eibner

sv98.de: Phillip, die Vorbereitung auf den KSC hat begonnen. Wie seid ihr in die Woche gestartet?

Phillip Tietz: Selbstbewusst und mit viel Engagement. Wir wissen, dass mit Karlsruhe ein starker Gegner wartet, entsprechend gut müssen wir vorbereitet sein.

sv98.de: Wie groß ist das Selbstvertrauen nach zehn ungeschlagenen Ligaspielen in Serie?

Tietz: Diese Serie wird immer wieder mal an einen herangetragen oder es wird darüber berichtet, aber wir als Mannschaft gucken gar nicht so wirklich darauf. Natürlich sorgt es für Selbstvertrauen, aber wir machen uns nicht den Druck, unbedingt diese Serie auszubauen. Wir wollen Woche für Woche drei Punkte einsammeln, gegen jeden Gegner. Zwar hat man automatisch Rückenwind, wenn man länger kein Spiel verliert, aber spätestens am Freitag im Hotel und erst recht am Spieltag selbst, blenden wir alle Statistiken und Zahlen komplett aus. Aber es wäre natürlich schön, wenn wir nach Abpfiff dann auf elf ungeschlagene Ligaspiele angesprochen werden würden. (grinst)

sv98.de: So eine Serie kann auch nur entstehen, wenn jede Woche der Fokus hochgehalten wird, oder?

Tietz: Wir beschäftigen uns akribisch mit dem kommenden Gegner, arbeiten aber auch die vorangegangenen Spiele sehr gut auf. Da versuchen wir immer, die gemachten Fehler zu minimieren. Ganz verhindern kann man sie nicht, aber man kann daraus lernen. Und das tun wir. Zudem kann ich sagen, dass das Trainerteam uns seit Wochen hervorragend auf das nächste Spiel einstellt. Wir wissen genau, was uns erwartet und wie wir die 90 Minuten angehen wollen. Dadurch sind wir alle schon während der Trainingswoche voll auf die nächste Aufgabe fokussiert.

sv98.de: Nun ist ein knappes Drittel der Saison absolviert. 24 Punkte habt ihr bereits gesammelt. Wie fällt dein Fazit zur bisherigen Spielzeit aus?

Tietz: 24 Punkte sind ein geiles Gefühl. Es ist wirklich ein gelungener Saisonstart. Das sorgt für Selbstvertrauen und vielleicht auch für die eine oder andere Träumerei bei unseren Fans. Das ist auch in Ordnung. Wichtig ist aber, dass wir auf dem Boden bleiben und wissen, dass es sich um eine Momentaufnahme in einer ganz langen Saison handelt. Unser Ziel ist es, diese Momentaufnahme so lange wie möglich am Leben zu erhalten.

sv98.de: Speziell in den Medien häufen sich die Stimmen, dass der SV 98 ein vermeintlicher Aufstiegskandidat sei, nahezu alle gegnerischen Trainer nennen euch eine Topmannschaft. Was denkst du über diese Berichte und Aussagen?

Tietz: Zunächst einmal spricht so etwas für unsere bisherigen Leistungen und die Qualität in der Mannschaft. Aber die Leute können babbeln oder schreiben wie sie wollen, uns in der Kabine ist das völlig egal. Genauso war es uns im Vorjahr völlig egal, als nach zwei Spieltagen davon die Rede war, dass wir bis zum Ende im Abstiegskampf sein werden. Diese Eindrücke von außen lassen wir nicht an uns heran. Für uns zählt das Kollektiv, in dem wir den Moment genießen und weiter Gas geben wollen. Die Fresse aufreißen? Das hat in den wenigsten Fällen zum Erfolg geführt.

sv98.de: Zumal ihr schon im Vorjahr mit dem Motto „Von Woche zu Woche“ gut gefahren seid…

Tietz: Und warum sollten wir daran etwas ändern? Wir sehen jedes Spiel als Job an. Und diesen wollen wir Woche für Woche bestmöglich erledigen. So wie es jeder Arbeitnehmer versucht. Unser Job beinhaltet die 90 Minuten am Wochenende und die bestmögliche Vorbereitung in den Tagen zuvor. Und der nächste Job wartet nun in Karlsruhe.

sv98.de: Für dich persönlich stehen bereits fünf Saisontore zu Buche. Aus deiner Sicht eine gute Ausbeute?

Tietz: Mir sind diese Zahlen nicht so wichtig. Ich habe nicht permanent den Gedanken im Kopf, dass ich unbedingt treffen muss. Natürlich ist das in jedem Spiel mein Ziel und eine längere Serie ohne eigenes Tor macht keinen großen Spaß, aber prinzipiell ist es mir auch egal, wer den Ball über die Linie drückt. Wichtig ist, dass wir unsere Spiele gewinnen. Wenn ich mich zusätzlich mit einem Tor belohnen kann, ist es optimal.

sv98.de: Wie sehr freut es dich, dass regelmäßig auch Spiele gewonnen werden, in denen dir kein Treffer gelingt?

Tietz: In der Vorsaison war es speziell in der Hinserie ja so, dass ein Großteil der Treffer auf Luca Pfeiffer und mich entfallen ist. Insbesondere natürlich, weil wir sehr gut in Szene gesetzt worden sind. Aber in diesem Jahr ist es noch schwerer für die Gegner geworden, weil bei uns alle Spieler Tore machen können. Die letzten beiden Spiele sind das beste Beispiel, da haben Jannik (Müller) und Patric (Pfeiffer) für die entscheidenden Tore gesorgt. Das finde ich extrem geil.

sv98.de: Generell scheint es so, als wäre das Team nicht unbedingt abhängig von bestimmten Spielen. Ausfälle werden aufgefangen, verschiedene Systeme können gespielt werden…

Tietz: Da geht ein großes Kompliment an den Trainer und sein Team, die uns alle Inhalte so vermittelt haben, dass wir in verschiedenen System und Ordnungen funktionieren können. Das ist ein großer Vorteil für uns als Mannschaft, weil der Gegner nie genau weiß, in welchem System wir agieren werden – wie auch jetzt gegen Düsseldorf zu sehen war.

sv98.de: Unabhängig vom System hast du im Großteil der Partien gemeinsam mit Braydon Manu den Doppelsturm gebildet. Sicherlich eine Umstellung im Vergleich zum Duo mit Luca Pfeiffer oder Aaron Seydel in der Vorsaison. Was hat sich geändert und wie bewertest du die aktuelle Kombination?

Tietz: Aaron und Luca sind ähnliche Typen, allein von der Größe her, aber auch im Spielstil vergleichbar. Und Braydon ist das komplette Gegenteil. Er wuselt um mich herum, lauert auf zweite Bälle, er ist extrem schnell und kann entsprechend auch in die Tiefe geschickt werden. Wir ergänzen uns da sehr gut. Ich gehe in die Kopfballduelle und mache Bälle fest, während er eher auf die Situationen lauert, die danach entstehen. Er ist eine Art Freigeist, der überall auftauchen kann, während ich das Zentrum halte. Das funktioniert aktuell sehr gut. Aber auch das ist eine Momentaufnahme, die es Woche für Woche zu bestätigen gilt.

sv98.de: Nun geht es zum schweren Auswärtsspiel nach Karlsruhe, der die vergangenen beiden Spiele gewinnen konnte. Was erwartet euch im Wildpark?

Tietz: Mit Philipp Hofmann haben sie im Sommer einen super Spieler verloren, der erstmal eine Lücke hinterlassen hat. Da hat man an den ersten Spieltagen gemerkt, dass sie etwas gebraucht haben, um diese Lücke zu füllen. Aber auch da sieht man, dass es im Fußball sehr schnell gehen kann. Der KSC hat sich mittlerweile gefunden und sie spielen wirklich einen sehr guten Fußball. Zudem sind sie sehr zweikampfstark, da kommt eine große Aufgabe auf uns zu. Aber das ist in jeder Woche so, es gibt nie einen klaren Favoriten in den Spielen der zweiten Liga. Wir werden wieder alles raushauen, um unsere Fans glücklich zu machen. Zumal es uns zusätzlich motiviert, wenn man hört, wie viele Fans uns wieder begleiten werden. Wir bekommen das alles mit und freuen uns über jeden Einzelnen, der uns vor Ort unterstützt.

sv98.de: Eine Geschichte im Vorfeld des Spiels ist die von Ex-Lilie Marcel Franke, der das Spiel verpassen wird, weil er am Donnerstag eine Stammzellenspende abgeben wird und damit vielleicht ein Menschenleben rettet. Du hast davon sicherlich auch schon gehört…

Tietz: Natürlich. Ich kenne ihn persönlich nicht näher, habe aber schon einige Male gegen ihn gespielt und muss sagen: Das ist sensationell. Daran sieht man, dass er ein riesengroßes Herz hat und andere Dinge vor den Fußball stellt, einfach nur bemerkenswert. Ebenso wie die Haltung des KSC, der sich ja auch hätte querstellen können. Hut ab vor allen Beteiligten und insbesondere vor Marcel Franke.

sv98.de: Und zum Abschluss: Voller Fokus auf den KSC – da bleibt wahrscheinlich gar keine Zeit, um an den Pokalkracher gegen Gladbach in der nächsten Woche zu denken…

Tietz: Ne, überhaupt nicht. Für mich zählt aktuell nur Ambrosius und nicht Elvedi oder Bensebaini.

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