FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
In den bisherigen fünf Pflichtspielen der Saison stand Emir Karic immer in der Startelf der Lilien. Dabei sammelte der 24-Jährige nicht nur seinen ersten Assist, sondern auch zahlreiche Kilometer. Wir haben mit "Eko" über den Status als Dauerläufer, das Spiel in Hamburg und das Teamgefühl innerhalb der Mannschaft gesprochen.
sv98.de: Emir, herzlichen Glückwunsch zum absolvierten Marathon. In den bisherigen vier Ligaspielen bist du 42,47 Kilometer gelaufen. Hochgerechnet auf 90 Minuten läufst du Im Schnitt 11,76 Kilometer pro Spiel. Mehr als jede andere keine Lilie. Überraschen dich diese Werte?
Emir Karic: Nicht wirklich, ich war in dieser Statistik auch in meinen vorherigen Vereinen oben dabei. Die Werte sind natürlich auch positionsabhängig, auf der Außenbahn braucht es diese Kilometer, du darfst dir für keinen Schritt zu schade sein. Nominell bin ich eher ein defensiver Spieler, aber ich schalte mich auch extrem gerne mit in die Offensive ein. Und wenn du aus der Defensive in eine offensive Position kommen willst, dann musst du eben laufen. (lacht) Aber es ist auch so, dass sich mein Fitnesszustand hier in Darmstadt noch einmal verbessert hat. Vielleicht kann ich noch eine Schippe drauflegen und die 12 Kilometer knacken.
sv98.de: Aber auch du kommst irgendwann an Grenzen. In Hamburg war ein Krampf die Folge…
Karic: Das hatte aber weniger mit dem reinen Laufen zu tun. Kurz zuvor habe ich zur Grätsche angesetzt, um einen Ball zu blocken, dabei ist es dann passiert.
sv98.de: Gegen den HSV haben dich allerdings zwei Spieler bei der Laufleistung übertroffen: Klaus Gjasula und Phillip Tietz hatten noch mehr Strecke auf der Uhr. Überhaupt seid ihr als Team starke 119 Kilometer gelaufen, klarer Höchstwert für euch in dieser Saison. Zeigt das, wie viel ihr für den Auswärtspunkt investiert habt?
Karic: Auf jeden Fall. Wir mussten natürlich automatisch mehr laufen, weil der HSV viel Ballbesitz hatte, es zeigt aber auch die Bereitschaft, die das komplette Team hatte. Wenn ich während des Spiels in die Mitte geguckt habe und den Ball verfolgt habe, dann war Klaus in der Nähe. Und die Statistik von Phillip ist für einen Stürmer wirklich sehr gut und zeigt seinen absoluten Willen. Allgemein wurde deutlich, welchen Charakter diese Mannschaft hat und wie fokussiert sie auf die Aufgabe war. Wir sind hungrig und wollen einfach Punkte einfahren.
sv98.de: Nach dem Spiel wart ihr etwas hin- und hergerissen zwischen Freude über den Punkt und ein wenig Ärger darüber, dass es nicht sogar drei Zähler geworden sind. Wie fühlt sich das 2:2 mit ein paar Tagen Abstand an?
Karic: Wir können mit unserer Leistung absolut zufrieden sein und mit dem Punkt grundsätzlich auch. Denn jeder Punkt kann entscheidend sein. Zumal das Spiel in beide Richtung hätte ausschlagen können, auch ein 6:4 für uns war im Bereich des Möglichen. (lacht) Direkt nach dem Spiel waren wir schon ein wenig enttäuscht, aber das ist längst verflogen. Das Spiel zeigt unsere Entwicklung in den vergangenen Wochen. Der Start war schwierig, speziell aufgrund der Personalsituation. Aber wir haben mit jedem Spiel einen Schritt nach vorne gemacht. Es tut gut, dass die Spieler mittlerweile fast alle zurückgekehrt sind. Wenn nun noch alle auf ihr Fitnesslevel kommen, dann werden wir mit dieser Mannschaft noch sehr viel Spaß haben.
sv98.de: Nach der Ankunft im Stadion in Hamburg bist du mit den anderen Spielern wie gewohnt auf den Platz gegangen. Auffällig war, dass du dein Handy in der Hand hattest und ein wenig gefilmt hast. Ein Spiel in so einer Arena ist schon etwas Besonders, oder?
Karic: (lacht) Für mich ist ein Kindheitstraum wahr geworden. Ich habe den Deutschen Fußball schon immer intensiv verfolgt und es war großartig, in diesem Stadion gegen den HSV aufzulaufen. Diesen Moment wollte ich schon festhalten. Auch wenn Erich Berko sofort gesagt hat: „Pack das Handy weg, du Ösi-Tourist, so kannst du hier nicht reinspazieren.“ Aber ich habe mich wie ein kleiner Junge gefühlt, der gerade seinen Traum leben darf.
sv98.de: Wie fällt generell dein Fazit nach den ersten fünf Pflichtspielen aus? Von außen betrachtet könnte man erst einmal sagen, dass sich dein Wechsel ausgezahlt hat…
Karic: Ich bin bislang im Soll, was meine persönlichen Ziele angeht. Meine Leistungen könnten noch einen Tick besser sein, das hängt sicherlich auch mit den verschiedenen Positionswechseln zusammen. Aber ich fühle mich auf der linken Seite gut aufgehoben, harmoniere gut mit Fabi Holland und ich hoffe, dass es so weiter geht. Ich versuche, mich in jedem Training anzubieten, damit der Trainer nicht an mir vorbeikommt.
sv98.de: Zudem scheinst du extrem gut integriert zu sein. Oder täuscht dieser Eindruck?
Karic: Nein, das ist so. Das liegt aber nicht nur an mir, sondern hat primär mit allen Leuten im Verein zu tun. Ich bin von jedem hier mit offenen Armen empfangen worden: Geschäftsstelle, Trainerteam, Staff und Mitspieler. Ich unternehme viel mit den Mitspielern, dazu war es sicherlich ein weiterer Pluspunkt, dass ich Honsi bereits kannte und er mir ebenfalls helfen konnte. Es herrscht wirklich eine schöne Atmosphäre.
sv98.de: Überhaupt wird immer wieder eure Gemeinschaft betont und der Umstand, dass euch der schwierige Saisonstart zusammengeschweißt hat. Wie siehst du das?
Karic: Es sind oftmals Floskeln, wenn Spieler schon nach wenigen Tagen davon reden, dass eine Mannschaft intakt ist und sich alle gut verstehen. Aber ich war nun schon bei einigen Vereinen und so einen Zusammenhalt habe ich noch nicht erlebt. Es wächst etwas Großes heran. Jeder hilft jedem und die Erlebnisse zu Beginn der Saison haben und zu einer Einheit werden lassen. Dass wir nun positive Ergebnisse einfahren, hilft uns zusätzlich dabei.
sv98.de: Nun wartet auf eure Gemeinschaft das nächste Heimspiel. Das letzte habt ihr fulminant gewonnen, nun dürfen sogar 7000 Zuschauer ins Stadion. Wie groß ist da die Vorfreude auf Hannover 96?
Karic: Wenn ich daran denke, wie die Stimmung bei 4.500 Zuschauern war, dann ist die Vorfreude auf 7000 riesig. Hannover ist ein starker Gegner mit einem großen Namen, den wir aber schlagen möchten. Wenn wir an die Leistung der vergangenen Spiele anknüpfen, bin ich optimistisch, dass wir mit drei Punkten und einem guten Gefühl in die Länderspielpause starten.
sv98.de: Zum Start des Interviews haben wir darüber gesprochen, dass du der laufstärkste Spieler der Lilien bist. Weißt du, welche Kategorie du ebenfalls anführst?
Karic: (lacht) Bei den Gelben Karten…
sv98.de: …und das sogar ligaweit. Nur du hast schon drei Verwarnungen kassiert. In deiner bisherigen Karriere waren es nie mehr als vier in der gesamten Saison. Was ist da passiert?
Karic: Ich muss selbst ein wenig darüber schmunzeln, das ist wirklich ungewöhnlich für mich. Ich habe meinen Eltern telefoniert, die haben auch gesagt, dass ich einen Gang runterschalten soll, weil ich sonst alle sechs Wochen gesperrt fehle. (lacht) Aber Spaß beiseite: Das ist eine Sache, an der ich arbeiten muss. Ich hoffe, dass es erst einmal bei den drei Karten bleiben wird.
sv98.de: Zum Abschluss: Deine Rückennummer 19 verbinden viele mit Serdar Dursun und entsprechend vielen Toren. Wann feierst du Premiere?
Karic: Als ausgebildeter Defensivspieler ist es mir nicht so wichtig, obwohl ich mich natürlich darüber freuen würde. Im Vordergrund steht für mich, der Mannschaft zu helfen und als Team erfolgreich zu sein. Ein Sieg ohne einen Treffer macht mich genauso glücklich wie ein 2:0 mit einem Doppelpack von mir. Da gibt es für mich keinen Unterschied.