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14.05.2020 / Allgemein

„Werden uns für die Fans den Hintern aufreißen“

Es geht wieder los. Am kommenden Samstag (16.5/13 Uhr) gastiert der SV Darmstadt 98 beim Karlsruher SC. Vor dem Re-Start in den Rest der Saison fand das übliche Mediengespräch statt - dieses Mal in virtueller Form. Dennoch stand Cheftrainer Dimitrios Grammozis Rede und Antwort. Er analysierte den kommenden Gegner, gab ein Personalupdate und sprach über Geisterspiele, Quarantäne und die Psyche.

…über die Vorfreude, dass es wieder losgeht:

In dieser Pause hat man gemerkt, dass man das, was man am meisten liebt, nicht ausüben konnte – das Fußballspielen. Wir freuen uns jetzt, dass es wieder losgeht. Die letzte Zeit war für alle Beteiligten nicht einfach. Wir haben die Corona-Herausforderungen hier beim SV Darmstadt 98 aber sehr gut gemeistert. Wir haben versucht, uns an die Gegebenheiten anzupassen. Aber es herrschen auch gemischte Gefühle: Wir stehen vor einer neuen Situation. Es werden keine Fans im Stadion sein. Die Fans sind ein Hauptgrund dafür, warum wir Fußball spielen: Wir wollen unsere Fans glücklich machen. Deshalb wird uns die Stimmung im Stadion fehlen. Trotzdem sind wir heiß auf das Spiel und auf den Re-Start.

…zum Personal:

Braydon Manu hatte Probleme mit den Adduktoren. Er ist in dieser und der letzten Woche kürzer getreten. Er ist aber auf einem guten Weg und hat Teile des Mannschaftstrainings schon wieder mitgemacht. Ich hoffe, dass er uns spätestens ab nächster Woche wieder zur Verfügung stehen wird, um dann zu einhundert Prozent wieder mit der Mannschaft trainieren zu können. Bei Immanuel Höhn waren wir am Tag seiner Verletzung davon ausgegangen, dass die Saison für ihn beendet ist. Aufgrund der Corona-Pause schöpft Höhni nun wieder Hoffnung auf ein paar Einsätze. Aber wir setzen weder ihn noch uns unter Druck. Drei Monate Pause waren angepeilt. Wenn er wieder auf dem Platz steht, muss er auch hundertprozentig fit sein. Aktuell ist er auf einem guten Weg und es freut mich, dass er gute Fortschritte macht. Außerdem fehlt uns Mathias Wittek aufgrund seines Kreuzbandrisses weiterhin.

…über die mögliche Startelf:

Ich möchte betonen, dass das Training in Kleinstgruppen für uns als Trainerteam und auch für die Spieler eine Herausforderung war, die Übungen so zu absolvieren, damit wir weiter fokussiert bleiben. Alle Spieler haben das in einer sehr guten Art und Weise gemacht. Wir hatten stets eine gute Mischung aus Locker- und Ernsthaftigkeit in den Einheiten. Ich werde also wieder Kopfschmerzen vor dem Spiel in Karlsruhe haben, wenn ich mir über die Aufstellung Gedanken mache. Viele Jungs haben sich gerade in der kurzen Phase des Mannschaftstrainings angeboten, in der wieder alle unter Wettkampfbedingungen trainiert haben. Alle haben super mitgezogen, Kleinigkeiten werden entscheiden.

…über die Ziele für den Rest der Saison:

Wir hatten vor der Corona-Pause einen guten Lauf. Die Jungs haben gut gearbeitet und gut performt. Wir haben es geschafft, einige Punkte zu holen, die uns in eine gute Position gebracht haben, um mal durchzuatmen. Das war ein Schritt, der wichtig war. Die momentane Tabellensituation veranlasst vielleicht den einen oder anderen, andere Ziele anzupeilen. Wir werden aber weiter wie bisher verfahren: Wir werden auf dem Boden und realistisch bleiben. Wir sind gut damit gefahren, von Spiel zu Spiel zu denken und dort alles rauszuhauen. Wir wissen auch, dass es egal ist, gegen welchen Gegner es in der 2. Bundesliga geht: Wir müssen immer einhundert Prozent geben und das werden wir in den nächsten Spielen tun.

…über mögliche personelle Rotation:

Ich bin froh, dass wir einen qualitativ sehr guten Kader haben, der eine Rotation zulässt. Denn zu rotieren macht nur dann Sinn, wenn man keinen Qualitätsverlust hat. Und bei uns hätten wir kein Problem damit, vier oder fünf Positionen auszutauschen. Darüber bin ich sehr glücklich.

…über den Fitnesszustand der Mannschaft:

Wir haben in dieser Woche einen Laktattest gemacht, der positiv war. Einige Jungs haben sich gerade in puncto Grundlagenausdauer noch einmal gesteigert. Wenn es wieder losgeht und die Spielintensität eintritt, wird die Belastung für die Spieler extrem hoch sein. Wir haben uns aber sowohl fußballerisch als auch physisch so gut es geht verbreitet. Die nötige Spielfitness müssen sich die Spieler in den kommenden Partien wieder erarbeiten.

…über den kommenden Gegner:

Für alle Mannschaften sind die Gegebenheiten gleich. Niemand kann behaupten, dass er irgendeinen Vor- oder Nachteil hat. Ich erwarte eine Karlsruher Mannschaft, die versuchen wird, gegen uns zu gewinnen. Gerade aufgrund der tabellarischen Situation, die für den KSC nicht optimal ist, wollen sie wieder an die Nicht-Abstiegsplätze heranrücken. Wir treffen auf einen Gegner, der vom Trainer sehr gut eingestellt sein wird. Der KSC hat zuletzt mehrere Systeme gespielt und versucht, im Spielaufbau variabel zu agieren. Es wird eine große Herausforderung und ein heißes Spiel, das uns alles abverlangen wird.

…über das Training in den vergangenen Wochen:

In der Phase des Kleingruppentrainings standen Technik und Abschlüsse im Vordergrund, weil man nur dies über einen längeren Zeitraum trainieren konnte. In der Basistechnik haben sich die Spieler verbessert. Trainer anderer Mannschaften haben das ebenfalls bestätigt. Darüber hinaus haben wir versucht, über Videosequenzen taktische Dinge aufzufrischen und die Jungs dahingehend upzudaten. Sie sollen weiter die Bilder im Kopf behalten, die uns vor der Pause stark gemacht haben – vor allem die gute Defensive, aber auch offensive Freiheiten. Dort anknüpfend haben wir auch die Schwerpunkte während der Trainingseinheiten im Mannschaftsverbund gelegt.

… über Geisterspiele:

Wenn man auf diesem Niveau arbeitet, weiß man, dass die Zuschauer einen ganz großen Einfluss haben. Hier am Bölle – das haben die Ergebnisse und die Art und Weiße unseres Auftretens gezeigt – haben uns die Fans gepusht. Die Atmosphäre – auch von der neuen Tribüne – aufzusaugen, hat uns immer zusätzliche Energie gegeben. Zum Stadion zu fahren, die Leute und deren Begeisterung in den Augen zu sehen: All das werden wir vermissen. Ich hoffe, dass wir dennoch mit unserem Auftreten in den nächsten Spielen den Fans vor dem Fernseher das Gefühl geben, dass wir für sie spielen und uns für sie den Hintern aufreißen.

…über die Rolle der Psyche bei Geisterspielen:

Die Spieler müssen sich zurückerinnern, wie sie überhaupt Profi geworden sind. Da haben sie auch nicht vor 50.000 Zuschauern gespielt, sondern vielleicht nur vor 20 oder 30. Dennoch herrschte dort stets der unbedingte Wille, Gas zu geben und irgendwann das große Ziel zu erreichen, im Stadion zu spielen. An diese Zeiten sollten sich die Spieler erinnern – „Back to the Roots“ also. Und ich spüre auch die Lust der Spieler, wieder zu spielen und sich mit einem guten Gegner zu messen.

…über die Vorbereitung auf Geisterspiele:

Wir haben im Stadion ein Elf gegen Elf unter Wettkampfbedingungen simuliert – samt all den Abläufen, die auch am Spieltag stattfinden. Dadurch sollten die Jungs ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, ins leere Stadion einzulaufen oder Kommandos vor leeren Rängen zu bekommen. Weiter müssen sich die Spieler jetzt einfach auf ihre Arbeit konzentrieren. Aber da sind alle Jungs Profi genug, um diese Situation anzunehmen.

…über die Maskenpflicht für Trainer:

Ich muss mal schauen, ob ich einen Motor einbauen kann, damit die Maske rauf und runter geht (lacht). Auch für uns Trainer ist es ein große Herausforderung. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Vielleicht ist es manchmal auch besser, dass der Gegner die eine oder andere Anweisung nicht versteht, weil man unter der Maske nuschelt (grinst). Vielleicht entsteht dadurch auch eine Art Geheimsprache. Welche Maske ich anziehen werde, weiß ich noch nicht. Unser Mannschaftsarzt ist aber ein sehr kreativer Mensch. Ich möchte ihn da nicht unter Druck setzen, aber ich erwarte schon etwas Besonderes (lacht). Ansonsten haben wir Einwegmasken. Es ist einfach wichtig, dass wir die Maßnahmen zu einhundert Prozent erfüllen.

…über das Niveau der kommenden Zweitligaspiele:

Der ein oder andere Spieler nutzt die Leere des Stadions vielleicht dafür, um freier aufzuspielen, während er vor vollem Stadion gehämmter auftrat. Jemand anderes sagt dafür vielleicht: „Wenn ich jemanden weggrätsche und die Fans mitgehen und applaudieren, pusht mich das und das wird mir fehlen.“ Man wird sehen, was dies für das Niveau bedeutet. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft zusammenstehen und uns untereinander pushen, auch wenn es im Spiel mal nicht läuft. Es wird vielmehr auf die interne Kommunikation ankommen. Die Einstellung innerhalb der Truppe wird wichtig sein.

…darüber, was für den Erfolg in den nächsten Spielen entscheiden sein wird:

Qualität schadet nie. Es macht aktuell den Reiz aus, dass keiner die Phase greifen kann. Die Mannschaften, die weniger rumheulen und sich nur auf das Sportliche konzentrieren, werden am erfolgreichsten Fußball spielen. Wir versuchen, alles Notwenige zu tun, die Mannschaft zu motivieren. Aber ich muss noch einmal betonen: Die Mannschaft ist heiß. Wir wollen alle, dass es wieder losgeht.

…über mögliche fünf Auswechslungen:

Bei dem einen oder anderen Spieler werden die Spielintensität und vor allem die englischen Wochen Spuren hinterlassen. Daher bin ich Befürworter von fünf Auswechslungen pro Spiel. Dadurch hat man gerade in den letzten Minuten des Spiels, nochmal die Möglichkeit zu reagieren. Denn dort wird die größte Müdigkeit auftreten. Daher halte ich es für sinnvoll.

…über die Mitsprache von Trainer und Spielern:

Ich möchte betonen, dass die DFL ein sehr gutes Konzept aufgestellt hat. Ich bin aber bei den Spielern, die es in den vergangenen Tagen angedeutet haben: Ein bisschen Mitspracherecht hätte nicht geschadet. Die Spieler, die auf dem Platz stehen und Familie haben, hätten ein bisschen mehr eingebunden werden können.

…über Quarantäne-Maßnahmen:

Wichtig ist, dass wir alle in die ergriffenen Maßnahmen Vertrauen haben. Jeder versucht seinen Teil beizutragen, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der wirtschaftliche Faktor eine große Rolle spielt. Fußballvereine sind mittlerweile Unternehmen, da hängt viel dran. Die Jungs für den Rest der laufenden Saison einzusperren, wäre kein gutes Zeichen. Ohnehin befinden sich die Spieler gerade in der Phase, in der die Saison normalerweise zuende wäre und der Körper ruht. Den Schalter jetzt nochmal umzulegen, ist eine Herausforderung. Daher ein großes Lob an alle Spieler im Profibereich. Eine komplette Quarantäne für den Rest der Saison befürworte ich auch deshalb nicht, weil es noch ein Leben außerhalb des Platzes gibt. Trotzdem geht die Gesundheit natürlich immer vor. Wenn man aber wie Fabian Holland eine schwangere Frau zuhause hat, dann wünscht man sich, unterstützend vor Ort zu sein und nicht im Hotel. Weiter versuchen wir aber auch, außerhalb des Platzes die Vorschriften und Maßnahmen zu einhundert Prozent zu erfüllen. Unser Jungs sind professionell genug, und die Richtlinien einzuhalten.

…über mögliche Spielerbedenken:

Die Jungs vertrauen dem DFL-Konzept und sind überzeugt, dass das Konzept greifen wird. Deshalb habe ich von niemanden gehört, dass er Unsicherheit verspürt.

…über die persönliche Gefühlslage:

Ich genieße die Zeit mit den Spielern und der Mannschaft. Wir wollen eine gute Restsaison spielen. Alles andere, was meine Zukunft betrifft, wird sich nach der Saison entscheiden. Ich bin aktuell nur auf die nächsten Spiele fokussiert und will mit der Mannschaft Punkte holen.

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