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24.05.2024 / Profis

„Wichtig, dass wir aus der Vergangenheit lernen“

Seit dem 18. Mai ist die Bundesligasaison offiziell beendet, bereits am 28. April stand der Abstieg des SV 98 endgültig fest. Es war eine Spielzeit, die in vielen Bereichen aufgearbeitet und diskutiert werden musste. Wir haben mit Rüdiger Fritsch über viele Themen gesprochen, die ihren Anteil an einer Saison hatten, die sich alle Lilien anders vorgestellt hätten.

Rüdiger Fritsch: „Wir alle haben in den vergangenen Tagen schon oft betont, dass die Saison aus unterschiedlichen Gründen verkorkst war. Und das hatte seine Ursachen. Wir haben nach dem feststehenden Abstieg versprochen, dass wir uns mit den Thematiken und der Aufarbeitung der Saison beschäftigen werden. Das haben wir nun getan und wir sind zu Ergebnissen gekommen. Grundsätzlich gab es sowohl allgemeine als auch sportliche Gründe, die ihren Teil zu dieser Saison beigetragen haben.“ 

… über die Mallorca-Fahrt:

Wir können im Nachhinein klar sagen: Das würde in dieser Form und zu so einem Zeitpunkt nicht mehr stattfinden. Das müssen wir selbstkritisch so sagen und eingestehen: Das war ein Fehler. Der hergestellte Automatismus zwischen dieser Fahrt und der Niederlage danach in Fürth ist in dieser Form zwar aus unserer Sicht nicht haltbar, aber wir haben mit dieser Fahrt das Fenster für diese Meinungen und Thesen geöffnet und dadurch Unruhe in den Verein gebracht. Zudem ist es generell fraglich, ob so eine Reise vor Ende der Saison den Grundprinzipien der Fairness entspricht. An dieser Stelle daher die Botschaft: Mallorca wird in dieser Form so hier nicht mehr stattfinden.

…über seine Aussage "Scheiß auf die Kirsche, wir haben die ganze Torte“

Dieses Thema muss ich alleine auf meine Kappe nehmen. Dieser im Überschwang der Gefühle und in der Euphorie nach dem Aufstieg gefallene Satz war nicht richtig von mir. An dieser Stelle war ich zu euphorisch. Damit war natürlich nicht gemeint, dass wir den Unterschied zwischen Platz eins und zwei bei den TV-Einnahmen auf die leichte Schulter nehmen. Mein Satz konnte aber definitiv in diese Richtung missverstanden werden. Das muss ich mir ankreiden. Was ich sagen wollte: „Lasst uns nach dem Fürth-Spiel nicht traurig über die verpasste Zweitliga-Meisterschaft sein, sondern wir sollten uns darüber freuen, etwas ganz Großes erreicht zu haben.“ Eine große Entschuldigung an alle, die es so aufgefasst haben, wie man es auch auffassen konnte.

… über die Dauerkartenpreise der Saison 23/24:

Ticketpreise werden nicht am letzten Spieltag bestimmt, sondern das ist ein Prozess, der Wochen vor Saisonende beginnt. Allein schon vor diesem zeitlichen Ablauf her, kann ich also schon einmal versichern, dass die Ticketpreise auf keinen Fall aufgrund der verpassten Zweitliga-Meisterschaft erhöht wurden. Grundsätzlich sind Ticketpreise ein wichtiger Bestandteil unseres Finanzierungskonzepts und eine wichtige Erlösquelle. Insbesondere, weil wir uns aus eigener Kraft und eigenem operativen Geschäft finanzieren. Dennoch ist damals in der Kommunikation einiges schief gegangen. Wir haben dann im Nachgang alles noch einmal erläutert und uns für die Art der Kommunikation entschuldigt. Ich denke, dass wir bei diesem Thema mit Blick auf die neue Saison eine gute Lösung gefunden haben.

… zur Aufarbeitung der sportlichen Saison:

Es ist deutlich geworden, dass der Spruch „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ stimmt. Denn ein Verein lebt davon, wie die Ergebnisse ausfallen. Und diese waren bei uns definitiv nicht gut. Wichtig ist, dass wir aus der Vergangenheit lernen. Und das haben wir bereits getan. Wir haben uns die Themen angeschaut und aufgearbeitet. Angefangen bei der Kaderzusammenstellung, der Qualität der Spieler und der Zusammensetzung. Wir haben besprochen, ob wir das Gerüst der Mannschaft stärker auf bundesligaerfahrene Spieler hätten stützen müssen, auch die Kadergröße war nochmal ein Thema. Das Trainerteam hat sich mit seinen Plänen und taktischen Ausrichtungen beschäftigt, alles wurde ergebnisoffen bearbeitet. Wir haben es auch nicht geschafft, eine „David-gegen-Goliath-Einstellung“ zu entwickeln. Zudem haben wir über die Verletztenquote und auch über Abläufe im medizinischen Bereich gesprochen. Niemand war und ist der Meinung, es wäre alles nur Pech gewesen und in der 2. Liga wird es wieder von alleine laufen. Wir haben eine absolut anspruchsvolle Saison vor uns, auf die wir uns sehr freuen, auf die wir uns aber auch im höchsten Maße professionell vorbereiten müssen.

… zu den emotionalen Momenten nach dem BVB-Spiel:

Trotz all der Themen, die wir besprechen mussten, hat Darmstadt 98 das große Plus, dass trotzdem nichts kaputtgegangen ist. Es war eine ganz schwierige Saison mit vielen Diskussionen, denen wir uns auch stellen mussten. Aber wir haben hier keinen Trümmerhaufen und müssen auch keinen totalen Neuaufbau machen, weil eben nichts zusammengefallen ist. Wir sind in allen Themen stabil und das Spiel in Dortmund hat gezeigt, wie realitätsnah unsere Fans mit der Situation umgehen. Der Abstieg war für alle immer vorstellbar, das ‚Wie‘ war aber das Entscheidende. Trotz des ‚Wies‘ sind wir eine Einheit geblieben, die weiterhin an einem Strang zieht. Das ist das Fundament unseres Vereins. Wir können uns keinen Erfolg erkaufen, wir können ihn nur durch Zusammenhalt erarbeiten.

… zu Torsten Lieberknecht:

Der Großteil der Leute hat verstanden, was wir mit Torsten bereits aufgebaut haben und auch weiterhin aufbauen wollen. Das ist ein wichtiger Aspekt bei den Themen Zusammenhalt, Kontinuität und Stabilität. Mir sind diese Fußballreflexe viel zu einfach, im Misserfolg direkt den Trainer zu entlassen. Wir haben mit Torsten innerhalb von zwei Jahren ein umfassendes sportliches Konzept erarbeitet, das bis in das NLZ hereinreicht. Mit diesem Trainerteam hängen viele Themen zusammen, die wir alle umwerfen würden mit einer Entlassung. Es müssen die inneren Rädchen zwischen Trainerteam, sportlichen Leitung und Mannschaft ineinandergreifen. Und das ist bei uns absolut der Fall. Wir haben das Trainerteam ganz bewusst mit Verträgen bis 2027 ausgestattet, weil wir langfristig unterwegs sein wollen.

… über den Blick nach vorne:

Es gibt viele tolle Aspekte für den Blick nach vorne. Mit Paul Fernie haben wir einen Sportdirektor, der hier viel frischen Wind reingebracht hat und bei dem bereits eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer entstanden ist. Alle Leute sind absolut motiviert und bereit, hart zu arbeiten. Unser „Wunder von Bielefeld“ liegt gerade einmal 10 Jahre zurück, das Erwecken von Darmstadt 98 im Profifußball. Und in diesen vergangenen 10 Jahren haben wir so viel Schönes erlebt, dass wir das Erlebnis dieser Saison nicht unter den Teppich kehren wollen, wir sollten und dürfen diese Spielzeit aber auch nicht ewig mit uns herumtragen. Jetzt gehen wir nach vorne und wollen eine gute Rolle in der zweiten Liga spielen. 

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