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30.04.2019 / Allgemein

„Wir bleiben hungrig“

An seinem 28. Geburtstag hat sich Victor Pálsson die Zeit genommen, um mit sv98.de über verschiedene Themen zu plaudern. Unter anderem sprach der isländische Nationalspieler über seine eigene Entwicklung, den Klassenerhalt in Köln und die Ziele für die verbleibenden Spiele.

sv98.de: Victor, zunächst einmal alles Gute zum Geburtstag. Der Klassenerhalt am Freitag war sicherlich schon so etwas wie ein vorgezogenes Geschenk, oder?
Victor Pálsson: Es war ein großer Sieg für uns alle. Nicht nur für uns Spieler, sondern für die Fans, den gesamten Verein und auch für die Stadt. Der Klassenerhalt ist unglaublich wichtig für den Verein und es ist umso schöner, dass wir ihn in Köln klar machen konnten, was sicherlich nicht viele erwartet hätten. Aber die Mentalität und der Willen vom gesamten Team waren fantastisch und sicherlich kann man von einem sehr schönen vorzeitigen Geschenk für mich sprechen.
sv98.de: Hast du denn heute überhaupt Zeit, um deinen Geburtstag zu feiern?
Pálsson: Durch die beiden Einheiten ist es natürlich etwas schwierig. Aber meine Mutter ist zu Besuch, da werden wir uns sicherlich einen schönen Abend machen. Darüber freue ich mich auch wirklich sehr.
sv98.de: Den wunderschönen Abend in Köln hast du ausgelassen bejubelt, deine Freude herausgeschrien und immer wieder die Fäuste geballt. Kannst du nochmal deine Gedanken nach Abpfiff beschreiben?
Pálsson: Ich war extrem erleichtert. Mir kam sofort der Gedanke, dass wir es geschafft haben und in der Liga bleiben. Das war natürlich ein besonderes Gefühl, für mich persönlich, aber auch für jeden anderen Spieler. Es war ein großes Spiel für uns, die Kölner haben riesigen Druck erzeugt und wir mussten über die gesamte Spielzeit extrem hart verteidigen. Als der Schiedsrichter dann abgepfiffen hat, hatten wir endlich die Bestätigung, dass wir es gemeinsam gepackt haben.
sv98.de: Gemeinsam mit rund 3500 Lilienfans…
Pálsson: Unsere Fans waren unglaublich. Natürlich hörst du sie in so einem riesigen Stadion nur teilweise, aber wir haben immer gesehen, dass sie da waren. Und nach dem Spiel vor der blauen Kurve zu stehen und mit ihr zusammen feiern zu können, das war besonders schön.
sv98.de: Am Sieg hattest du großen Anteil. Zunächst auf der Sechs, später teilweise als zusätzlicher Innenverteidiger. 62 Prozent gewonnene Zweikämpfe gegen ein Top-Team sprechen ebenfalls für sich. Du scheinst speziell diese Spiele zu lieben…
Pálsson: (lacht) Es ist immer schön, gegen die Besten zu spielen. Köln ist das beste Team der Liga, sie werden mit Sicherheit aufsteigen. Sie sind ein Bundesligaverein, vor diesen Duellen ist die Anspannung und Konzentration vielleicht noch ein wenig höher. Ich denke, das ist ein normales Ding. Das war auch gegen Hamburg so. Im Bus zum Stadion, wenn du dann eine solche Arena betrittst, da ist man absolut im Tunnel. Im Spiel selbst habe ich immer dieselbe Mentalität und Anspannung, aber in der Vorbereitung sorgen diese Spiele vielleicht noch für einen Tick mehr.
sv98.de: Du bist ein sehr selbstkritischer Spieler. Nach deinen ersten Spielen hast du ehrlich gesagt, dass du nicht wirklich zufrieden mit deinen Leistungen bist und dem Team gerne mehr helfen würdest. Dementsprechend hättest du nach den vergangenen Spielen alles Recht, um auch mal zufrieden zu sein…
Pálsson: (grinst) Ich bin kritisch mit mir, wenn ich das Gefühl habe, dass ich meiner Mannschaft nicht das geben konnte, wozu ich in der Lage bin. Ich habe von Anfang an versucht, dem Team bestmöglich zu helfen und alles abzurufen, was in mir steckt. Aber ich habe Zeit gebraucht, um die Liga kennenzulernen, um meine Mitspieler kennenzulernen und mich auch auf die Gegenspieler einzustellen. Der Unterschied zur Schweizer Liga ist groß, das habe ich immer stärker gemerkt. Ich war unzufrieden mit meinen Leistungen zu Beginn, aber ich habe hart gearbeitet. Sowohl auf, als auch neben dem Platz. Und ich bin froh, dass ich nun etwas zurückgeben kann.
sv98.de: Du bist also mittlerweile angekommen in der Liga?
Pálsson: So kann man es sagen. Aber ich möchte mich weiterhin verbessern, denn es gibt immer Luft nach oben. Wir haben zwar den Klassenerhalt geschafft, aber wir wollen alle den nächsten Schritt gehen und die Saison bestmöglich beenden.
sv98.de: Nach deiner Unterschrift hast du dich selbst als zweikampfstarken Spieler charakterisiert. Speziell diese Werte haben sich bei dir deutlich gesteigert. In Magdeburg waren es 60 Prozent, gegen Bochum satte 80, nun erneut 62. Sieht man auch an diesen Werten, dass du in deiner Entwicklung vorangekommen bist?
Pálsson: Ich war neu in dieser Liga und die Liga ist wirklich stark. Aber nach ein paar Spielen habe ich gemerkt, dass ich die Spiele anders angehen muss als noch in der Schweiz. Dort war es einfacher für mich, mich weiterzuentwickeln. Hier hat es eine gewisse Zeit gedauert, was aber auch normal ist. Ich kam im Januar, der Verein steckte im Kampf um den Klassenerhalt. Da lastete natürlich auch von Beginn an ein gewisser Druck auf mir, mit dem ich zunächst nicht optimal umgegangen bin. Aber ich bin wirklich glücklich, dass ich mittlerweile den nächsten Schritt gegangen bin.
sv98.de: Nun sind es noch drei Spiele bis zum Saisonende. Und ihr wollt den Lauf der letzten Wochen sicherlich fortsetzen…
Pálsson: Natürlich! Wir wollen noch so viele Punkte holen wie möglich. Auch mit Blick auf die kommende Saison, in die wir mit einem guten Gefühl gehen möchten. Wir bleiben hungrig.
sv98.de: Der Trainer lebt diese Mentalität ebenfalls vor…
Pálsson: Genau. Er hat gestern mit uns gesprochen und gesagt, dass wir unseren Rhythmus beibehalten, die verbleibenden Spiele genauso fokussiert angehen und dieselbe Mentalität zeigen. Wir müssen einfach weiterhin gut trainieren und wollen weiterhin zeigen, dass wir ein wirklich gutes Team sind. Wir haben in Hamburg und in Köln gewonnen, das gibt uns extremes Selbstvertrauen. Und mit diesem Selbstvertrauen gehen wir in die nächsten Spiele, um auch diese zu gewinnen.
sv98.de: Der nächste Gegner ist Union Berlin. Das nächste Spitzenteam…
Pálsson: Und wir freuen uns auch auf dieses Spiel. Wir haben gute Leistungen am Böllenfalltor gezeigt und wollen auch am Sonntag 100 Prozent abrufen. Dafür braucht es erneut die Leidenschaft und Einstellung, die wir schon in den zurückliegenden Spielen gezeigt haben.

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