sv98.de: Fabi, kannst du ungefähr abschätzen, wie oft du in deiner Profikarriere schon in einem Trainingslager gewesen bist?
Holland: (überlegt) Schwierig…Da muss ich erstmal überlegen, wie viele Jahre ich jetzt überhaupt auf dem Buckel habe. Also 20 Mal bestimmt, dazu kommt die Jugendzeit. Ich würde mal tippen, irgendwas rund um die 30.
sv98.de: Ist es trotzdem noch etwas Besonderes oder mittlerweile absolute Routine?
Holland: Es ist schon immer eine sehr wichtige und spezielle Phase in jeder Vorbereitung. Man lernt die neuen Spieler nochmal besser kennen und die Intensität ist sicherlich noch einmal höher als an anderen Trainingstagen.
sv98.de: Bist du persönlich ein Freund vom Trainingslager?
Holland: Natürlich ist es sehr anstrengend, es gehört dazu, sich auch mal auf dem Platz zu quälen und vielleicht auskotzen zu müssen. Aber auf der anderen Seite verbringen wir sehr viel Zeit miteinander, es ist immer unterhaltsam und ein gutes Miteinander. Deswegen fällt mein generelles Fazit geteilt aus. Auf der einen Seite steht die Anstrengungen auf dem Platz, auf der anderen der Spaß daneben. Grundsätzlich habe ich keine Probleme damit, in ein Trainingslager zu fahren.
sv98.de: Insbesondere, wenn es nur fünf Tage lang ist?
Holland: Das ist schon angenehmer als vielleicht 10 oder 12 Tage lang an einem Ort zu verbringen. Allerdings ist bei einem längeren Trainingslager meist auch der ein oder andere freie Nachmittag dabei, vielleicht auch mal eine Teambuilding-Maßnahme. Da gestalten sich die Tage hier schon sehr knackig, der kürzere Zeitraum wird intensiv genutzt. Sowohl für die Einheiten als auch für Gespräche und Analysen.
sv98.de: Der Trainer hat am Sonntag noch einmal betont, dass er hofft, dass die Zeit auch dazu genutzt wird, das Gemeinschaftsgefühl und den Teamgedanken weiter zu stärken…
Holland: Dazu bietet ein Trainingslager auch immer eine gute Möglichkeit. Wir hängen 24/7 aufeinander, wir essen gemeinsam, wir verbringen viel Zeit auf den Zimmern und spielen beispielsweise Karten. Darüber lernen wir uns alle nochmal besser kennen. Es geht mit Sicherheit nicht nur darum, Abläufe auf dem Platz zu verinnerlichen sondern auch zwischen den Einheiten einiges aufzusaugen.
sv98.de: Ist es daher auch doppelt wichtig, dass mit Lasse Sobiech und Luca Pfeiffer zwei weitere Neuzugänge die Reise direkt mitmachen konnten?
Holland: Es ist natürlich super, dass wir jetzt doch mit einer recht großen Gruppe die Reise antreten konnten. Das zeigt auch, dass es absolut richtig gewesen ist, das Trainingslager noch einmal verschoben zu haben. Wir sind schon ganz gut aufgestellt, auch wenn wahrscheinlich noch ein oder zwei weitere Spieler dazustoßen werden.
sv98.de: Wie ist generell dein Eindruck von den neuen Jungs?
Holland: Grundsätzlich funktioniert die Integration im Fußball immer schnell. Alle Neuzugänge sind von uns mit offen Armen empfangen worden, bislang sind nur gute Typen dabei, die sehr gut in die Mannschaft passen. Und sportlich werden sie uns auch definitiv weiterbringen, das ist jeden Tag auf dem Platz zu sehen.
sv98.de: Wenn man als Privatperson in den Urlaub fährt, schaut man zuvor natürlich genau, wohin es geht und sucht sich sorgfältig eine Unterkunft. Guckst du auch im Vorfeld eines Trainingslagers, was dort auf dich wartet?
Holland: Für mich ist das immer ein Überraschungsei. (lacht) Ich lasse da alles auf mich zukommen und gucke nicht vorab, wie das Hotel aussieht oder wie der Trainingsplatz.
sv98.de: Wie gefällt dir die Überraschung hier in Herxheim-Hayna?
Holland: Sehr gut. Es ist alles etwas ruhiger, etwas ländlicher. Die Bedingungen passen, die Fahrt zum Platz ist kurz und entspannt mit den Fahrrädern. Und das Essen ist wirklich auffällig gut.
sv98.de: Gibt es bei den Mahlzeiten spezielle Regeln oder könnt ihr bei zwei Einheiten täglich einfach reinhauen?
Holland: Wir sind da alle Profi genug, um selbst zu gucken, was uns gut tut und was der Körper braucht und können auch selbst entscheiden, ob wir heute mal auf den Nachtisch verzichten sollten. Da gibt es keine vorgeschriebenen Regeln.
sv98.de: Wie ist es generell für dich: Ändert sich dein Tagesablauf in einem Trainingslager oder gleicht er dem in Darmstadt?
Holland: Es ist schon ähnlich, hier ist natürlich alles minutiös geplant. So exakt läuft es bei mir Zuhause nicht ab, aber grundsätzlich ist es keine große Umstellung. Der größte Unterschied besteht darin, dass wir als Mannschaft eben so viel Zeit miteinander verbringen.
sv98.de: Du warst längere Zeit nicht unbedingt der Frühaufsteher, als Papa hat sich das wahrscheinlich sowieso schon geändert. Frühstückszeiten bis 8 Uhr sind also kein Problem für dich?
Holland: Durch die Vaterrolle hat sich das bei mir um 180 Grad gedreht. (lacht) Früher bin ich da deutlich schwerer aus dem Bett gekommen, nun fällt es mir leichter, mich am frühen Morgen in den Speisesaal zu begeben.
sv98.de: Die Nächte dürften wahrscheinlich sogar entspannter sein…
Holland: Wenn ich meiner Frau morgens schreibe, dass ich gut geschlafen habe, weiß ich nicht, ob sie sich dann immer mit mir freuen kann. (lacht) Zuhause ist es nochmal etwas anderes, mit dem Kleinen sind die Nächte nicht immer planbar, da läuft es hier schon entspannter ab für mich.
sv98.de: Tägliches Telefonieren oder Facetimen steht aber sicherlich auf deiner Agenda…
Holland: Auf jeden Fall. Speziell in dem Alter meines Sohnes habe ich das Gefühl, dass alle zwei Tage wieder ein Entwicklungsschritt passiert. Da versuche ich, alles bestmöglich mitzuverfolgen, telefoniere und schreibe viel mit meiner Frau und bekomme auch das eine oder andere Video.
sv98.de: Das Zimmer hier teilst du nun mit Marcel Schuhen, nach längerer Zeit seid ihr wieder in Doppelzimmern untergebracht. Wie zufrieden bist du mit der Zimmerbelegung? Durftet ihr das selbst wählen?
Holland: Ich glaube, dass Stegi die Zimmer eingeteilt hat, ganz genau weiß ich das nicht. Schuh ist mein absoluter Wunschpartner. (lacht) In Trainingslagern wird so etwas häufig auch ein wenig durchgemischt, aber es ist schön, dass unsere Kombination erhalten geblieben ist. Wir hängen ständig aufeinander, sind sehr zufrieden mit der Konstellation.
sv98.de: Wie nutzt du dich Zeit zwischen den Einheiten oder auch am Abend?
Holland: Nach den Einheiten nehmen wir uns alle die Zeit zur Regeneration, da weiß jeder selbst, was ihm am meisten hilft. Ich mache auch mal die Augen zu, Erholung ist ein entscheidender Faktor. Und ansonsten spielen wir sehr viel Karten, da können auch die Neuzugänge direkt mitmachen. Da haben wir eine gute Truppe zusammen, sitzen gerne beieinander und spielen unsere Runden aus. Darüber lernt man sich natürlich auch schnell kennen.
sv98.de: Bis zum Freitag liegen noch knackige Einheiten vor euch. Mittlerweile steht der Spielplan, bis zum Start sind es nur noch knappe drei Wochen. Sorgt das automatisch nochmal für einen Schub?
Holland: Natürlich freuen wir uns darauf. Die Liga ist richtig geil, es warten tolle Spiele. Dazu haben wir einen attraktiven Gegner im Pokal zugelost bekommen, da steigt die Vorfreude nochmal an. Und sicherlich ist auch allen bewusst, dass wir täglich Gas geben müssen, weil der Auftakt immer näher rückt.