„Wenn mir jemand vor der Woche gesagt hätte: Ey, ihr holt sieben Punkte aus drei Spielen. Dann hätte ich das blind unterschrieben“, gab Marcel Schuhen ehrlich zu. Die Unterschrift des Schlussmanns wäre aber längst nicht die einzige unter dem imaginären Papier gewesen. Dimitrios Grammozis, Fabian Holland, Fabian Schnellhardt: Sie alle wählten nach Abpfiff die selben Worte. Denn binnen sechs Tagen und drei Spielen knackten die Lilien die 40-Punkte-Marke, machten den Klassenerhalt endgültig sowie vorzeitig perfekt und rückten – Stand Freitagabend – bis auf drei Zähler an den Aufstiegsrelegationsplatz heran. „Sieben Punkte in der Englischen Woche sind eine gute Bilanz. Man merkt deutlich, dass wir gereift sind und eine sehr gute Spielanlage haben“, betonte Kapitän Holland, der eine deutlich positive Entwicklungskurve bei den Südhessen wahrnimmt.
Weder schämen noch verkriechen
Weshalb? Deshalb: Die Lilien sind das beste Team der Rückrunde, mussten im Jahr 2020 lediglich eine Niederlage einstecken und haben am heimischen Böllenfalltor überhaupt noch nicht verloren. Ein Remis gegen Greuther Fürth – auch wenn es kurz vor Schluss bitter zustande kam – ist kein Grund für Enttäuschung. „Wir müssen uns nach diesem Spiel auf keinen Fall verkriechen oder uns schämen. Wir haben eine gute Leistung gezeigt, die Jungs haben alles rausgehauen. Ich lasse nicht zu, dass das anders gesehen wird“, stellte Cheftrainer Dimitrios Grammozis klar. Dass der SV 98 nicht auch noch das dritte Spiel in Serie gewann, hatte seine Gründe. Diese liegen in einer kräftezehrenden Woche, Glücksgöttin Fortuna hatte ebenfalls ihre Finger im Spiel – oder eben nicht. Springt der Elfmeter von Felix Platte vom Innenpfosten ins Tor, ist der Deckel drauf und die Lilien gewinnen mit großer Wahrscheinlichkeit das Duell am Bölle. „Wenn wir das 2:0 machen, geraten wir nicht mehr in Schwierigkeiten. Felix ist normalerweise eine sicherer Schütze. Aber das Quäntchen Glück war nicht auf seiner Seite“, wusste Grammozis.
„Mannschaftlich geschlossen – ohne Ausahmen“
Und dann ist da eben auch noch diese enorm enge zweite Liga – mit spielerisch starken Mannschaften wie Greuther Fürth, die ihre Qualitäten auch im Merck-Stadion unter Beweis stellten. „Aber man darf nicht vergessen, das die Fürther ein Spiel weniger in dieser Woche in den Beinen hatten. Wir waren platt. Dass man das aber erst in den Schlussminuten gemerkt hat, spricht für uns“, verdeutlichte Schuhen. Denn der SV Darmstadt 98 hat wieder sein Gesicht gezeigt. Das Gesicht, das nach dem KSC-Spiel gefordert wurde. Das Gesicht, das der SV 98 vor der Corona-Unterbrechung Spiel für Spiel zeigte. Das Gesicht, das die Lilien gegen St. Pauli, Aue und auch gegen Fürth an den Tag legten. Es macht Spaß, den Darmstädtern beim Fußballspielen zuzuschauen. Es steht eine Mannschaft auf dem Platz, die sich gegenseitig pusht, die sich jederzeit gegenseitig unterstützt. Matthias Bader unterschreibt das. „Wir treten mannschaftlich sehr geschlossen auf – ohne Ausnahmen. Wir sind eine geile Truppe. Dass jeder für den anderen kämpft, zeichnet uns extrem aus“, so der Rechtsverteidiger, der aber nun froh ist, nach aufreibenden sechs Tagen auch mal durchzuschnaufen.
Das Wochenende ist frei – Zeit zur Regeneration und dafür, die erfolgreiche Englische Woche Revue passieren zu lassen. Doch sich nach sieben Punkten aus drei Spielen ausruhen und nachlassen? Fehlanzeige. Am Montag geht es weiter. Dann starten die Darmstädter in die Vorbereitung auf das kommende Auswärtsspiel in Regensburg (6.6./13 Uhr). Mit dem Motto „Wir wollen mehr, mehr, mehr“ hat Victor Palsson die Marschrichtung für die kommenden Aufgaben bereits nach dem Aue-Sieg vorgegeben. Und das gilt auch weiterhin. Selbstbewusst, mit erhobenen Hauptes und den Blicken nach vorn gerichtet – nicht gen Boden – gehen die Lilien in die verbleibenden fünf Spieltage der Saison.