FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Der Pokal schreibt seine eigenen Geschichten. Ein Satz, der immer wieder fällt, wenn die erste Hauptrunde des DFB-Pokals vor der Tür steht. Bezug nimmt er auf den Vergleich Außenseiter gegen Favorit, die Hoffnung auf eine Sensation, die Lust auf unvergessene Abende. Auch das Pokalspiel der Lilien beim TSV 1860 München schrieb seine Geschichten. Allerdings auf eine andere Art und Weise. Geschichten von Prüfungen, Moral und Teamspirit. Von Stolz trotz des Ausscheidens.
Schon der Blick auf den Kader des SV 98 an diesem Abend verriet, dass die Lilien noch ein gutes Stück davon entfernt sind, zu den gewohnten Abläufen zurückzukehren. Mit Patric Pfeiffer und Braydon Manu saßen zwei Spieler auf der Bank, die erst am Tag zuvor nach ihrer Corona-Erkrankung wieder zum Team gestoßen waren. Gar einen Platz in der Startelf nahm Thomas Isherwood ein. Erstmals überhaupt seit seinem Wechsel zu den Lilien im Januar diesen Jahres. Ganze drei Einheiten hatte der Schwede in der abgelaufenen Woche mit der Mannschaft absolviert, bevor er sich auf dem Rasen des Grünwalder Stadions in jeden Zweikampf warf, über die Schmerzgrenze hinausging und schlussendlich völlig entkräftet ausgewechselt werden musste. Sein Nebenmann in der Innenverteidigung war erneut der 18-jährige Clemens Riedel. Eine weitere Geschichte dieser noch jungen Saison. Insgesamt setzte Torsten Lieberknecht an diesem Abend 16 Spieler ein, von denen jeder einzelne alles versuchte, um einen Teil zu einem möglichen Weiterkommen beizutragen.
Richtig großes Herz
„Alle haben Krämpfe, alle sind körperlich völlig hinüber“, erklärte Schlussmann Marcel Schuhen nach dem Spiel beim Blick auf seine Vorderleute, die trotz aller Anstrengungen schlussendlich ohne Lohn die Heimreise Richtung Südhessen antreten musste. Ohne Lohn, dafür aber mit einem großen Lob und einer Erkenntnis ihres Cheftrainers: „Ich bin massiv stolz auf die Mannschaft, die heute richtig großes Herz gezeigt hat und mit all den Herausforderungen fantastisch umgegangen ist. Trotz der Niederlagen entsteht ein sensationeller Spirit in unserer Mannschaft.“
Der von Lieberknecht angesprochene Spirit zeigte sich schon allein an der Reaktion des SV 98 nach dem Gegentreffer in der 75. Minute. Ein irregulärer Treffer, die nächste Prüfung für die Lilien, die auch diesen Nackenschlag wegsteckten. „Danach zurückzukommen ist nicht einfach. Aber man heute gesehen, dass wir eine geschlossene Mannschaft sind“, bilanzierte Luca Pfeiffer, der mit seinem ersten Pflichtspieltreffer bereits in der 80. Minute für den Ausgleich gesorgt hatte. Er selbst gehörte in der zurückliegende Woche zur Gruppe der „Arbeitsquarantäne-Boys“ (Zitat Lieberknecht), die zwar mit der Mannschaft trainierten, sich aber nicht mit ihr in der Kabine aufhalten konnten und auch separat die Reise nach München antraten. Auch so eine dieser Geschichten, deren Häufung auch Pfeiffer noch einmal aufgriff: „Wir hatten in den letzten Wochen immer wieder Handicaps. Wenn wir dachten, es ist vorbei, dann kam wieder etwas dazu. Aber wir werden viel Kraft aus dem Spiel heute ziehen.“
Zumal der Torschütze darauf hofft, dass sich die personelle Situation bis zum Heimspiel gegen den FC Ingolstadt verbessern wird: „Es fehlt aktuell ein Teil von dem, was den Fußball ausmacht. Das Zusammensein in der Kabine, einfach dummes Zeug zu labern und gemeinsam zu lachen. Da gibt es uns sicherlich nochmal Kraft, wenn wir jetzt nach und nach wieder ein wenig mehr zur Normalität zurückkehren können.“
Rückschläge wegstecken, Herausforderungen meistern
Die aktuelle „Normalität“ besteht darin, Herausforderungen zu meistern und Steine aus dem Weg zu räumen. Die Lilien zeigen, dass sie bereit sind, dafür viel zu investieren, wie Lieberknecht erneut feststellen konnte: „Wir werden diese Prüfungen überstehen. Die Jungs nehmen alles an, sind auch bereit Rückschläge wegzustecken.“
Der Cheftrainer selbst lebt diese Einstellung vor. Trotz der schwierigen Vorbereitung und der darauffolgenden katastrophalen Personalsituation strahlt der 48-Jährige Kampfgeist und Motivation aus. Mit jeder Pore, mit jedem seiner Sätze, mit seiner Art und Weise. Ein Auftreten, das auch seinen Spielern Respekt abnötigt, wie Torhüter Schuhen erklärte: „Was dieser Mann seit dem ersten Tag an Positivität in die Mannschaft gebracht hat, ist unglaublich. Und das trotz all der Herausforderungen, denen er sich stellen musste.“
Schuhen sagte diese Sätze gegen 23:35 Uhr am Freitag, eine weitere Bestätigung für seine Aussagen lieferte Lieberknecht wenig später, angesprochen auf Patric Pfeiffer, der vom Elfmeterpunkt gescheitert war: „Patric ist für mich ein großer Held. Weil er auch direkt gesagt, dass er den ersten Elfmeter schießt und das alles nach der schwierigen Zeit, die er hatte mit der Verletzung und der Corona-Erkrankung. Ich bin stolz auf ihn und seinen Mut.“
Positives Denken und Teamspirit. Das braucht es auf dem weiteren Weg der Lilien. Der Pokalabend von München bewies, dass sie beides besitzen. Eine von vielen Geschichten, die der SV 98 an diesem Pokalabend schrieb.