Nürnberger bleibt in Darmstadt
Der SV 98 kann weiterhin auf die Dienste von Fabian Nürnberger bauen. Die Lilien haben den auslaufenden Vertrag mit dem bulgarischen Nationalspieler verlängert.
Tobias Kempe ist im Training am Freitag (16.5.) umgeknickt. Ob er am Sonntag (18.5./15.30 Uhr) im Heimspiel gegen Jahn Regensburg auflaufen kann, lässt sich Stand jetzt noch nicht sagen. Das erklärte Florian Kohfeldt auf der Pressekonferenz vor dem letzten Spieltag. Der Cheftrainer des SV Darmstadt 98 sprach zudem über die Verdienste der Darmstädter Nr. 11 sowie über den kommenden Gegner, die sich zu Ende neigende Saison und gab zudem einen Ausblick auf die kommende Spielzeit. Wir haben die wichtigsten Aussagen für Euch zusammengestellt.
Personalupdate: Nicht zur Verfügung stehen Fabian Holland, Matthias Bader, Paul Will, Christoph Zimmermann sowie Othmane El Idrissi, Alexander Brunst, Guille Bueno, Meldin Dreskovic und Jean-Paul Boetius. Matej Maglica fehlt gelbgesperrt. Ein Einsatz von Tobias Kempe, der sich am Freitag im Training verletzt hatte, ist Stand Freitagnachmittag noch offen.
Tobi hätte es sich verdient, am Sonntag in der Startelf zu stehen und die Mannschaft als Kapitän in seinem letzten Spiel aufs Feld zu führen. Das ist das, was wir alle wollen. Es wäre auch mir ein allergrößtes Bedürfnis gewesen. Die Tragik des Fußballs ist aber, dass Tobi heute im Training umgeknickt ist. Wir können Stand jetzt nicht sagen, ob er am Sonntag spielen kann. Das geht mir sehr nah. Wir müssen abwarten, was der morgige Samstag ergibt.
Ich kenne Tobi seit 15 Jahren. Damals bei Werder war ich selbst noch Spieler – und ich musste gegen diesen Frechdachs oft die Bälle aus dem Tor holen (grinst). Über die Jahre habe ich seinen Weg verfolgt. Tobi hat in einer unfassbaren Konstanz Unterschiedsmomente kreiert. Er war ein Jahrzehnt lang bei den Lilien und hat es geschafft, aus dem Nichts Spiele zu entscheiden. Manche Spieler haben mal so eine Phase über ein oder zwei Jahre, in der sie so etwas hinbekommen. Tobi hat es dagegen über zehn Jahre hinbekommen. Er ist in diesen zehn Jahren einer der besten Standardschützen der 2. Liga gewesen. Und er kann unglaublich stolz sein auf seine Karriere und seinen Weg. Zudem ist er ein überragender Charakter. Ich habe allergrößten Respekt vor ihm.
Tobi war in dieser Saison für ganz viele Spieler ein Ratgeber im Alltag. Er war auch für mich ein Ratgeber und Impulsgeber. Gerade in der Hinrunde war er auch sportlich ein wichtiger Teil. Ich erinnere mich an das Spiel in Karlsruhe oder an das Pokalspiel in Dresden, in denen er Assists und Tore geliefert hat. In dieser turbulenten Saison war Tobi zudem ein Ruhepol. Er war insgesamt ein sehr wichtiger Faktor.
Für uns ist es ein sehr wichtiger Anlass am Sonntag. Wir wollen Tobi den bestmöglichen Abschied geben. Wir haben eine große Motivation, diesen Heimsieg hoffentlich mit ihm, aber vor allem für ihn zu holen. Insgesamt geht es auch für den Verein noch um etwas: Wir wollen die Tabellenposition halten, das wäre sehr wichtig für uns. Natürlich sind wir mit den Ergebnissen der Rückrunde überhaupt nicht einverstanden. Positiv war unsere Heimspielserie seit Schalke. Und wir wollen unbedingt mit einem positiven Ergebnis aus der Saison gehen. Wie die Mannschaft sich die Woche im Training und auch im vergangenen Spiel in Kaiserslautern gegeben hat, stimmt mich optimistisch, dass wir alles tun werden, um das Spiel am Sonntag zu gewinnen. Auch ich will unbedingt gewinnen. Mit einem Sieg gehst du schließlich anders in die Sommerpause. Dass drei Niederlagen zum Saisonende auf dem Papier stehen, wollen wir unbedingt vermeiden. Deswegen sind wir sehr kämpferisch.
Sie haben ein gutes Heimspiel gegen den KSC gespielt. Sie agieren mit einer Dreierkette und pressen sehr stark Mann gegen Mann. Außerdem versuchen sie, das Mittelfeld mit vielen Flanken zu überbrücken. Dafür haben sie die Spielertypen. Es ist sehr schwierig, gegen Mannschaften, die viele Spieler auf die letzte Linie bringen, Balleroberungen zu haben. Das Hinspiel war unter meiner Verantwortung das mit Abstand schlechteste Spiel in dieser Saison. Ich habe es mir diese Woche nochmal angeguckt. Wir waren dort nicht in der Lage, gegen sie Lösungen zu finden. Ihre Spielweise hat sich im Vergleich zur Hinrunde nicht dramatisch verändert.
Ich glaube, dass wir die aktuelle Saison sehr differenziert betrachten müssen. Nach dem Elversberg-Spiel in der Hinrunde gab es Zeitungsüberschriften wie „Jetzt geht es nur noch um die Existenz“ oder „Der zweite Abstieg in Folge droht“. Wir als sportliche Leitung hatten die Aufgabe, eine Spielidee zu entwickeln und stabil durch die Saison zu kommen, um auch Spieler zu entwickeln. Bei der Entwicklung der Spieler ging es nicht allein um sportliche Themen, sondern auch um die Struktur der Mannschaft und Führungsverantwortung. Um die Aufgaben und Ziele nach und nach durchzugehen: Wir haben eine Spielidee entwickelt, diese ist aber in gewissen Spielen an Grenzen gestoßen. Da müssen wir uns weiterentwickeln und andere Lösungen finden. Trotzdem stehen die Lilien für eine gewisse Art von Fußball. Das wollen wir weiter verfestigen. Sportlich haben sich sehr viele Spieler weiterentwickelt. Haben wir es auch geschafft, eine Struktur in der Mannschaft herauszubilden? Eher nein. Bis auf Marcel Schuhen, Aleksandar Vukotic und Clemens Riedel stand keiner der Spieler stabil zur Verfügung, die eine Achse bilden sollten. Wir müssen also die Spielerverfügbarkeit deutlich erhöhen, um die Achse ausbilden zu können.
Ich habe ein extrem großes Vertrauen in Paul Fernie. Er hat den Kader extrem gut zusammengestellt. Die Verletztenmisere in dieser Saison – auch in Kaiserslautern standen uns zwölf Spieler nicht zur Verfügung – hat die Breite der Mannschaft nicht zum Tragen kommen lassen. Wenn wir die richtige Schlüsse ziehen und wir es schaffen, an der einen oder anderen Stelle die passenden Profile zu finden, dann bin ich sehr optimistisch, dass wir in unserem zweiten Jahren ergebnistechnisch erfolgreicher sein können. Ich sehe viele Indikatoren, dass wir nächstes Jahr eine deutlich erfolgreichere Saison spielen können. Das ist keine Kampfansage und auch keine Formulierung von Saisonzielen. Das ist eine realistische Bestandsaufnahme.
Wir als Mannschaft und Trainerteam wissen, dass es nicht die allertollste Saison als Lilien-Fan war. Ich habe trotzdem über die Saison in der Stadt wahrgenommen, dass anerkannt wurde, wie die Mannschaft gearbeitet und leidenschaftlich gespielt hat – auch wenn es nicht immer erfolgreich war. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir am Sonntag noch einmal alle gemeinsam für diese Bölle-Stimmung sorgen. Nicht nur für Tobi, sondern für uns alle. Ein entscheidender Faktor, den wir hier bei Darmstadt 98 haben: Mannschaft und Fans stehen ganz eng zusammen. Vielen Dank dafür.