FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Bereits vor längerer Zeit wurde der Wunsch Zeitzeugen des „Dritten Reiches“ zu einem Dialog in das Fanprojekt einzuladen an uns herangetragen. Diesen Wunsch können wir nun erfüllen indem wir zwei Darmstädter, die nicht nur die nationalsozialistische Schreckensherrschaft erlebten, sondern zum Teil schon seit den 30er Jahren Mitglied des SV Darmstadt 98 sind, im Fanprojekt begrüßen können.
Besonderen Wert wird bei dieser Veranstaltung darauf gelegt, dass -im Gegensatz zu Vorträgen -an diesem Abend ein intensiver Dialog zwischen den Zeitzeugen und den Besuchern stattfinden soll, um auf diesem Weg einen besonders nachhaltigen Eindruck vom dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu vermitteln.
Philipp Benz wurde 1912 in Arheilgen geboren und trat 1926 der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und später der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. Aus diesem Grund wurde er nur wenige Monate nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler 1933 für mehrere Monate im KZ Osthofen inhaftiert. Ein Jahr später war er wegen „Hochverrats“ angeklagt, wurde jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Aufgrund seiner Tätigkeit als Hochbauingenieur wurde er „wegen kriegswichtiger Tätigkeit“ vom Wehrdienst freigestellt. Nach dem 2. Weltkrieg arbeitete Benz als freischaffender Architekt und setzte sich als Vorsitzender des Sportausschusses der Stadt Darmstadt dafür ein, dass die Lilien wieder das Stadion am Böllenfalltor nutzen konnten. Er ist Mitbegründer der Lagergemeinschaft Osthofen und engagierte sich für die Einrichtung einer Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager (weitere Informationen auf www.projektosthofengedenkstaette.de). Im Jahr 2007 erhielt er für seine Bemühungen den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Eine weiterführende Kurzbiographie von Philip Benz ist auf www.projektosthofengedenkstaette.de/html/philipp_benz.html zu finden.
Kurt Kretzschmar wurde 1920 in Darmstadt geboren. Bereits sein Vater war Mitglied des Darmstädter SC 05, bevor dieser mit dem FK Olympia fusionierte und somit den SV Darmstadt 1898 schuf. Im Alter von 13 Jahren tritt Kurt Kretzschmar dem SV98 bei und ist dort aktiver Fußballer, Leichtathlet und Boxer. 1934 wird er auf Druck des Schuldirektors und gegen den Willen seines sozialdemokratischen Vaters Mitglied der Hitler-Jugend (HJ). 1938 wird Kretzschmar zur Wehrmacht einberufen. Um dem Arbeitsdienst zu entgehen und weiter Sport treiben zu können meldet er sich freiwillig bei der Marine. Die letzten drei Kriegsjahre verbrachte Kretzschmar in britischer Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr wird er 1948 wieder Mitglied der Fußballabteilung des SV98. Während der der Saison 1949/50, in der die 1. Mannschaft Meister der Landesliga Hessen wurde und in die Oberliga Süd (damals die höchste Spielklasse) aufstieg, absolvierte er fünf Einsätze in der Meisterelf. Später gründete er die Wanderabteilung der Lilien und wurde in den Ältestenrat des Vereins gewählt. Im Jahr 2004 verlieh ihm der SV Darmstadt 98 die Ehrenmitgliedschaft.