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01.04.2023 / Profis

Zu Null

Sollen wir wirklich schon in die Kabine? Wir wäre es mit einer zweiten Runde? Vielleicht nicht doch noch einmal umdrehen? Als sich die Spieler des SV Darmstadt 98 diese Fragen stellten, war der Freitagabend schon weit fortgeschritten. Und das Max-Morlock-Stadion hatte sich bis auf den Gästeblock bereits weitestgehend geleert. Doch die Lilien - sowohl unten auf der Tartanbahn als auch im prallgefüllten Auswärtsblock - bekamen einfach nicht genug voneinander. Fabian Holland: "Also sind wir nochmal umgedreht, um den Fans zu zeigen, wie dankbar wir für ihre Unterstützung Woche für Woche sind."

Foto: DFL/Getty Images/Sebastian Widmann

Denn ob bei Heim- oder Auswärtsspielen. Ob oben an der Ostsee oder drüben im Frankenland. Die Darmstädter Anhängerschaft reist quer durch die Bundesrepublik, um ihre Lieblingsmannschaft zu unterstützen. Nach Siegen wird gemeinsam gefeiert, nach Niederlagen wird die Mannschaft vorm Block aufgemuntert. Das gemeinsame Einklatschen nach den Spielen ist schon seit längerem zum Ritual von Fans und Mannschaft geworden. „Es ist geil, was unsere Anhänger da jede Woche abliefern. Und diese Szenen wie hier heute in Nürnberg bleiben auf jeden Fall hängen“, so der Kapitän des SV 98.

Auch ein Arbeitssieg bringt drei Punkte

Ins Frankenland machten sich am Freitagabend knapp 2.000 Lilien-Fans auf den Weg, um ihrem Team den Rücken zu stärken. Eine Reise, die sich auszahlte. Weil sich die Mannschaft des SV 98 mit großer Hingabe und noch mehr Leidenschaft einen 1:0-Auswärtssieg erkämpfte und damit drei weitere Zähler aufs Punktekonto packte. Klar, für Fußball-Feinschmecker waren die 90 Minuten gegen den 1. FC Nürnberg sicherlich kein Leckerbissen. Vielmehr bestimmten Arbeit und Kampf das Spiel der Lilien. „Aber auch diese Facetten haben wir in unserem Spiel. Insgesamt war es sicherlich ein dreckiges 1:0“, erkannte Marcel Schuhen.

Ein Tor mehr als der Gegner geschossen, die drei Punkte mitgenommen. Genau das ist es doch, was am Ende zählt. Denn auch wenn es abgedroschen klingen mag: Der Fußball ist und bleibt eben ein Ergebnissport. „Die Jungs haben gezeigt, dass sie das Spiel unbedingt gewinnen wollten. Es war ein wichtiger Sieg, der sich sehr gut anfühlt“, machte Torsten Lieberknecht deutlich. Dass es gegen eine technisch starke und qualitativ gut besetzte Nürnberger Mannschaft einfach werden würde, dachte ohnehin niemand in den Reihen der 98er. Der FCN hatte schließlich seine letzten drei Heimspiele allesamt zu Null gewonnen und befand sich unter Neu-Trainer Dieter Hecking erkennbar im Aufwind. Ein Auswärtssieg im Max-Morlock-Stadion war daher alles andere als eine Selbstverständlichkeit. „Gerade deshalb sind wir mit diesem ekligen 1:0 sehr zufrieden“, wusste auch Holland richtig einzuordnen.

Defensivarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Natürlich war beim entscheidenden Treffer zum 1:0 das Glück auf Seiten der Darmstädter. Doch dieses erarbeiteten sich die Lilien über die 90 Minuten hinweg durch Einsatzbereitschaft, Fleiß und einer vor allem Defensiv sehr stabilen sowie hochkonzentrierten Leistung. Bereits zum sechsten Mal fuhren die Südhessen so einen 1:0-Erfolg ein, ohnehin holten sie elf ihrer 16 Saisonsiege mit nur einem Tor Vorsprung. Dass eben dieser eine Treffer mehr so oft ausreichte, spricht für eine hervorragende Defensivarbeit. In Nürnberg blieb der SV 98 schon zum elften Mal ohne Gegentor. Das ist Ligabestwert. Weil eine jede Lilie auf dem Platz die Bereitschaft besitzt, sich in jeden Ball reinzuwerfen – egal, ob zu Beginn des Spiels oder mit nur noch wenig Energiereserven kurz vor dem Schlusspfiff. So stellt der SV Darmstadt 98 mit lediglich 21 Gegentoren die beste Defensive der Liga. Und trotz gleich sechs 1:0-Siegen gehören die Darmstädter mit 41 Saisontreffern zu den Top-Fünf-Offensiven der 2. Bundesliga.

Keine Spielchen, weiter sammeln

„Wenn man solche Spiel gewinnt, … !?“ Angesprochen von den Journalisten in der Mixed-Zone sollte Holland diesen Satz nach dem 1:0-Arbeitssieg in Nürnberg vervollständigen. „… dann hat man drei Punkte mehr auf dem Konto“, gab der Kapitän zurück, wohlwissend in welche Richtung diese Fragestellung abzielte. Die Lilien, sie tun weiterhin gut daran, sich nicht auf solche Gedankenspielchen einzulassen. Sie wollen einfach nur weiter Punkte sammeln – und das Woche für Woche. Schließlich sind in dieser 2. Liga immer noch acht Partien zu absolvieren und damit noch 24 Zähler zu vergeben. Die kommende Herausforderung für den SV 98 heißt SC Paderborn (9.4./13.30 Uhr). Den Ostersonntag, den verbringen Mannschaft und Fans also im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Gemeinsam wollen sie dort um die nächste drei Punkte kämpfen.

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