FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Immanuel Höhn ist letzter Mann. Er steht im Mittelkreis als Tobias Kempe zum Freistoß anläuft und den Ball in Richtung des Bochumer Tores zirkuliert. Um einen klaren Blick um die Mauer herum auf den Kasten zu erhaschen, muss er sich ein wenig winden. Dann sieht er die Kugel einschlagen. Ein paar Sekunden später blitzt die pure Freude in seine Augen auf – er rennt zum Torschütze, tätschelt ihm den Kopf, umarmt ihn innig. Doch zwischen Freud und Leid liegen an diesem Samstagmittag nur zwei Minuten: erst der Ausgleich, dann der Siegtreffer des VfL. Wenig später der Schlusspfiff. Wieder steht Höhn in der Mitte des Spielfelds. Er stützt die Arme auf die Knie. In seinen Augen? Schmerz, Enttäuschung, Frust.
„Es ist extrem bitter“, fasst Höhn am Mikrofon zusammen. Seine Analyse: „Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht und nur wenig zugelassen. Und belohnen uns sogar mit dem Tor.“ Doch dann diese besagten zwei Minuten im Ruhrstadion. „Es tut wahnsinnig weh, wenn du das Spiel innerhalb von zwei Minuten herschenkst. Das war extrem unnötig“, betont er. Denn bis zur 80. Minute war das Duell der beiden punktbesten Zweitligamannschaften des vergangenen Jahres ein Spiel auf Augenhöhe, mit leichten Vorteilen für die Gäste – ein fußballerisch sehr ansehnliches, aber torloses Unentschieden. Der Zauberfreistoß von Tobias Kempe in der Schlussphase, er hätte der Knock-out für den VfL sein sollen. „Normalerweise muss eine Führung in Bochum nochmal beflügeln“, so der Torschütze. Doch das tat sie nicht.
Der Viertplatzierte der 2. Bundesliga, der dank des Dreiers gegen die Lilien über Nacht auf Rang zwei vorsprang, kam prompt zurück und drehte das Spiel. „Bochum hat vor allem im vorderen Bereich enorme Qualität. Wenn du so ein Spiel drehst, zeigt das, dass der VfL ein Favorit um den Aufstieg ist“, erklärte Markus Anfang. Doch der Cheftrainer der Lilien nahm dann auch seine Mannschaft in die Pflicht: „Wir müssen hier keineswegs verlieren, wir waren näher an einem Sieg als an einem Unentschieden. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, weil wir nicht in der Lage waren, es hintenraus zu verteidigen“, monierte der Darmstädter Coach.
Denn im Ruhrstadion war es wie schon so oft in dieser Saison. Der SV 98 präsentiert guten Fußball, ist das bessere Team. Und dennoch stehen die Lilien nach 90 Minuten ohne Punkte da. „Das nervt“, sagt Höhn. „Insgesamt zeigen wir die ganze Saison schon viele gute Spiele, belohnen uns dafür aber viel zu selten“, so die Nummer 21 der Südhessen weiter. Trotzdem machen die Auftritte der Darmstädter Mut. Schließlich haben die Lilien bis zur 80. Minute bei einer qualitativ top besetzten Bochumer Mannschaft ein richtig gutes Spiel gemacht. Und dass sie sich für solch ansehnliche Leistungen auch belohnen können, haben die drei Pflichtspielsiege in Folge im Jahresendspurt 2020 gezeigt.
Zwei Minuten. Sie waren es am Ende, die in Bochum das Spiel entschieden. Doch von diesen zwei Zeigerumdrehungen lässt sich der SV 98 nicht unterkriegen – auch Immanuel Höhn nicht. Seine Arme stützt er längst nicht mehr enttäuscht auf seinen Knien ab. Nein, er steht wieder aufrecht. Mit dem Blick nach vorn gerichtet. Schon am kommenden Sonntag (10.1., 13.30 Uhr) empfangen die Lilien die Mannschaft von Hannover 96. Die pure Freude soll dann in den Augen der Lilien wieder aufblitzen. Aber nicht nur zwei Minuten lang.