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31.08.2023 / Profis

Bayer Leverkusen im Gegnercheck

„Vizekusen war gestern: Diese Mannschaft ist reif für den Titel“, ist sich der Express sicher. „Macht Xabi Alonso Bayer Leverkusen zum Deutschen Meister?“, heißt es bei Sport1. „Die können doch nicht ernsthaft Meister werden!?“, lautet die Überschrift eines Artikels bei Spox. Bayer 04 Leverkusen. Die Werkself galt gleich bei so einigen Expertinnen und Experten schon vor Saisonstart als Geheimfavorit, wenn nach der Deutschen Meisterschaft gefragt wurde. Und die ersten beiden Spieltage zeigen: Die Truppe von Welt- und Europameister Xabi Alonso hat unglaubliche Qualität und spielt bis dato auch dank namhafter Neuzugänge einen beeindruckenden Ball.

Foto: DFL/Getty Images/Lukas Schulze

Wir spulen die Zeit um gute elf Monate zurück – Oktober 2022. Bayer Leverkusen stand nach nur einem Sieg aus acht Spielen auf Rang 17 der Bundesliga-Tabelle. Es folgte das Aus für Coach Gerardo Seoane, Xabi Alonso übernahm das Amt des Cheftrainers. Und der Spanier, er lieferte gleich in seiner ersten Saison ab. Auch wenn der Bayer-Motor anfangs noch ein wenig zu stottern vermochte, rollten die Leverkusener nach 34 Bundesliga-Spieltagen auf Rang sechs ins Ziel. In der Europa League drang Bayer dagegen bis ins Halbfinale vor, scheiterte dort an der von Jose Mourinho trainierten AS Roma.

Gegenwart. Im Pokal eine Runde weiter und in der Bundesliga mit zwei Siegen aus zwei Spielen makellos gestartet. Und das gegen namhafte Konkurrenz: Erst ein überzeugender Auftritt der Leverkusener beim Saisonauftakt gegen Leipzig (3:2), dann dominierte die Werkself im Derby eine Woche später auch noch den Rivalen aus Mönchengladbach und ließ ihm beim 3:0 im Borussia-Park keine Chance. Die Favoritenrolle vor dem dritten Spieltag, sie ist also klar verteilt. Kann der SV Darmstadt 98 dem Geheimfavoriten um den Titel dennoch ein Bein stellen? Oder setzt sich die Bayer-Dominanz auch gegen die Südhessen fort? Wir nehmen den kommenden Gegner der Lilien genauer unter die Lupe. Bayer 04 Leverkusen im Gegnercheck.

Der Trainer

„Er war das Gehirn des Teams“, sagte Joshua Kimmich einst in einem Interview über die gemeinsame Zeit mit Xabi Alonso beim FC Bayern München. Der spanische Mittelfeldspieler, er war ein Spielversteher, ein Stratege von Weltklasse. Einer, der schon wusste, was passieren würde, bevor er überhaupt den Ball am Fuß hatte. „Ich habe den Fußball geliebt, den er gespielt hat“, erklärte Jonas Hofmann nach seinem Wechsel zu Bayer. Als Spieler gewann Alonso nahezu alles, was man als Spieler gewinnen konnte. Weltmeister- und Europameisterschaft. Dazu gleich doppelt die Champions League und zahlreiche nationale Titel. Real Madrid, Liverpool FC und Bayern München hießen neben Real Sociedad und SD Eibar seine Stationen im Profifußball. Trainiert wurde er dabei von absoluten Trainergrößen wie Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Jose Mourinho, Rafael Benitez oder Vicente del Bosque.

Heute eilt Alonso selbst der Ruf voraus, eines der größten Trainertalente der Gegenwart zu sein. Seine Karriere an der Seitenlinie hätte er womöglich auch direkt bei einem der großen europäischen Profiteams beginnen können. Doch größere Anfragen lehnte er ab, entschied sich stattdessen bewusst dafür, das Trainer-Dasein von der Pike auf zu lernen. Zunächst arbeitete er bei mit 12- und 13-jährigen Nachwuchskickern bei Real Madrid, dann trainierte er die zweite Mannschaft von Real Sociedad. Im Oktober 2022 folgte der Wechsel an den Rhein. Bayer Leverkusen. Dominant und mit einer guten Kontrolle wolle er die Werkself spielen sehen – nicht passiv, sondern aktiv. Und seine Spieler folgen ihm.

Xabi Alonso, Cheftrainer von Bayer 04 Leverkusen
Foto: eibner Pressefotos

Transfermarkt

Top-Neuzugänge Top-Abgänge
Nathan Tella (24, FC Southampton) Moussa Diaby (24, Aston Villa)
Victor Boniface (22, Royale Union Saint Gilloise) Sardar Azmoun (28, AS Rom)
Granit Xhaka (30, FC Arsenal) Mitchel Bakker (23, Atalanta Bergamo)
Jonas Hofmann (31, Borussia Mönchengladbach) Kerem Demirbay (30, Galatasaray)
Alejandro Grimaldo (27, Benfica Lissabon) Paulinho (22, Atletico Mineiro)

Prunkstück

Das sind definitiv die Neuzugänge. Der spektakulärste und womöglich wichtigste Transfer in diesem Sommer? Granit Xhaka. Einst 2016 von Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal gewechselt, kehrte er nun mit der langjährigen Erfahrung als Gunners-Kapitän und über 200 Premier-League-Spielen in die Bundesliga zurück. Ein echter Leitwolf fürs Mittelfeld der Werkself. Zudem lotsten die Bayer-Verantwortlichen Jonas Hofmann vom Gladbacher Borussia-Park rüber in die rund 75 Kilometer entfernte BayArena – 234 Bundesliga-Spiele sowie 21 Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft bringt der 31-Jährige mit an den Rhein. Alejandro Grimaldo ist der dritte international renommierte Akteur, der neu das Trikot der Werkself trägt. Er läuft nach 303 Pflichtspielen für Benfica Lissabon nun ebenfalls für Bayer Leverkusen auf und bekleidet die Position des Linksverteidigers. Und dann wirbelt im Sturm ja auch noch Victor Boniface, den wir Euch im nächsten Absatz einmal genauer vorstellen.

All Eyes on ...

Victor Boniface. „Er hat ein Schuss wie ein Pferd“, sagt Torhüter Lukas Hradecky über seinen neuen Teamkollegen. 1,90 Meter ist er groß, gute 90 Kilogramm schwer. Der 22 Jahre alte Nigerianer paart seine körperliche Wucht samt brachialem Abschluss mit Schnelligkeit, Spielwitz und einem guten Auge für die Mitspieler. Mit der Empfehlung von 29 Torbeteiligungen in 51 Spielen für den belgischen Klub Royale Union Saint-Gilloise in diesem Sommer verpflichtet, knüpft er bei seinem neuen Arbeitgebern nahtlos an diese Leistungen an. Gleich an den ersten beiden Spieltagen überzeugte er mit dem Bayer-Kreuz auf der Brust – zwei Treffer und einen Assist hat er bis dato auf dem Konto. Gegen Leipzig und vor allem Gladbach spielte Boniface den omnipräsenten Mittelstürmer, der sich klug in den Räumen bewegte, seinem Instinkt vertraute und seine Vielseitigkeit im Abschluss unter Beweis stellte. Im Borussia-Park gab er satte elf Torschüsse ab, zudem bestritt er ligaweit die meisten Zweikämpfe aller Bundesliga-Spieler.

Boniface hat in seiner noch jungen Karriere ohnehin gelernt, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen. Im Alter von 18 Jahren ging es für ihn raus aus Nigeria hoch in den Norden nach Skandinavien. Doch bereits zwei Wochen nach seiner Ankunft in Norwegen bei FK Bodö/Glimt zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Nach sechs Monaten kehrte er auf den Platz zurück, erarbeitete sich Spielzeit und knipste in schöner Regelmäßigkeit. Das Schicksal aber, es sollte es nicht gut mit ihm meinen: Wieder riss das Kreuzband, wieder musste er sich nach langer Pause zurückkämpfen. Mit Erfolg. Er empfahl sich für die belgische Liga, wechselte zu Royale Union und avancierte in der letztjährigen Europa-League-Saison mit sechs Treffern zum Torschützen-König.

Foto: DFL/Getty Images/Lukas Schulze

Blick in die Vitrine

Ja, natürlich hat Bayer Leverkusen einst den UEFA-Cup (1987/88) sowie den DFB-Pokal (1992/93) gewonnen. Doch der Blick in den Trophäenschrank von Xabi Alonso ist dann doch um so einiges interessanter. Ein WM-Pokal genauso wie zwei Europameistertitel stehen dort, die der frühere zentrale Mittelfeldspieler mit der spanischen Nationalmannschaft in deren absoluter Hochphase zwischen 2008 und 2012 errang. Dazu zweimal der Henkelpott der Champions League sowie etliche nationale Meister- und Pokaltitel. Die Vitrine des Cheftrainers im Überblick.

  • Weltmeister mit Spanien: 2010
  • Europameister mit Spanien: 2008 und 2012
  • Champions-League-Sieger: 2004/05 (Liverpool FC), 2013/14 (Real Madrid)
  • Deutscher Meister mit Bayern München: 2014/15, 2015/16, 2016/17
  • DFB-Pokalsieger mit Bayern München: 2015/16
  • Spanischer Meister mit Real Madrid: 2011/12
  • Spanischer Pokalsieger mit Real Madrid: 2010/11, 2013/14
  • FA-Cup-Sieger mit Liverpool: 2006

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