Ein Spiel Sperre für Pfeiffer
Das DFB-Sportgericht hat Patric Pfeiffer nach dessen Platzverweis gegen die SV Elversberg für eine Partie gesperrt.
Wir blicken etwa zehn Jahre zurück, als Lucien Favre Borussia Mönchengladbach auf den dritten Platz führte. Mit Raffael, Max Kruse und Patrick Hermann verewigten sich gleich drei Akteure zweistellig in der Torschützenliste und mit 19 Siegen dominierte man über weite Strecken die Liga. Von derartigen Höhenflügen kann man im Borussia-Park derzeit nur träumen. Auch wenn Potenzial und Veranlagung des Vereins etwas anderes erwarten lassen, rangieren die Fohlen derzeit im Tabellenmittelfeld. Vor dem kommenden Auswärtsspiel des SV Darmstadt 98 bei Borussia Mönchengladbach (10.2./15.30 Uhr) nehmen wir die Fohlen in unserem wöchentlichen Gegnercheck genauer unter die Lupe.
Das war schmerzhaft. Mit Marcus Thuram, Rami Bensebaini, Jonas Hofmann und Lars Stindl verlor Borussia Mönchengladbach im Sommer gleich vier Leistungsträger und Stammspieler. Der Löwenanteil an offensiv Zählbarem brach weg. Waren doch Hofmann (12 Tore, 10 Vorlagen), Thuram (13, 6) und Stindl (8,7) die drei besten Scorer der Borussia in der Vorsaison.
Die ab und an strauchelnden Fohlen sind derzeit 13. und stecken im Mittelfeld der Tabelle fest. Ein Trend, der sich schon über einige Saisons abzeichnet. Dafür sprechen die jeweiligen Endplatzierungen der Borussia aus den letzten drei Spielrunden. War man vor drei Jahren Achter, sprang die letzten beiden Spielzeiten jeweils nur der zehnte Rang heraus. In dieser Saison spielen sicherlich auch die permanenten Verletzungssorgen eine Rolle. „Jedes Mal, wenn der Arzt Richtung Trainerbüro kommt, zittere ich als Coach“, meinte Trainer Gerado Seoane unlängst in einem vereinseigenen Podcast. Mit Tomas Cvancara, Maximilian Wöber und Keeper Jonas Omlin fallen aktuell wieder drei Stammkräfte aus.
„Wir wollen keine Ausreden suchen“, sagt Seoane. Er will Probleme dieser Art nicht als Entschuldigung gelten lassen und gibt sich für die bereits angebrochene Rückrunde kämpferisch: „Wir wollen in der Rückrunde die richtigen Tasten drücken und die Mannschaft im Leistungsniveau nach oben bringen. Wir haben noch Luft nach oben.“ Und es folgen Taten. In den letzten vier Spieltagen ging es in den Duellen gegen Stuttgart und auswärts bei Leverkusen und Bayern gegen die Top drei der Bundesliga. Aus diesen Begegnungen resultieren vier Punkte und positive Auftritte. Auch der Spielplan gibt Grund zum Optimismus. Geht es doch in den nächsten sieben Ligapartien gegen direkte Konkurrenten oder Teams aus dem Tabellenkeller. Mal sehen, wie sich Mönchengladbach am Samstag (10.02./15.30 Uhr) gegen die Lilien schlägt. Zunächst geht es aber darum, im Pokal-Viertelfinale am Mittwochabend (7.2.) beim 1. FC Saarbrücken zu bestehen.
Stolz reckt Gerardo Seoane den Pokal in den Abendhimmel von Bern. Soeben sind seine Young Boys zum dritten Mal in Folge Meister geworden. Verziert mit Bändchen in den Vereinsfarben Schwarz und Gelb, im Flutlicht immer wieder aufblinkend: Der Pokal strahlt mit Seoane um die Wette.
Nach Stationen in der Schweiz und in Spanien musste der mittlerweile 45-Jährige seine Profikarriere wegen eines Schien- und Wadenbeinbruchs beenden. Seine Trainerlaufbahn startete er dort, wo er als Spieler debütiert hatte und in den Ruhestand ging: beim FC Luzern. „Die Zeit im Nachwuchs ist für mich unvergesslich. Ich konnte in Ruhe das Trainer-Handwerk lernen“, beschrieb Seoane rückblickend seine Zeit in den Jugendmannschaften des Teams vom Vierwaldstättersee. Auf Luzern folgte dann Bern als nächste Station. Auf Anhieb führte Seoane die Young Boys mit 20 Punkten Vorsprung zur Meisterschaft und sollte diesen Erfolg in den Folgejahren auch gleich doppelt wiederholen können. „Die Zeit ging schnell vorbei. Ich nehme mit, wie wichtig es ist, eine gute Organisation zu haben. Man hat mich überall unterstützt. Als junger Trainer konnte mir nichts Besseres passieren, als in Bern zu arbeiten“, zog Seoane ein positives Resümee über seine Zeit in der Schweizer Landeshauptstadt.
Gerardo Seoane Castro, wie er mit vollem Namen heißt, war schon zu Schulzeiten dauerhaft auf dem Bolzplatz unterwegs. Der gebürtige Schweizer beherrscht sagenhafte sechs Sprachen fließend (Deutsch, Spanisch, Englisch, Französisch, Italienisch, und Portugiesisch). Nach der Station beim NRW-Nachbarn Leverkusen steht Seoane seit dieser Saison nun bei Borussia Mönchengladbach an der Seitenlinie. Er habe eine ganz eigene Trainer-Philosophie, wie er in einem vereinsinternen Podcast beschrieb: „Ich will mit den Emotionen spielen und jede Woche mein Gesicht verändern. Wir müssen uns als Trainer ständig hinterfragen und verändern. Unsere Mannschaften brauchen ständig neue Reize.“ Zudem betont der Coach, wie wichtig ihm eine flache Hierarchie sei: „Ich will den Spielern auf Augenhöhe begegnen und nahe an ihnen dran sein. Der Spieler muss das Gefühl bekommen, dass er ein wichtiger Teil ist. Derzeit rangiert der Schweizer mit seiner Borussia im Tabellenmittelfeld.
| Top-Torjäger | Top-Vorlagengeber |
| Alassane Plea, 7 Treffer | Franck Honorat, 8 Vorlagen |
| Jordan, 4 Treffer | Alassane Plea, 3 Vorlagen |
| Rocco Reitz, 4 Treffer | Jordan, 3 Vorlagen |
| Tomas Cvancara, 4 Treffer | Luca Netz, 3 Vorlagen |
| Florian Neuhaus, 3 Treffer | Rocco Reitz, 2 Vorlagen |
Gladbachs Prunkstück ist die Chancenverwertung und die offensive Variabilität. Trotz einer eher durchwachsenen Saison gehören die Fohlen in diesen Bereichen zur Ligaspitze. Mit 36 Treffern stellt das Team von Trainer Seoane eine stabile Offensive. Die Verantwortung in Sachen Torgefahr wird dabei auf verschiedene Schultern verteilt. Gleich 14 unterschiedliche Torschützen kann die Borussia aus Mönchengladbach vorweisen – nur der FC Bayern München (15) ist noch variabler. Zudem trafen neun Spieler aus dem Kader dabei mindestens doppelt. Dies gelingt nur dem FC Bayern besser, der zehn Spieler mit mindestens zwei Treffern im Team hat. Den zweiten Platz teilt sich die Borussia in dieser Statistik mit Leverkusen und Leipzig.
Trotz dieser Ausgeglichenheit und Flexibilität sticht ein Akteur besonders heraus: Alassane Plea. Obwohl der Franzose zuletzt an einer Mittelfußprellung laborierte, verzeichnet der Mittelstürmer sieben Tore und fünf Assists. Neben der offensiven Variabilität glänzt die Borussia auch bei der Chancenverwertung. Von ihren 272 Torschüssen fanden 36 ihr Ziel in die gegnerischen Maschen. Das entspricht einer Quote von 13,2 Prozent und ist Ligahöchstwert. Mit fast einem Prozentpunkt Abstand (12,3 Prozent) folgt dann Bayer Leverkusen auf dem zweiten Platz. Die Lilien müssen sich dementsprechend auf einen effektiven und offensiv schwer ausrechenbaren Gegner einstellen.
Erst im September des vergangenen Jahres hatte Rocco Reitz seinen 2024 endenden Vertrag um zwei Jahre verlängert. Nun traf er sich Anfang Februar schon wieder mit Roland Virkus, dem Geschäftsführer Sport von Borussia Mönchengladbach, um ein neues Arbeitspapier aufzusetzen. Der derzeitige Kontrakt bindet den 21-Jährigen nun bis 2028 an die Fohlen. „Rocco Reitz steht sinnbildlich für den Borussia-Weg, über den wir in den vergangenen Monaten viel gesprochen haben. Es erfüllt uns mit Freude und Stolz gleichermaßen, diesen Worten auch Taten wie diese Vertragsverlängerung folgen lassen zu können“, äußerte sich Virkus erfreut über die Verlängerung. Weiterhin findet Virkus lobende Worte für das Eigengewächs: „Die Entwicklung von Rocco, speziell in den vergangenen Monaten, ist sensationell und vorbildhaft.“
Dabei hätten ihm zwischenzeitlich nicht wenige solch einen Aufstieg gar nicht zugetraut. Christoph Kramer war einer von diesen. Er trainierte mit Reitz, als dieser aus der Jugend zu den Profis kam, sah ihn mitunter täglich auf dem Trainingsplatz. „Da gab es auch mal Zeiten, wo man gedacht hat: Wenn du Glück hast, kommst du noch in die 3. Liga“, verriet Kramer im Podcast „Copa TS“ über seine Zweifel gegenüber dem Top-Talent. Doch Reitz biss sich durch, strafte Kramer und Co. Lügen.
Der Mann mit der Rückennummer 27 kann dank Fleiß und Durchhaltevermögen auf eine beeindruckende Entwicklung in den letzten Monaten zurückblicken. Nach einer zweijährigen Leihe war Reitz im Sommer vom belgischen Erstligisten VV St. Truiden nach Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt und hatte sich auf Anhieb zur Stammkraft etabliert. In 16 von 20 Partien in dieser Saison stand Reitz in der Startelf. „Er hat von Anfang an gezeigt, welche Stärken er hat und sich auch in Testspielen präsentiert. Er hat gut die Vorgaben umgesetzt“, äußerte sich Coach Gerardo Seoane auf einer Pressekonferenz Anfang Februar positiv über den Trainingsstart seines Mittelfeldjuwels und sieht noch Reserven, was das Potenzial angeht: „Das Wichtigste ist, dass der Spieler an sich glaubt. Die Entwicklung ist noch nicht beendet.“
Der gebürtige Duisburger kam bereits als Siebenjähriger zur Borussia und durchlief dann alle Jugendmannschaften. Gladbach sieht er als „sein zweites Zuhause“ und kann sich noch erinnern, wie er 2019 als Fan in der Kurve den Sieg gegen Bayern München (2:1) bejubelt hat. Reitz kämpfte sich hoch bis in die erste Mannschaft: „Ich habe mir jeden Tag vorgestellt, das zu schaffen und dran zu glauben und das hat mich motiviert.“ Auch in der U-21-Nationalmannschaft kam Reitz zuletzt zum Zug und markierte bei seinem Debüt gegen Estland Mitte November des vergangenen Jahres direkt einen Doppelpack. Als Stammkraft in der Liga verzeichnete der umtriebige Mittelfeldmotor in dieser Saison zudem vier Tore und zwei Assists. Eine Zukunft bei den Schwarz-Weiß-Grünen kann er sich sogar über 2028 hinaus vorstellen: „Bis 2028 ist für mich perfekt. Gerne auch irgendwann länger.“