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13.05.2024 / Profis

Borussia Dortmund im Gegnercheck

Fast 30 Punkte Rückstand auf den Deutschen Meister Bayer Leverkusen, damit nur Platz fünf in der Bundesliga. Dazu das Aus gegen den VfB Stuttgart im Achtelfinale des DFB-Pokals: Wenn man auf die Bilanz Borussia Dortmunds in den nationalen Wettbewerben in dieser Saison schaut, kommt wenig Euphorie auf. Auf der anderen Seite steht der BVB in zweieinhalb Wochen im Londoner Wembley-Stadion im Champions-League-Finale gegen Real Madrid. Es ist eine Saison, in der Dortmund zwei völlig unterschiedliche Gesichter zeigt. Die letzten Wochen waren das beste Beispiel dafür: In über 180 Minuten kassierte die Borussia kein Gegentor gegen das Starensemble von Paris St. Germain, gegen Mainz 05 waren es am vergangenen Wochenende nach 23. Minuten schon drei Gegentreffer. Vor der letzten Bundesliga-Partie der Saison nehmen wir Borussia Dortmund einmal genauer unter die Lupe.

Foto: DFL/Getty Images/Lukas Schulze

Es hätte fast eine Zeitreise werden können, wenn am 1. Juni Borussia Dortmund im Wembley-Stadion zum Champions-League-Finale antritt: 2013 traf der BVB, damals trainiert von Jürgen Klopp, am gleichen Ort auf den FC Bayern München für das Endspiel der Königsklasse. Elf Jahre später scheiterten die Bayern im Halbfinale an Real Madrid, die Schwarz-Gelben treffen nun also auf die Königlichen. 

Rückblick. Den Ausgang des Finals wünschen sich die Dortmunder diesmal anders. Arjen Robben schoss den FCB damals in der 89. Minute zum Champions-League-Titel. Doch eines soll sich gerne wiederholen mit Blick durch die schwarz-gelbe Brille und das ist der Sieg gegen Real Madrid. Bereits in der Vorrunde traf der BVB in der CL-Saison 2012/13 auf die Königlichen, zuhause setze sich Klopps Mannschaft mit 2:1 durch, im Estadio Bernabeu gab es ein beachtliches 2:2-Unentschieden. 

Damit aber noch nicht genug. Im Halbfinale galt es erneut, Real zu schlagen, die Stärke der Madrilenen in K.o.-Spielen war zudem hinlänglich bekannt. Erneut gelang dem Ballspielverein vor allem zuhause ein absoluter Ausnahmetag: Robert Lewandowski, der anschließend zu den Bayern wechseln sollte, traf gleich viermal und sorgte so quasi im Alleingang für den 4:1-Hinspielsieg. Im Rückspiel sah es für Dortmund über 80 Minuten komfortabel aus, musste Madrid doch gleich drei Tore schießen. Nachdem Karim Benzema (83. Minute) und Sergio Ramos (88. Minute) aber dann doch noch trafen, wurde es eine richtige Zitterpartie für die Borussia. Schlussendlich reichte die vier Lewandowski Tore aus dem Hinspiel aber und der BVB zog in sein erstes Königsklassen-Finale seit 1997 ein.

Gegenwart. Elf Jahre später soll der Henkelpott nun also in den Ruhrpott geholt werden, Marco Reus möchte schließlich sein letztes Spiel im schwarz-gelben Trikot veredeln. Der Champions League-Sieg wäre zudem sicherlich ein ausreichendes Trostpflaster für die verpasste Meisterschaft im vergangenen Jahr, als die Dortmunder durch ein 2:2-Unentschieden gegen Mainz am letzten Spieltag noch die Meisterschaft aus der Hand gaben.

Der Trainer

„Ob die Verhältnisse immer stimmen bei der Kritik? Das weiß ich nicht. Aber es ist ein Teil meines Jobs, und es gibt ohnehin keinen Druck von außen, der so groß sein kann wie der, den ich mir selbst mache. Weil ich jeden Tag besser werden und bessere Lösungen finden will. Solange die Freude an der Reise zum Erfolg größer ist als der Druck, den ich verspüre, mache ich das gerne. Und ich kann versichern: Ich habe richtig Bock darauf“, sagte Edin Terzic im Interview mit dem Kicker. Der gebürtige Sauerländer kennt die Wucht seines Vereins, weiß wie schnell die Stimmung in Dortmund schwanken kann. 

Terzic wurde 2010 Co-Trainer der U17 des BVB, vorher arbeitete er bereits als Scout für den Verein. Der nächste große Schritt sollte 2013 folgen, ab da arbeitete er in der türkischen Süper Lig bei Beşiktaş Istanbul und war Co-Trainer von Slaven Bilić. Diesem folgte Terzic auch zwei Jahre später zu West Ham United nach England, 2017 folgte dann die Entlassung. Terzic selbst bezeichnet diese Entlassung als ganz wichtiges Ereignis in seiner Karriere. „Ich habe gezielt angefangen, mir zu überlegen, welcher Trainer ich eigentlich sein und wofür ich stehen möchte. Das war am 6. November 2017, der Tag als ich bei West Ham aufgehört habe. Es war der bis dahin schlimmste Tag meines beruflichen Lebens, aber zugleich auch der Beginn von etwas Neuem“, so der 41-Jährige gegenüber dem Kicker. 

Im Sommer 2018 kehrte Terzic dann zurück zum BVB, zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht als Cheftrainer, sondern erneut als Assistent. Nach weiteren zwei Jahren als Co-Trainer wurde der gebürtige Sauerländer im Dezember 2020 erstmals Chefcoach und das ausgerechnet bei „seinem“ BVB. Das Umfeld feierte Terzic teils frenetisch, er wurde als einer von ihnen angesehen. Im Mai 2021 durfte Dortmund dann auch noch den DFB-Pokalsieg feiern, es war der erste Titel der Dortmunder seit 2017. Wer aber an eine zweite „Jürgen Klopp Ära“ dachte, sah sich getäuscht. Trotz des Titels stand bereits fest, das zur neuen Saison Marco Rose das Traineramt übernehmen würde.

Die Abstinenz Terzics auf dem Cheftrainer-Sessel hielt aber nur eine Saison, seit Sommer 2022 ist der Fußball-Lehrer wieder Chef bei den Schwarz-Gelben und musste im Mai 2023 den nächsten „schlimmsten Tag“ seiner Karriere hinnehmen. „Ich hab direkt nach der vergangenen Saison gesagt, dass ich sehr gerne auf dieses Erlebnis verzichtet hätte. Aber das ist jetzt ein Teil unseres Weges, um eines Tages unser Ziel zu erreichen“, fasste Terzic die verspielte Meisterschaft am letzten Spieltag der Saison 2022/23 zusammen. 

Für diese hat es auch in dieser Saison wieder nicht gereicht, vor dem letzten Spieltag steht der fünfte Tabellenplatz bereits fest. Aber da ist ja noch der 1. Juni und die Chance, mit einem Sieg gegen Real Madrid auf den Fußballthron Europas zu steigen.

Foto: DFL/Getty Images/Leon Kügeler

Offensiv-Power

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Niclas Füllkrug, 12 Tore Julian Brandt, 12 Vorlagen
Donyell Malen, 12 Tore Niclas Füllkrug, 8 Vorlagen
Julian Brandt, 6 Tore Marco Reus, 7 Vorlagen
Marco Reus, 5 Tore Jamie Bynoe-Gittens, 6 Vorlagen
Youssoufa Moukoko, 5 Tore Marcel Sabitzer, 3 Vorlagen

Prunkstück

Die Borussia aus Dortmund spielt noch immer sehr gerne mit dem Ball in den eigenen Reihen, in der Ballbesitz-Statistik steht der BVB auf Platz vier mit 56 Prozent. Auch hinsichtlich der Passquote stehen die Schwarz-Gelben gut da, ebenfalls Platz vier im ligaweiten Vergleich. Dabei nicht vergessen werden, darf die Umschaltqualität von Spielern wie Julian Brandt, Marco Reus oder Donyell Malen. Immer wieder schaffen es die Dortmunder, nach Ballgewinnen blitzschnell ins Umschaltspiel zu kommen.

In der Champions League haben sie zudem eine weitere Qualität gezeigt, die ihnen in den letzten Jahren hin und wieder vermeintlich abgesprochen wurde: die Mentalität. Im Halbfinale der Champions League lief der BVB in beiden Spielen zusammengerechnet 19 Kilometer mehr als PSG, gegen die absoluten Mentalitätsmonster von Atletico Madrid lief Dortmund über 180 Minuten die selbe Distanz.

All Eyes on ...

Verletzungen spielen im Fußball und im Sport allgemein eine riesige Rolle. Viele großartige Fußballer wurden in ihrer Karriere von Verletzungen und Blessuren ausgebremst. Zu genau diesen Spielern gehört auch Marco Reus, der am Samstag sein letztes Spiel im Dortmunder Signal-Iduna-Park bestreiten wird. Sein Körper spielte dem 34-Jährigen immer wieder einen Streich in seiner Karriere, er verpasste allein auf Vereinsebene knapp 150 Spiele verletzungsbedingt. 

Mit Marco Reus verliert Borussia Dortmund eine absolute Identifikationsfigur, einen Leader und vor allem einen begnadeten Fußballer. In 390 Bundesliga-Spielen traf der Offensiv-Spieler 155-mal, bereitete 117 weitere Treffer vor. In der ewigen Bundesliga-Scorerliste liegt der gebürtige Dortmunder auf Rang sieben, nur ein Punkt hinter Claudio Pizarro. 

Und das alles nachdem er in der U17 der Dortmunder bereits aussortiert wurde, sein damaliger Trainer Peter Wazinski hielt ihn körperlich für zu schwach, Reus sei nicht robust genug. Es folgte der Wechsel nach Ahlen, mit Rot-Weiss stieg der Rechtsfuß 2008 in die 2. Bundesliga auf. Nur ein Jahr später folgte für ihn persönlich der Schritt in die Bundesliga: Reus wechselte zur Borussia, aber nicht zurück nach Dortmund, sondern nach Mönchengladbach. 

Reus überzeugte von Anfang an am Niederrhein, in der Saison 2011/12 kam er auf 30 Scorerpunkte. Es sollte seine letzte Gladbacher Saison sein, im anschließenden Sommer ging es zurück nach Dortmund – genau dorthin, wo er bereits mit sechs Jahren spielte. Es folgten zwei weitere Saisons mit ganz starken Zahlen, in seinen ersten fünf Bundesliga-Jahren spielte er auch immer mindestens 30 Spiele. 

Doch dann sollte die Verletzungsmisere beginnen, Reus fiel für die Weltmeisterschaft 2014 durch einen Teilriss des linken vorderen Syndesmosebandes und einen knöchernen Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite aus. Aufgrund einer Schambeinentzündung verpasste Reus auch die EM 2016. 

Doch trotz vieler Ausfälle wurde der Offensivspieler 2018 beim BVB zum Kapitän ernannt, Reus hatte dieses Amt bis 2023 inne. In Dortmund hat er seinen Legendenstatus bereits sicher, vor allem die Pokalsiege 2017 und 2021 werden nie vergessen werden. Und doch wird es auch nach kommendem Samstag ein großes Ziel für Marco Reus geben: Am 1. Juni den Henkelpott nach Dortmund holen und mit dem Sieg in der Königsklasse sich endgültig unsterblich bei den Borussen machen.

Foto: DFL/Getty Images/Simon Hofmann

Dortmunder Trophäenschrank

  • Champions-League-Sieger: 1996/97
  • Weltpokalsieger: 1997/98
  • Europapokal der Pokalsieger, Sieger: 1965/66
  • Deutscher Meister: 2011/12, 2010/11, 2001/02, 1995/96, 1994/95, 1962/63, 1956/57, 1955/56
  • Deutscher Pokalsieger: 2020/21, 2016/17, 2011/12, 1988/89, 1964/65
  • Deutscher Superpokalsieger: 2019/20, 2014/15, 2013/14, 1996/97, 1995/96, 1989/90
  • Westdeutscher Pokalsieger: 1964/65, 1962/63

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