Foto: SV 98 01.12.2024 / Profis
Das Münster-Remis in der Analyse
Samstagabend. 20.30 Uhr. Ein Flutlichtspiel im Merck-Stadion am Böllenfalltor und diese besondere Atmosphäre, wenn die vier großen Masten das Spielfeld an der Nieder-Ramstädter-Straße erleuchten. Eigentlich war doch alles angerichtet für den nächsten Heimdreier. Doch gegen einen überragend verteidigenden Aufsteiger aus Münster schossen die Lilien keinen Treffer, ließen aber auch erstmals in dieser Saison kein Gegentor zu. Kein Heimdreier, aber das achte ungeschlagene Pflichtspiel in Folge. Wir beleuchten das 0:0 zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem SC Preußen Münster in unserer Analyse zum Spiel.
Szene des Spiels:
Der fliegende Schuhen. Viel zu tun hatte Marcel Schuhen im Kühlschrank Merck-Stadion nicht. Bei Temperaturen um die null Grad Celcius musste der Torhüter der Lilien vielmehr über 90 Minuten den Fokus behalten. Ja, nicht einfrieren. Bloß nicht müde werden. „Gerade in so einem Spiel, wo du maximal nur ein bis zwei Bälle pro Halbzeit aufs Tor bekommst, musst du immer hellwach sein“, erklärte Schuhen nach Abpfiff in der Mixed-Zone. Und das war er. Als sich Preußen Münster kurz vor Ende der Partie aus der Dominanz des SV 98 in der 86. Minute für einen Moment befreien konnte und Charalambos Makridis mit einem scharfen Abschluss aus der Distanz den Schlussmann der Darmstädter prüfte, war er hellwach. Die Konzentration hochhalten, niemals abschalten. Schuhen tat es, seine Vorderleute ebenfalls. Zu Null gespielt. Der verdiente Lohn dafür.
Der vorbeifliegende Riedel-Kopfball. Sergio Lopez hebt seinen Arm in die Luft, senkt ihn dann wieder und läuft an. Mit einem gut getretenen Freistoß sucht er Clemens Riedel im Sechzehner. Der Kapitän der Lilien steigt hoch, drückt das Spielgerät nahezu perfekt in Richtung des gegnerischen Kastens. Doch der Riedel-Kopfball in der 71. Minuten fliegt eben nicht ins Tor, sondern nur wenige Zentimeter am Gehäuse vorbei. Eine Szene, die sinnbildlich für das 0:0 des SV 98 gegen den Aufsteiger aus dem Westen der Republik stehen konnte. Es fehlte nicht viel, es fehlten Nuancen. Das letzte Quäntchen an Präzision, das letzte Quäntchen Glück.
Das lief gut:
Die Spielkontrolle. 15 Abschlüsse auf den Kasten des Gegners. Eine Quote von 89 Prozent angekommener Pässe. Dazu ein Ballbesitzanteil von 69 Prozent. 6:1 Ecken. 31:7 Flanken. Statistiken, die die Dominanz des SV Darmstadt 98 am Samstagabend untermauerten. Die Lilien ließen den sehr tiefstehenden Gegner aus Münster nie richtig ins Spiel kommen, ließen die Kugel dagegen sicher durch die eigenen Reihen zirkulieren. „Wir hatten über fast 90 Minuten eine hohe Kontrolle“, lobte Kohfeldt, monierte aber gleichzeitig: „Wir haben den Mix aus Kontrolle und Risiko heute nicht gefunden und uns gemessen an unserer Spielkontrolle zu wenig klare Chancen erspielt“ Doch ist genau das in einem Fußballspiel, in welchem der Gegner extrem gut und kompakt verteidigt, auch mit die schwerstmögliche Aufgabe. Eine Thematik, an der die Lilien weiter arbeiten müssen.
Der Fokus in der Defensive. Und kein Gegentor. Etwas, worauf der SV Darmstadt 98 in dieser Zweitliga-Saison lange drauf warten musste. „Viel zu lange“, wie Marcel Schuhen betonte. Am 14. Spieltag kassierten die Lilien erstmals kein Gegentor. „Endlich“, sagte daher auch Clemens Riedel an den Mikrofonen. Während Preußen Münster nahezu ausschließlich auf Darmstädter Fehler lauerte, ließen die Gastgeber genau diese eben kaum zu. Die Lilien verteidigten konzentriert und konsequent – und wenn doch mal ein Ball durchkam, konnten sich die Südhessen auf ihren Torhüter verlassen. „Mit dem Defensivverhalten bin ich sehr zufrieden“, betonte Kohfeldt. Bei annährend 70 Prozent Ballbesitz bedurfte es großem Fokus und einer guten Restverteidigung, um Kontersituationen der Gäste zu vermeiden. Das gelang den Lilien. Riedel: „Wichtig war, dass wir trotz der Dominanz eine gute Absicherung haben, das ist größtenteils gelungen.“
Das lief nicht gut:
Die Durchschlagskraft in der Offensive. Ganze 2,9 Tore erzielten die Lilien vor dem 14. Spieltag im Schnitt pro Spiel unter Florian Kohfeldt. Ein eindrucksvoller Wert, der beste sogar in der gesamten Liga in dieser Phase. Doch gegen Preußen Münster konnten die Blau-Weißen diese bemerkenswerte Trefferquote und Effizienz in der Offensive nicht halten. So gelang den Lilien erstmals seit dem vierten Spieltag kein eigenes Tor. Und das, obwohl der SV 98 doch über 90 Minuten das Spiel bestimmte. „Wir konnten diese Spielkontrolle aber nicht in zwingende Torchancen ummünzen“, monierte Kohfeldt auf der Pressekonferenz nach der Partie. Klar, die Lilien hatten Möglichkeiten. Allerdings ließen diese die nötige Klarheit vermissen. „Uns fehlte dieser letzte Schuss an Souveränität in der Offensive“, befand der Cheftrainer des SV 98. Was er damit meinte? Die Präzision im letzten Drittel, aber auch die Schnelligkeit und Sauberkeit im Passspiel vor den entscheidenden Momenten. All das sei nicht in dem Maße dagewesen, um das Spiel zu gewinnen.
Zitat des Tages
Es geht darum, so ein Spiel dann nicht zu verlieren. Den Punkt nehmen wir mit.