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02.04.2024 / Profis

Der 1. FSV Mainz 05 im Gegnercheck

Co-Trainer in der kolumbianischen Liga. So lautet die Berufsbezeichnung von Elkin Soto. Der ehemalige Mittelfeldspieler war einst insgesamt neuneinhalb Jahre für den 1. FSV Mainz 05 aktiv. Die Rheinhessen, sie hat er bereits vor acht Jahren verlassen. Und doch bleibt vor allem ein Treffer, der noch länger zurückliegt, den Fans der 05er stets in bester Erinnerung. Mit seinem Tor zum 2:0 in der 89. Minute sorgte er für Freudensprünge bei den Anhängern des 1. FSV Mainz 05. Dieser besiegte am 33. Spieltag der Zweitliga-Saison 2008/09 auswärts den direkten Konkurrenten Greuther Fürth und stieß damit die Tür zum direkten Aufstieg in die Bundesliga ganz weit auf. Eine Woche später besiegelten die Soto und Co. dann mit einem klaren 4:0-Heimsieg gegen Rot-Weiß Oberhausen den Aufstieg, nach zwei Jahren Abstinenz war der FSV zurück im Fußball-Oberhaus.

Jubeltraube Mainz 05
Foto: DFL/GettyImages/Christian Kaspar-Bartke

15 Jahre später kann der 1. FSV Mainz 05 als gestandener Bundesligist gezählt werden, 2011 schnupperte man sogar kurzzeitig Europapokalluft, scheiterte aber bereits in der Qualifikation zur Europa League. Besser lief es dann fünf Jahre später: In der Saison 2016/17 spielte Mainz, damals unter Trainer Martin Schmidt, in der Gruppenphase der Europa League, schied aber als Tabellendritter aus. Es folgten Jahre in der zweiten Tabellenhälfte der Bundesliga für den FSV. Deutlich besser verliefen da die beiden letzten Saisons, unter Trainer Bo Svensson erreichte das Team Platz acht und neun mit jeweils 46 Punkten, es roch schon fast nach erneuter Qualifikation für das europäische Geschäft. 

Doch diese Saison sollte ganz anders laufen. Nach neun Spieltagen hatte der FSV erst drei Punkte auf dem Konto, der erste Sieg gelang erst am 4. November zuhause gegen Champions-League-Teilnehmer Leipzig, auf der Trainerbank saß Interimstrainer Jan Siewert. Er hatte zuvor das Traineramt von Bo Svensson übernommen. Wiederum nur eine Woche später war Mainz zu Gast am Böllenfalltor, die Partie endete mit 0:0. Mit vier Punkten aus zwei Spielen startete Siewerts Trainerzeit, doch der positive Start verpuffte und Mainz holte aus den restlichen sechs Spielen der Hinrunde nur noch vier Punkte, alle davon per Unentschieden. Den nächsten Sieg sammelten die Mainzer erst beim nächsten Trainerdebüt: Am 22. Spieltag stand Bo Henriksen das erste Mal an der Seitenlinie und sah einen 1:0-Heimsieg gegen den FC Augsburg. Richtig unter die Räder kam sein Team am 25. Spieltag, in der Allianz Arena musste Keeper Robin Zentner ganze achtmal hinter sich greifen. Die Reaktion der Mannschaft war allerdings bemerkenswert, in den letzten beiden Bundesliga-Spielen holte Mainz vier Punkte. Nach einem 2:0-Heimsieg gegen den VfL Bochum, holte Henriksens Teams durch ein 0:0 einen Punkt in Leipzig. Wir nehmen den kommenden Gegner der Lilien vor dem Auswärtsspiel am Samstag (6.4./15.30 Uhr) genauer unter die Lupe. Der 1. FSV Mainz 05 im Gegnercheck.

Der Trainer

„Ganz am Ende der Karriere möchte ich jedenfalls dänischer Nationaltrainer werden. Man muss groß denken, groß träumen“, sagte Bo Henriksen im Interview mit dem „Kicker“ im November 2023. Damals war der 49-Jährige noch Trainer des Schweizer Erstligisten FC Zürich, seit Mitte Februar diesen Jahres ist er Übungsleiter des 1. FSV Mainz. Von „groß denken“ und „groß träumen“ spricht der Däne, nun geht es in Mainz für ihn aber erst einmal einzig und allein um den Klassenerhalt. Das er das kann, zeigte er zuvor in Zürich: Nach einem verkorksten Saisonstart übernahm Henriksen den FCZ im Herbst 2022 auf dem letzten Tabellenplatz, sicherte am Ende den Klassenerhalt aber mit 13 Punkten Vorsprung auf den FC Sion. Damals sei nach seinen Angaben am wichtigsten gewesen, ein Konzept schnell zu entwickeln. Dabei habe er vor allem auf Führungsspieler gebaut, die eher finden musste. „Wenn man will, dass Spieler für dich kämpfen, damit du sie besser machen kannst, musst du ihnen vertrauen und ihnen das auch vermitteln. Das klingt einfach, ist aber auch schwierig. Weil man da viel Power und Energie reinstecken muss. Erzählen kann man immer viel“, so Henriksen über sein persönliches Erfolgsrezept.

Dass der 49-Jährige aber nicht der klassische Feuerwehrmann für abstiegsbedrohte Vereine ist, zeigte er in seiner Station davor. Im Sommer 2021 wurde Henriksen Cheftrainer beim FC Midtjylland und mit den Dänen dann Vizemeister sowie Pokalsieger. Doch trotz des erfolgreichen Jahres blieb er nur eine Saison beim dänischen Erstligisten, im Juli 2022 wurde er freigestellt. Von 2014 bis 2020 arbeitete der ehemalige Stürmer als Cheftrainer beim AC Horsens, die er 2016 zurück in die Superliga führte – die höchste dänische Liga. Zuvor war er seit 2007 Trainer bei Brønshøj BK, für die er bis 2011 auch noch spielte. Mit Brønshøj gelang ihm 2010 der Aufstieg in die zweite dänische Liga, die er bis zum Ende seines Engagements 2014 halten konnte.

Als Spieler konnte Bo Henriksen durchaus als Wandervogel beschrieben werden. Nach einigen Stationen in Dänemark spielte er ab 2001 in England für Kidderminster Harriers und die Bristol Rovers. Die meisten Wechsel hatte der Däne 2005, in diesem Kalenderjahr spielte er für Køge BK (Dänemark), Valur Reykjavík (Island), Fram Reykjavík (Island) und Victory SC (Malediven). Die letzte Karrierestation war der bereits erwähnte Verein Brønshøj BK in Dänemark, bei dem er vier Jahre als Spielertrainer und anschließend drei weitere Jahre als Cheftrainer aktiv war.

Mainz. Mit acht Punkten aus sechs Spielen ist der 49-Jährige zumindest ordentlich beim FSV gestartet, doch auf Platz 15 haben die Rheinhessen weiterhin sechs Punkte Rückstand.

Bo Henriksen Trainer Mainz 05
Foto: DFL/GettyImages/Christian Kaspar-Bartke

Offensiv-Power

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Jonathan Burkardt, 4 Treffer Jae-sung Lee, 3 Vorlagen
Ludovic Ajorque, 3 Treffer Karim Onisiwo, 3 Vorlagen
Sepp van den Berg, 2 Treffer Brajan Gruda, 2 Vorlagen
Leandro Barreiro, 2 Treffer Edimilson Fernandes, 2 Vorlagen
Anthony Caci, 2 Treffer Philipp Mwene, 2 Vorlagen

Prunkstück

Den Begriff „Abstiegskampf“ hat die Mannschaft der Mainzer definitiv verinnerlicht. Mit 361 eigenen Foulspielen haben die 05er den Höchstwert der Liga, durchschnittlich sind das 13,37 Fouls pro Spiel. Zum Vergleich: Die zweit meisten Foulspiele hat der FC Heidenheim begangen mit 341 Fouls. Auch im Bereich Karten spielt der FSV ganz oben mit, 81-mal kassierte ein Mainzer Spieler bereits eine persönliche Bestrafung, nur Bochum mit 83 Karten hat einen höheren Wert. Doch sind Fouls und Karten das Prunkstück eines Vereins? Ja. Wenn man aus genau dieser harten Gangart positiven Nutzen ziehen kann. Mit 2845 gewonnen Zweikämpfen steht Henriksens Team auf Platz zwei, genauso wie in der Kategorie gewonnene Kopfbälle (665).

Von einer richtigen Heimstärke kann man in Mainz zwar nicht sprechen, alle drei Saisonsiege konnten aber zumindest zuhause eingefahren werden, zuletzt vor der Länderspielpause am 26. Spieltag gegen den VfL Bochum mit 2:0. Bemerkenswert sind zudem die nur 16 Gegentore bei Heimspielen, immerhin der sechstbeste Wert der Liga. 

All Eyes on ...

Zumindest im Jugendbereich auch in Darmstadt bestens bekannt: Jonathan „Jonny“ Burkardt. Der 23-Jährige Stürmer ist seit 2014 Teil des FSV Mainz 05, reifte bei den Rheinhessen zum Juniorennationalspieler samt U21-EM-Titel und ist für einige die deutsche Stürmer-Hoffnung der kommenden Jahre. Übrigens ganz ohne Social Media Auftritt, Burkardt ist nicht auf den gängigen Plattformen zu finden – eher untypisch für einen 23-Jährigen.

Der 23-Jährige aber, er konzentriert sich lieber rein aufs Sportliche. Mit vier Treffern ist der gebürtige Darmstädter der erfolgreichste Torschütze seines Teams in dieser Saison und das obwohl er die ersten elf Spiele aufgrund einer Knie-OP und anschließendem Trainingsrückstand verpasste. In den vergangenen vier Partien traf der Stürmer dreimal, beim Heimerfolg gegen Bochum gleich doppelt. Auffällig ist, dass Burkardt bisher alle Tore zuhause erzielt hat.

Rückblick. Sein Bundesliga-Debüt gab er bereits im September 2018 beim Heimspiel gegen den FC Augsburg, mit seinen damaligen 18 Jahren stand er in der Startaufstellung. Hauptsächlich kam der Stürmer in der Saison 2018/19 aber noch in der A-Jugend-Bundesliga zum Einsatz, in der er in zwölf Spielen mit acht Toren und vier Vorlagen zu überzeugen wusste. In der folgenden Saison stand der Angreifer zwar meistens im Kader, kam aber nur auf acht Bundesligaeinsätze. Dies sollte sich dann 2020/21 endgültig ändern, unter den Trainern Achim Beierlorzer, Jan-Moritz Lichte, Jan Siewert und Bo Svensson kam das Stürmer-Talent auf 29 Bundesligaeinsätze, auch wenn es nur zu zwei Toren und zwei Vorlagen reichte. Doch auch diese Werte sollten sich in der Saison 2021/22 verbessern. Burkardt stand bei allen 34 Spielen auf dem Platz und glänzte mit elf Toren und drei Vorlagen. 

Zu Saisonbeginn 2022/23 verpasste der Stürmer die ersten beiden Bundesligaspiele wegen Oberschenkelproblemen, bis zur Winterpause, die bereits im November begann, gelang ihm nur ein Treffer gegen Eintracht Frankfurt. Dies sollte auch sein letztes Spiel der Saison gewesen sein, anschließend hatte er eine Knie-OP, die ihn bis in diese Saison rein beeinträchtigte. Sein Comeback feierte er gegen Hoffenheim im November – lange 378 Tage nach seinem letzten Bundesliga-Auftritt.

Am Neujahrstag diesen Jahres vermeldete der 1. FSV Mainz 05 die Vertragsverlängerung bis 2027 mit ihrem Stürmer, der in der Restsaison sein Potenzial nochmal voll entfalten möchte, um die 05er vor dem Abstieg zu retten. „Ich bin im kommenden Sommer dann zehn Jahre 05er, ich bin sehr glücklich in meinem Verein und brenne darauf meinen Beitrag zu leisten, dass wir diese Saison in der Rückrunde gemeinsam ins Positive drehen“, so Burkardt bei der Vertragsverlängerung.

Und obwohl Burkardt mittlerweile seine sechste Saison im Oberhaus absolviert, scheint der Name noch nicht überall ganz klar zu sein. „Es gibt anscheinend sonst keinen Burkardt, der mit „dt“ und ohne „h“ geschrieben wird“, sagte der Stürmer in einem Interview dazu, dass sein Name sogar auf Anzeigetafeln in Stadien schon falsch geschrieben wurde.

Jonny Burkardt Mainz 05
Foto: Eibner-Pressefoto

Mainzer Meilensteine

  • Landespokal-Südwest-Sieger: 1985/86, 1981/82, 1979/80
  • Deutscher Amateurmeister: 1981/82
  • Meister Regionalliga Südwest: 1972/73
  • Aufstieg in die 2. Bundesliga: 1988, 1990
  • Aufstieg in die Bundesliga: 2004, 2009
  • Teilnahme UEFA-Pokal: 2005/06: 1. Runde
  • Teilnahme UEFA Europa League: 2011/12, 2014/15: 3. Qualifikationsrunde
  • Teilnahme UEFA Europa League: 2016/17: Gruppenphase

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