23.11.2024 / Profis
Der Hannover-Erfolg in der Analyse
Sechs Spiele, sechs Siege. So lautete die Heimbilanz von Hannover 96 vor dem 13. Spieltag. Doch mit einem erwachsenem und stabilen Auftritt konnten die Lilien drei Punkte aus Niedersachsen entführen. Ausschlaggebend war dabei insbesondere die prompte Antwort auf den zwischenzeitlichen Ausgleich sowie das beherzte Verteidigen in der Schlussphase. Wir blicken in unserer Analyse nochmals auf den Auswärtssieg.
Szene des Spiels:
Die direkte Antwort auf den Ausgleich: „Wir haben eiskalt zurückgeschlagen. Das war sehr wichtig und letztendlich auch der Knockout für Hannover“, erklärte Philipp Förster nach Spielende mit Blick auf den Treffer zum 2:1 durch Fabian Nürnberger. Knapp vier Minuten lagen zwischen dem 1:1 der Gastgeber und dem erneuten Führungstreffer der Südhessen. Ein Tor, das durchaus auch als Symbol der aktuellen Lilien-Stärke gelesen werden kann. Rückschlage werfen das Team nicht aus der Bahn, das Wissen, zu jeder Zeit einen Treffer erzielen zu können, ist beim SV 98 fest verankert. Auch gegen einen Gegner, der weiterhin die beste Defensive der Liga stellt. Entsrpechend fiel auch das Fazit von Florian Kohfeldt aus: „Das schnelle 2:1 war sicherlich auch ein wenig Glück für uns. Insgesamt ist es aber kein unverdienter Sieg für uns. Zumal wir wussten, dass wir heute nicht viele Torchancen bekommen würden.“
Sein Gegenüber Stefan Leitl betonte die „Kleinigkeiten bei Entscheidungen“, die seine Mannschaft schlussendlich falsch getroffen habe. „Ballverlust, Abschluss – 1:2“, so die präzise Beschreibung des 96-Cheftrainers der entscheidenden Aktion. Für die Lilien bedeutete der knappe Erfolg nach zuletzt eher deutlichen Siegen auch eine weitere Erkenntnis: Es braucht nicht immer Spektakel, um drei Punkte einzufahren.
Das lief gut:
Die Defensivarbeit: „Wir wussten, dass ein hartes Spiel auf uns wartet, das wir sicherlich nicht über 90 Minuten dominieren werden“, so Siegtorschütze Fabian Nürnberger nach Abpfiff. Tatsächlich hatte sich insbesondere die erste Halbzeit in zwei unterschiedliche Phasen aufgeteilt: Die Lilien bestimmten die ersten 25 Minuten, während die Gastgeber in den 20 Minuten bis zur Pause immer mehr die Spielkontrolle übernahmen. Dennoch gelang es den Südhessen sowohl in dieser Periode als auch in der Phase nach dem 2:1, die Offensivbemühungen der Hannoveraner weitesgehend einzudämmen. „WIr haben uns nicht nur hinten reingestellt, sondern die Partie sauber zu Ende gespielt“, resümierte Nürnberger mit Blick auf die Schlussphase, während Florian Kohfeldt davon sprach, dass sein Mannschaft im Endspurt der Partie defensiv „sehr erwachsen“ agiert habe. 56 Prozent der Zweikämpfe gewannen die Lilien über die gesamte Spielzeit gesehen und behielten auch bei den zahlreichen Flankenversuchen der Niedersachsen immer wieder die Lufthoheit. Zwar lässt die erste Weiße Weste der Saison weiterhin auf sich warten, die stetigen Fortschritte in der Defensivarbeit sind aber unverkennbar.
Die Einwechselspieler: Seit Wochen betont Florian Kohfeldt die Breite seines Kaders und die Impulse, die seine Akteure nach ihren Einwechslungen dem Spiel der Lilien geben. Auch in Hannover erfüllten alle eingewechselten Spieler ihre Aufgabe mehr als zufriedenstellend. Merveille Papela knüpfte im zweiten Durchgang an seine zuletzt starken Leistungen an, Fynn Lakenmacher bereitete den Siegtreffer durch Nürnberger mustergültig vor, Marco Thiede und Matej Maglica trugen ihren Teil zur stabilen Defensive bei und Tobias Kempe half in den Schlussminuten mit seiner Routine, den Sieg über die Zeit zu bringen.
Das lief nicht gut:
Das 1:1: Trotz der stabilen Defensivleistung kassierten die Lilien auch in Hannover einen Gegentreffer. „Das darf so natürlich nicht passieren“, monierte Kohfeldt angesichts des Tores von Hyun-Ju Lee, der nach einer 96-Ecke per Abstauber den Ausgleich markierte. Zuvor hatte Marcel Schuhen bei einem Kopfball noch stark reagiert, beim Versuch des Südkoreaners war der Keeper dann aber machtlos. Dank der prompten Antwort durch Nürnberger war dieser Gegentreffer zwar zu verschmerzen, dennoch sorgte der kurze Moment der Unachtsamkeit dafür, dass sich die Lilien ihre mühsam erkämpfte 1:0-Führung nur wenige Minuten nach Försters Traumtor wieder nehmen ließen. Schon gegen Karlsruhe, Ulm und Dresden hatten die Südhessen nach eigenen Führungen nahezu postwendend den Ausgleichstreffer kassiert. Sicherlich wird es zukünftig auch darum gehen, den vollen Fokus auch in der direkten Phase nach eigenen Glücksmomenten hochzuhalten.
Zitat des Tages
"Es war das erwartete Spiel. Aber wir haben es sehr gut gemacht."