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30.04.2024 / Profis

Der VfL Wolfsburg im Gegnercheck

Was muss passieren, damit eine der größten spanischen Tageszeitungen folgenden Satz abdruckt? „Wolfsburg im Stile Real Madrids!“ So titelte es das Blatt „El Mundo“ während der Saison 2014/15. Da hatte der VfL gerade spektakulär den FC Bayern München mit 4:1 besiegt. „Plötzlich tauchte Wolfsburg auf und brachte Bayerns Film durcheinander“, schrieben die spanischen Reporter weiter in ihrem Text. Da waren die Niedersachsen gerade Bayern-Jäger Nummer eins - auf bestem Wege, vielleicht sogar auf Sicht ärgster Konkurrent des FCB zu werden?

Foto: DFL/Getty Images/Oliver Hardt

Rückblick. Bayern-Jäger. Vizemeister. Und dann auch noch Sieger im DFB-Pokal. Das war die Wolfsburger Realität in der Saison 2014/15. Ein damals 23-Jähriger Kevin De Bruyne ließ die Bundesliga staunen – ganze 31 Scorerpunkte gelangen dem Belgier, davon 21 Assists. Sein Hauptabnehmer damals: Stürmer Bas Dost mit 16 Treffern. Beide erzielten übrigens beim 4:1 gegen Bayern München je einen Doppelpack. Neben Vizemeisterschaft und Pokaltriumph bissen sich die Wölfe auch bis in die K.o.-Runde der Europa League durch, waren dort im Viertelfinale aber dem SSC Neapel unterlegen. Dennoch: Alles schien bereit, für eine glorreiche Zukunft des Volkswagen-Klubs aus der Autostadt.

Es sollte anders kommen. In der folgenden Saison gab es nur einen achten Tabellenplatz, die internationalen Ränge wurden damit verpasst. 2017 und 2018 musste Wolfsburg dann sogar in die Relegation gehen, sprang dem Abstieg in die 2. Bundesliga aber gerade noch so von der Klippe: Zuerst verhinderten die Grün-Weißen im Niedersachsen-Duell mit Eintracht Braunschweig den Gang in die Zweitklassigkeit, 2018 konnte das Worst-Case-Szenario dann gegen Holstein Kiel abgewendet werden. Anschließend stabilisierten sich die Wölfe wieder, alle drei folgenden Spielzeiten konnten auf internationalen Rängen abgeschlossen werden, in der Saison 2021/22 spielte das Team aus der Autostadt sogar wieder in der Champions League. Seitdem läuft es allerdings in der Liga wieder unrund, vergangenes Jahr verpasste Wolfsburg seine Ziele mit einem 12. Platz dann doch deutlich.

Auch in dieser Saison läuft es ganz anders, als es sich die Verantwortlichen vorgestellt hatten. Im März trennte sich der VfL von Trainer Nico Kovac. Auf ihn folgte Ralph Hasenhüttl, der Österreicher konnte zuletzt zwei Siege mit seiner Mannschaft feiern und damit die Abstiegssorgen zumindest verringern. Gerettet ist Wolfsburg drei Spieltage vor Ende der Saison aber noch nicht. Stattdessen geht es für den VfL drei Spieltage vor Ende der Saison 2023/24 noch um alles, die Niedersachsen stehen zwar aktuell auf Platz 12, müssen definitiv aber noch in den Rückspiegel schauen. Ein Spiel für die Wolfsburger am kommenden Samstag (4.5./15.30 Uhr) also, dass für sie noch von enormer Bedeutung ist. Für die Lilien geht es derweil darum, sich erhobenen Hauptes aus der Bundesliga zu verabschieden, daher soll noch der ein oder andere Punkt in den restlichen Spielen eingefahren werden. Vor der Partie, in der sich die Gastgeber endgültig retten könnten, nehmen wir den VfL Wolfsburg einmal genauer unter die Lupe.

Der Trainer

„Dieses Gefühl des Siegens ist schon etwas, wonach man süchtig werden kann. Und das ist auch der Grund, warum man nie so ganz vom Fußball lassen kann. Das kann man schwer mit irgendetwas anderem vergleichen“, sagte Ralph Hasenhüttl im Interview mit Sky, nach seinem ersten Sieg als neuer Cheftrainer des VfL Wolfsburg. Eine gut eineinhalbjährige Pause legte der 56-Jährige zuvor als Übungsleiter ein, nachdem er im November 2022 in Southampton entlassen worden. Nach seiner Zeit in England überlegte der Österreicher, sogar ganz mit der Trainerkarriere aufzuhören, er hätte „keine Spiele mehr sehen können.“ Eine Art Übersättigung hatte bei ihm stattgefunden, doch nun ist er zurück auf der Bundesliga-Trainerbank.

Doch bei einer genaueren Betrachtung des Trainerstabs des VfL Wolfsburg stolpert der wachsame Leser zweimal auf den Namen Hasenhüttl. Ralph hat seinen Sohn Patrick als Co-Trainer mit nach Niedersachsen gebracht. „Wir haben immer davon gesprochen, dass es schön wäre, irgendwann mal zusammenzuarbeiten. Er war immer der kritischste Beobachter unserer Spiele. Es war mir generell wichtig, dass ich Leute um mich herumhabe, die meinen Weg kennen und wissen, wie ich ticke. Das ist das, was mich eigentlich am meisten interessiert hat“, so Vater Ralph.

Beim VfL geht es für die Familie Hasenhüttl jetzt erst einmal um den Klassenerhalt, der bereits am kommenden Wochenende auch rechnerisch feststehen könnte. Dass Ralph Hasenhüttl aber sportlich lieber weiter nach oben schauen würde, ist kein Geheimnis – allein ein Blick auf seine Vita reicht dazu: Als Spieler gewann der frühere Stürmer vier österreichische Meisterschaften, dreimal den Pokal des Nachbarlandes und stieg mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga auf. Auch in seiner Trainerlaufbahn kann er einige Erfolge aufweisen, angefangen hat Hasenhüttels Karriere an der Seitenlinie in Unterhaching. Mit dem VfR Aalen schaffte er dann 2012 den Aufstieg in die 2. Bundesliga, mit dem FC Ingolstadt stieg er drei Jahre später sogar in die Bundesliga auf.

Es sind kontinuierliche Schritte in seiner Karriere gewesen, die Hasenhüttl gemacht hat. Nach seiner Station in Ingolstadt ging der Österreicher nach Leipzig und führte die Sachsen das erste Mal in der Vereinsgeschichte in die Champions League. Im Frühjahr 2018 beendete er dann seine Zeit in Leipzig auf eigenen Wunsch, rund ein halbes Jahr später übernahm er dann den FC Southampton.

Jetzt ist der 56-Jährige also in Niedersachsen beim VfL Wolfsburg, die Akkus seien wieder aufgeladen, er habe richtig Lust auf die Aufgabe. Zudem nahm sich der ehemalige Stürmer einem Rat von Jürgen Klopp an: „(Er) hat mal zu mir gesagt: Als Trainer vermisse ich Dinge, für die ich einfach keine Zeit habe. Und wenn er nicht mehr Trainer ist, wird er diese Aufgabe vermissen. Beides zusammen geht nicht. Man sollte immer versuchen, sich in dem Moment wohlzufühlen, in dem man sich gerade befindet.“

Foto: Eibner-Pressefoto/Bahho Kara

Offensiv-Power

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Jonas Wind, 11 Tore Jonas Wind, 8 Vorlagen
Lovro Majer, 5 Tore Lovro Majer, 4 Vorlagen
Vaclav Cerny, 4 Tore Mattias Svanberg, 4 Vorlagen
Maxence Lacroix, 4 Tore Joakim Maehle, 4 Vorlagen
Yannick Gerhardt, 3 Tore Tiago Tomas, 4 Vorlagen

Prunkstück

Die große Stärke des VfL Wolfsburg bleibt die Laufbereitschaft und Intensität – also alles so, wie es auch schon in der Hinrunde der Fall war. Mit 24.561 intensiven Läufen stehen die Niedersachsen auf Platz eins in der ligaweiten Statistik, Eintracht Frankfurt auf Platz zwei hat etwa 900 Läufe weniger. Bei den Sprints wird der VfL nur vom Aufsteiger aus Heidenheim getoppt, die Wölfe konnten bereits 7657 Sprints verbuchen. 

Ganz überraschend sind diese starken Zahlen übrigens nicht, bereits in der vergangenen Saison waren die Statistiken der Wolfsburger in diesen Bereichen auf absolutem Top-Wert. Es wird spannend zu sehen sein, ob auch unter Ralph Hasenhüttl, der erst seit März im Amt ist, sich der VfL diese Stärke beibehalten kann.

All Eyes on ...

Etwa 55 Meter waren es bis zum Darmstädter Tor, Torhüter Marcel Schuhen stand relativ weit vor seinem Kasten, daher nahm sich Jonas Wind ein Herz und hielt einfach mal drauf. Der Ball landete gut einen halben Meter neben dem Lilien-Gehäuse – Glück gehabt aus Sicht des SVD. Wind hätte sich damit in der Hinrundenpartie gegen den Sportverein in die Liste der weitesten Tore der Bundeliga eintragen können. Dafür reichte es an diesem kalten Dezembertag zwar nicht, die Vorlage zum 0:1-Auswärtssieg für die Wölfe erzielte Wind dann aber doch noch.

Der 25-Jährige hat sich in seinen ersten zwei Jahren in der Bundesliga einen Namen gemacht, seitdem der Däne im Januar 2022 vom FC Kopenhagen nach Niedersachsen kam. Beim dänischen Hauptstadtclub spielte der Angreifer seit der U13, wuchs hier zu einem europäischen Sturmtalent heran und schaffte den Sprung in die dänische Nationalmannschaft. In Kopenhagen konnte Wind aber nicht nur persönliche Erfolge feiern, auch mit seinem Team schaffte er es sich zu verewigen. In der Saison 2018/19 und 2021/22 holte er jeweils die dänische Meisterschaft mit dem FC Kopenhagen. 

Von der deutschen Meisterschaft ist Wind mit seinem VfL Wolfsburg ein ganzes Stück entfernt, aber gerade in dieser Hinrunde zeigte der Däne, welche Qualitäten er hat. Nach sechs Spielen hatte der Stürmer bereits sieben Treffer auf seinem Konto, keinem VfL-Spieler war das vorher gelungen. „Ich stehe gerade einfach meistens richtig“, sagte Wind im Herbst 2023 auf die Frage, was sein Erfolgsrezept sei. 

In diesem Kalenderjahr fällt dem 25-Jährigen das Toreschießen deutlich schwieriger, erst ein Treffer konnte Wind 2024 erzielen, vor eineinhalb Wochen traf Wind zum 1:0-Sieg gegen den VfL Bochum. Doch trotz seiner Torflaute zeigt sich Wind wichtig für die Wolfsburger, mit bereits acht Assists ist der Däne der stärkste Vorlagengeber der Wölfe. 

Privat gilt Jonas Wind übrigens als sehr ruhiger Zeitgenosse, die FAZ porträtierte ihn im vergangenen Herbst als Spieler und Menschen, der wie ein „netter junger Mann“ wirkt, „der nebenan wohnt, in der Landesliga recht gut Fußball spielt und sein Leben genießt.“ Vielleicht ist eben auch genau das sein Geheimnis: Die Ruhe, die er ausstrahlt und die er im Umfeld des VfL Wolfsburg bekommt.

Foto: DFL/Getty Images/Oliver Hardt

Wolfsburger Trophäenschrank

  • Deutscher Meister: 2008/09
  • Deutscher Pokalsieger: 2014/15
  • Deutscher Supercupsieger: 2014/15
  • Landespokal-Niedersachsen-Sieger: 1961/62

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