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16.12.2024 / Junglilien

„Ein absoluter Mehrwert, dass wir diese Mannschaft haben“

Die erst im Sommer neugegründete U21 des SV Darmstadt 98 befindet sich derzeit in ihrer ersten Winterpause: Mit 35 Punkten nach 22 Spieltagen überwintern die Junglilien in der Lotto-Hessenliga auf einem starken 6. Platz. Genau darüber sowie über eine schwierige Phase und die Entwicklung der Mannschaft haben wir dem Sportlichen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Lilien gesprochen. Mit Björn Müller lassen wir das erste Halbjahr unserer U21 Revue passieren.

Foto: Mara Wolf

sv98.de: Gude, Björn! Vor dem Saisonstart habt Ihr betont, dass die Tabellenplatzierung erstmal nur eine untergeordnete Rolle spielt. Nun steht die Mannschaft aber nach 22 Spieltagen auf einem starken 6. Platz in der Lotto-Hessenliga. Hast Du die Tage daher doch gern mal auf die Tabelle geguckt?

Björn Müller: „Ja, natürlich schaut man da gerne auf die Tabelle (grinst). Weil diese Platzierung bedeutet, dass wir bislang eine erfolgreiche Runde gespielt haben. Wir sind alle Wettkämpfer. Wir bestreiten alle Fußballspiele, um sie am Ende auch zu gewinnen. Letztlich drehen sich unsere Diskussionen aber vielmehr um die Entwicklung der Mannschaft als um die Tabelle. Wie ist der Saisonverlauf? Wie haben sich die einzelnen Spieler entwickelt? Das sind die Fragen, mit denen wir uns beschäftigen.“

10 Siege, 5 Remis, 7 Niederlagen: Wie zufrieden bist du nach einem guten halben Jahr mit der neugegründeten Mannschaft?

„Es ist ein absoluter Mehrwert, dass wir diese Mannschaft haben. Ich bin wirklich sehr zufrieden – zumal wir nur bedingt wussten, was uns mit dieser jungen Mannschaft in dieser Liga genau erwartet. Trotzdem waren wir von Beginn an total davon überzeugt, dass sich die Truppe schnell an den Herrenfußball anpassen und eine steile Lernkurve vollziehen wird. Wir haben sämtliche Szenenarien wie auch Niederlagen-Serien mit einkalkuliert. Und es war in diesem halben Jahr bereits alles dabei: Wir haben viele Siege eingefahren, Unentschieden gespielt oder auch mal derbe Niederlagen einstecken müssen, in denen die Jungs viel Lehrgeld bezahlen mussten. Doch gerade diese Niederlagen waren enorm wertvoll und lehrreich. Unsere junge Mannschaft hat den Herrenfußball total angenommen. Sie hat Erfahrungen gesammelt und sich stetig weiterentwickelt. Dennoch sind wir mit unserem Entwicklungsprozess noch längst nicht am Ende.“

Die Jungs selbst haben immer daran geglaubt, dass ihre Leistungen gut genug sind, um viele Spiele gewinnen zu können.

Björn Müller, Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums

Nach einem doch ordentlichen Saisonstart ist die Mannschaft mit fünf Niederlagen in Folge in einen kleinen Negativ-Strudel geraten. Wie hast du die Truppe speziell in dieser Phase erlebt?

„Ich habe die Mannschaft als unzufrieden und selbstkritisch sowie sehr lernwillig wahrgenommen, was sehr gut ist. In jedem Training sind sie an ihr Maximum gegangen, um diese kleine Negativserie umzustoßen. Das war für den Lernprozess super hilfreich und hat das Team sicherlich auch nach vorne gebracht. Viel geändert haben Mannschaft und Trainerteam nicht in dieser Phase, stattdessen wurde weiter hart gearbeitet. Die Jungs selbst haben immer daran geglaubt, dass ihre Leistungen gut genug sind, um viele Spiele gewinnen zu können.“

War das der Schlüssel für die starke Phase bis zur Winterpause? Die U21 hat schließlich 8 der letzten 10 Spiele allesamt gewonnen…

„Der Glaube an die eigenen Stärken war sicherlich ein Faktor. Und wenn du dich erst einmal in solch einer positiven Serie befindest, macht das natürlich etwas mit einem. Die Jungs haben es geschafft, die negativen Erlebnisse in etwas total Positives umzumünzen. Das hat dann Kräfte freigesetzt. Sie haben durch ihre harte Arbeit Selbstvertrauen gewonnen und konnten befreiter aufspielen. Dieser Prozess und diese positive Entwicklung in der Hinrunde spricht sehr für die Mannschaft und das Trainerteam.“

Wie würdest Du dabei Euren Spielstil beschreiben?

„Der Spielstil der U21 unterscheidet sich nicht großartig von den anderen Teams im NLZ. Wir möchten einen Spielstil pflegen, der ein höchstmögliches Maß an Ausbildung und Aktionen für die Spieler beinhaltet. Zudem wollen wir die Dinge spielerisch lösen. Gegen ein Pressing des Gegners möchten wir versuchen, auch hinten rauszuspielen und nicht nur lange Bälle zu schlagen. Gegen den Ball wollen wir hohe Ballgewinne erzielen. Wir wollen aktiv sein und nicht abwartend. Die Mannschaft hat meiner Meinung nach vor allem einen großen Schritt im Ballbesitzspiel gemacht – besonders im letzten Drittel. Es ist schließlich eine Art Königsdisziplin im Fußball, sich gegen tiefstehende Gegner mit Geduld die Torchancen und Tore herauszuspielen und eben nicht eine Art „Hauruckfußball“ an den Tag zu legen.“

Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf
Foto: Mara Wolf

„Eine gute Defensive ist die Basis für den Erfolg“, sagte Trainer Daniel Petrowsky vor der Spielzeit.  Die U21 ist das Team mit den wenigsten Gegentoren der Liga. Ein herausragender Fakt.

„Es ist natürlich sehr schön zu sehen, dass wir die beste Abwehr der Liga haben. Das spricht für die gesamte Mannschaft, weil von vorne bis hinten alle Spieler mitverteidigen. Trotzdem gibt es auch hier noch viel Potenzial. Die Entwicklung ist sowohl im Defensiv- als auch im Offensivverhalten noch längst nicht abgeschlossen.“

Mit Immanuel Höhn ist im Laufe der Hinrunde ein neuer Übergangskoordinator hinzugekommen. Wie gut hat er sich bereits einbringen können?

„Wir freuen uns alle sehr, dass Höhni da ist. Er bringt ganz viel Erfahrung mit und hatte direkt einen guten Draht zu den Trainern im NLZ. Er bringt von Tag eins an meinungsstark seine Ideen mit ein. Gleichzeitig spürt man aber auch, dass er total Bock darauf hat, viel zu lernen. Ich persönlich kannte ihn noch aus meiner Zeit als Co-Trainer bei den Profis, als Höhni selbst noch Spieler war. Daher gab es zwischen uns sofort eine Connection. Und es ist schön zu sehen, wie er in den Verein jetzt in einer neuen Rolle eintaucht.“

Seit September arbeitet mit Florian Kohfeldt zudem ein neuer Cheftrainer mit neuer Spielidee bei den Lilien. Wie gut funktioniert der Austausch mit ihm?

„Auch Florian Kohfeldt kannte ich glücklicherweise schon aus meiner Zeit beim DFB, als ich die Teilnehmer im Fußballlehrer-Lehrgang mit betreut habe. Als es klar war, dass er hier Cheftrainer werden wird, hat er mich direkt angerufen und wir haben ein Treffen vereinbart, bei dem wir uns über das NLZ ausgetauscht haben. Ich fand es eine große respektvolle Geste von ihm. Der Austausch mit ihm ist fantastisch. Auch er bringt Ideen ein, wie wir unsere Spieler weiterentwickeln und schneller an den Profibereich heranführen können.“

Zurück zur U21. Woran müsst Ihr in der Winterpause und dann in der Rückrunde arbeiten? Und was ist Euer Ziel für das kommende halbe Jahr?

„Unser ganz klares Ziel ist die individuelle Weiterentwicklung jedes einzelnen Spielers. Das steht an allererster Stelle. Wichtig ist zudem die Konstanz und Verlässlichkeit der Jungs auf und neben dem Platz. Wenn Jugendspieler oben an die Profitür klopfen, will das Trainerteam verlässliche Spieler haben und keine Überraschungen. Daran arbeiten wir tagtäglich. Darüber hinaus entwickelt sich über die Entwicklung der Spieler auch der mannschaftliche Erfolg, der aber nicht im Vordergrund steht. Vielmehr geht es uns um den einzelnen Spieler. Wir wollen jeden einzelnen von ihnen voranbringen sowie ihn auf die nächsten Schritte und Aufgaben vorbereiten.“

Danke für das Gespräch, Björn.

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