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15.04.2024 / Profis

Ein Spiegelbild der Saison

Gemacht und getan. Alles versucht und alles probiert. Und am Ende doch mit leeren Händen dagestanden. Es ist ein Einstieg in unseren Nachbericht, wie wir ihn in der Bundesliga-Saison 2023/24 gleich für so zahlreiche Partien hätten wählen können. In der Hinrunde zum Beispiel nach den Spielen gegen Frankfurt, Leipzig, Bochum, Köln, Heidenheim und Wolfsburg, in der Rückrunde dann nach Union oder Stuttgart: Duelle, in denen die Lilien nah dran waren an Zählbarem. Doch nach Abpfiff – aufgrund der Qualität des Gegners und auch dem eigenen Unvermögen – mit leeren Händen dastanden. Die Partie gegen den SC Freiburg reiht sich dabei nahtlos genau in diese Aufzählung ein. Ein Spiegelbild der Saison.

Foto: SV 98

„Es gab viele Spiele, die ähnlich wie das heutige gelaufen sind“, erinnerte sich daher auch Klaus Gjasula in der Mixed-Zone des Merck-Stadions am Böllenfalltor zurück. Dabei hatte der SV Darmstadt 98 wieder einmal alles in die Waagschale geworfen. Die Lilien zeigten gegen den SC Freiburg nach dem 1:4 in Mainz zuhause an der Nieder-Ramstädter-Straße ein anderes Gesicht, präsentierten sich deutlich stabiler. Sie rannten an, erspielten sich gleich so zahlreiche Tormöglichkeiten. Sie kämpften – sogar so lange, bis die Schmerzen es nicht mehr zuließen, wie Fabian Holland. Der Kapitän, der voranging, schließlich aber verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste.

Das gewohnte Bild

Und doch sackte nach Abpfiff der 90 Minuten trotz allem wieder einmal die gegnerische Mannschaft die volle Punkteausbeute ein. „Das gewohnte Bild“, musste daher auch Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach dem 0:1 gegen den Sportclub aus Freiburg abermals in dieser Saison sein Statement zum Spiel folgendermaßen beginnen: „Glückwunsch an den Gegner zum Sieg.“ Ein gewohnter Satz also, der dem Darmstädter Cheftrainer vermutlich aber gerade nach diesem Nachmittag nur schwer über die Lippen ging – waren die Südhessen doch insgesamt die bessere Mannschaft in diesem Aufeinandertreffen am 29. Spieltag.

„Wir waren der glückliche Sieger“, gab daher auch Freiburgs Coach Christian Streich in seiner offen und ehrlichen Art zu: „Darmstadt hat alles in die Waagschale geworfen und uns vor große Probleme gestellt. Sie haben eine gute Struktur und eine herausragende Mentalität.“ Viel Lob von einem Gegner, der sich in den letzten beiden Spielzeiten stets für die Europa League qualifizierte und auch in dieser Saison wieder um den Einzug ins internationale Geschäft kämpft.

Wir haben heute das getan, was Darmstadt 98 auszeichnet. Auch mit dem Ball waren wir gut – leider aber nur bis zum Sechzehner.

Tobias Kempe

Und die Lilien? „Wir haben heute das getan, was Darmstadt 98 auszeichnet“, lobte Tobias Kempe, monierte aber gleichzeitig in seinen Aussagen, dass der SV 98 zwar gut mit dem Ball unterwegs war, das allerdings „leider nur bis zum Sechzehner“. Denn in den Zonen, in denen es eigentlich so richtig gefährlich werden sollte, fehlte den Lilien abermals der letzte Biss – dieser unbedingte Wille, den Ball auf Teufel komm raus im Tor des Gegners zu versenken. Lieberknecht: „In der Offensive hat mir beim Torabschluss, aber auch schon zuvor bei den Flanken die Überzeugung gefehlt.“ So blieben insgesamt 16 Darmstädter Torschüsse ungenutzt, Freiburg dagegen nutzte eine von zwei gefährlichen Situationen im ersten Durchgang für den entscheidenden 1:0-Siegtreffer. Der kleine, aber feine Unterschied.

„Sie sind Woche für Woche nah dran, doch entscheiden in der Bundesliga die Kleinigkeiten. Ein Bundesliga-Spiel zu gewinnen – und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – ist saumäßig schwierig“, erklärte Streich mit Blick auf den SVD und machte zudem deutlich, dass er ein Befürworter des Darmstädter Wegs sei: „Ich schaue mir Darmstadt an – und zwar gerne. Weil sie guten Fußball spielen.“ Dieser gute Fußball aber, den die Lilien gewiss auch nicht in allen Spielen zeigten, hilft in der Bundesliga nicht dabei, die Klasse zu halten, wenn aus dem guten Fußball kein Ertrag gezogen wird. Denn dieser Ertrag wird in Punkten gemessen. Und zwölf Punkte beträgt der Rückstand der Lilien bei noch fünf ausstehenden Partien auf den Relegationsplatz. Eine Herkulesaufgabe für den Tabellenletzten der Liga. Zudem blieb der SV Darmstadt 98 vor allem zuhause zu oft zu harmlos. Nur sechs gesammelte Zähler im Merck-Stadion am Böllenfalltor sind ligaweit mit Abstand die geringste Heimausbeute.

Lilien-Fans mit besonderem Gespür

Und doch honorierte das Darmstädter Publikum nach dem Duell mit dem SC Freiburg vor allem den Einsatz und die gezeigte Leidenschaft des SV 98. „Sie haben ein gutes Gespür“, betonte Kempe. Außergewöhnlich auch, dass die Lilien-Fans nach einer Niederlage den gegnerischen Trainer mit Applaus verabschiedeten und Christian Streich somit für seine jahrzehntelange Arbeit beim SCF ihren Respekt zollten. „Dass ich heute nach Abpfiff so von den Darmstädter Fans verabschiedet worden bin, spricht weniger für mich und mehr für die Menschen hier. Man hat deutlich die Kultur in diesem Verein und dieser Stadt gesehen“, so Streich.

„Ich liebe diese Fans“, betonte derweil auch Kempe. Auf der Runde durchs Stadion an den Zäunen mit den ausgestreckten Händen der Lilien-Fans entlang bekamen er und seine Teamkollegen gleich so zahlreiche aufmunternde Worte. Allein deswegen, wegen dieser blau-weißen Anhängerschaft, sagte Tobias Kempe, „müssen wir in den letzten Spielen für die Region und unsere Fans weiter alles raushauen.“

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