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16.01.2024 / Profis

Eintracht Frankfurt im Gegnercheck

Nachdem der Aufstieg perfekt war, hielt der Bundesliga-Spielplan für die Saison 2023/24 gleich mit der Auftaktpartie einen echten Kracher bereit: Das Hessenderby! Und die Freude auf die Bundesliga wuchs gleich noch ein bisschen mehr. In den Strafräumen passierte am 17. August des letzten Jahres jedoch wenig. Die Lilien standen hinten dicht und die Eintracht fand nur wenige Mittel, um gefährlich vor dem Tor zu werden. Und doch sollte ein Vorstoß von Randal Kolo Muani in seinem vorletzten Bundesliga-Spiel reichen, um das Derby für sich zu entscheiden. Ein Unentschieden wäre dabei allerdings anhand der Chancen von Honsak, Pfeiffer und Co. durchaus vertretbar gewesen. Vor dem Rückspiel wollen wir den Derby-Gegner aus Frankfurt noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Players of Eintracht Frankfurt celebrate the victory during the Bundesliga match between Eintracht Frankfurt and Borussia Mönchengladbach
Foto: DFL/Getty Images/Alexander Scheuber

Die Eintracht aus Frankfurt hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung durchlebt. Mit dem Pokalsieg, dem Titel in der Europa-League und der Champions-League-Teilnahme sind die Hessen so schnell gewachsen wie kaum ein anderer Bundesligist.

Zum Auftakt der laufenden Saison stellte Eintracht Frankfurt phasenweise die – gemessen an den Gegentoren – stabilste Abwehr der Liga. Diesen Status haben sie zwar einbüßen müssen, dennoch sind bislang 20 Gegentreffer ein ordentlicher Wert.

Während gegen die großen Gegner der Bundesliga, beispielsweise ein 5:1-Heimsieg gegen den FC Bayern eingefahren werden konnte, tat sich die Eintracht zu Beginn der Saison vor allem gegen die vermeintlich kleineren Gegner schwer. Mit nur einem Sieg aus den ersten sechs Spielen verlief der Saisonstart deutlich schleppender als erwartet. Mittlerweile hat die Mannschaft aus der Mainmetropole dank 27 Hinrundenpunkten aber wieder Kurs auf das internationale Geschäft genommen.

Mit dem Rückrundenauftakt treffen die Hessen nun erneut wieder auf genau die Teams, die sich überwiegend im Tabellenkeller wiederfinden. Den Anfang macht das Hessenderby. In der Heimstätte der Lilien. Im Merck-Stadion am Böllenfalltor.

Der Trainer

Benannt nach der italienischen Torwart-Legende Dino Zoff, tritt der Sohn von Klaus Toppmöller, Dino Toppmöller, im Sommer 2023 den Job als Cheftrainer der Frankfurter Eintracht an. Wie der Vater, so also auch der Sohn. Denn genau wie einst bei Vater Klaus ist die Cheftrainerposition in Frankfurt seine erste Station in der deutschen Eliteliga. „Wenn du Teenager bist und dein Papa als erste Trainerstation in der Bundesliga diesen Klub übernimmt, ist das schon etwas Besonderes. Ich fühle mich diesem Klub seit langem verbunden. Manchmal höre ich im Auto unsere Hymne ‚Im Herzen von Europa'“, gab Toppmöller in einem Kicker-Interview zu.

Es sind große Fußstapfen, welchen der 43-Jährige folgt. Niko Kovac bewahrte im Jahr 2016 die Eintracht vor dem Abstieg und bescherte ihr zwei Jahre später den ersten DFB-Pokalsieg seit 1988. Während die Hessen unter Nachfolger Adi Hütter immer wieder auf dem internationalen Paket zu sehen waren, feierte Toppmöllers Vorgänger Oliver Glasner mit der Eintracht im Jahr 2022 mit dem Gewinn der Europa League den wohl größten Vereinserfolg seit Jürgen Grabowski und Co. Alles andere als ein leichtes Erbe.

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Dino Toppmöller aus dem Schatten eines Vorgängers tritt. Bestes Beispiel dafür: sein Vater Klaus. Der stürmte nämlich zu seinen besten Zeiten für den 1. FC Kaiserslautern und ist auch 35 Jahre nach seinem Karriereende noch immer Rekordtorschütze der Roten Teufel. Schon zu Spielerzeiten war Dino Toppmöller die Vergleiche zu seinem alten Herrn niemals losgeworden. „Der Name Toppmöller hat mir geschadet“, gab er nach dem Ende seiner Spielerkarriere im Alter von 28 Jahren unumwunden zu. Toppmöller galt als hoffnungsvolles Talent, doch in keinem seiner zahlreichen Klubs erlangte er dauerhaft einen hohen Stellenwert. Für 14 Vereine stürmte Toppmöller, darunter auch einst für die Eintracht, stets begleitete ihn dabei der Ruf seines treffsicheren Vaters.

Auch auf der Trainerbank dürften die Vergleiche mit dem Senior nicht nachlassen. Vater Klaus erreichte beispielsweise im Jahr 2002 das Champions-League-Finale mit Bayer Leverkusen und wurde noch in derselben Saison als erster Coach überhaupt von deutschen Sportjournalisten zum Trainer des Jahres gekürt. Eine Vita, von der der Sohnemann aktuell wahrscheinlich noch nicht zu träumen wagt. Selbstverständlich hat der 43-jährige aber auch selbst enorme Qualitäten, die ihm von Trainerkollegen in Deutschland großes Ansehen eingebracht haben. „Er ist ein intelligenter Mann und ein sehr ruhiger Typ Mensch, der ein unglaublich großes Herz und einen sehr großen Fußballsachverstand hat“, beteuerte beispielsweise der aktuelle Bundestrainer Julian Nagelsmann. Auch Eintracht-Legende Oka Nikolov beschrieb den Bundesliga-Newcomer als extrem ehrgeizig. „Wenn ich so zurückdenke, war vielleicht damals schon abzusehen, dass er mit dieser Arbeitseinstellung später eine erfolgreiche Karriere einschlagen könnte“, verriet er gegenüber fussball.news. 

30 Jahre sind vergangen, seit der damals 13-jährige Dino begeistert die Spiele der Eintracht unter der Leitung seines Vaters verfolgte. Heute, im Alter von 43 Jahren, steht er selbst an der Seitenlinie und dirigiert das Team. Mit derzeit 27 Punkten und dem sechsten Tabellenplatz sowie einem Rückstand von sechs Punkten auf die Champions-League-Plätze reist Toppmöller kommenden Samstag (20.1./15.30 Uhr) erstmals zum Hessenderby ans Böllenfalltor.

Dino Toppmoeller, Trainer Eintracht Frankfurt
Foto: Eibner-Pressefoto / Wolfgang Frank

Offensiv-Power

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Omar Marmoush, 7 Treffer Farès Chaïbi, 4 Vorlagen
Ansgar Knauff, 4 Treffer Omar Marmoush, 3 Vorlagen
Junior Dina Ebimbe, 3 Treffer Niels Nkounkou, 3 Vorlagen
Hugo Larsson, 2 Treffer Philipp Max, 3 Vorlagen
Ellyess Skhiri, 2 Treffer Ansgar Knauff, 1 Vorlage

Prunkstück

Wenn die Eintracht in den letzten Jahren durch etwas auch auf internationaler Ebene viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, dann durch die zugegebenermaßen sehr gute Transferpolitik. Spieler wie Sebastien Haller, Filip Kostic oder Luka Jovic nutzten die Eintracht als Sprungbrett und liefen in den letzten Jahren für internationale Top-Klubs wie Real Madrid oder Juventus Turin auf. Besonders präsent dürfte der Wechsel aus dem vergangenen Sommer von Randal Kolo Muani zum französischen Rekordmeister Paris Saint-Germain sein. Der Verkauf des Stürmers brachte den Hessen schlappe 95 Millionen Euro ein, so wurde es kolportiert. Dabei hatte man den Franzosen, dessen Marktwert in der Vorsaison 16 Millionen Euro betrug, ablösefrei vom FC Nantes an den Main gelotst. Ein dickes Plus für die Hessen, die durch die ihre kluge Transferpolitik schon einige solcher Coups landen konnten.

Auch vor, beziehungsweise während der aktuellen Saison hat die Eintracht auf dem Transfermarkt ordentlich zugelangt. Und auch hier ist beachtlich, mit welcher Selbstverständlichkeit sich die Neuverpflichtungen sofort in der Startelf etablieren und ihre Leistung bringen: Omar Marmoush, im vergangenen Sommer vom VfL Wolfsburg gekommen, ist mit wettbewerbsübergreifend zwölf Torbeteiligungen nicht mehr aus der Offensivabteilung wegzudenken. Selbiges gilt für den jungen Schweden Hugo Larsson, der im Transfersommer aus Malmö zu den Hessen wechselte und mittlerweile einen absoluten Fixpunkt in der Zentrale des aktuellen Tabellensechsten der Bundesliga bildet. Sein Pendant in der Frankfurter Mittelfeldmaschinerie kam letzten Sommer nach einer Leihe endgültig von Paris Saint-Germain nach Frankfurt und hört auf den Namen Dina Ebimbe. Der junge Franzose gehört mittlerweile längst zum Stammpersonal.

Auch in der Winterpause haben sich die Frankfurter mit dem bei Manchester United unglücklich gebliebenen Donny van de Beek und dem österreichischen Leuchtturm Sasa Kalajdzic von den Wolverhampton Wanderers verstärkt. Ob auch diese beiden Neuzugänge, die vergangene Woche beim 1:0-Auswärtssieg in Leipzig ihr Debüt feiern konnten, gegen die Lilien den Erfolg bringen können, bleibt abzuwarten…

All Eyes on ...

Mit einer Körpergröße von zwei Metern ist es als Stürmer wohl nicht unüblich, als Kopfballungeheuer zu gelten. Der Weg dahin ist allerdings nicht immer ganz so einfach. „Koordinativ war es am Anfang echt übel, ich bin zum Beispiel extrem komisch gerannt. Ich glaube, es sieht bis heute nicht ganz so geschmeidig aus, aber im Vergleich zu früher ist es echt nicht mehr schlimm. Außerdem war es damals schwer, mein technisches Level zu halten. Ich war in der Jugend Sechser und technisch echt nicht verkehrt. Aber plötzlich waren meine Füße viel größer und so weit weg, daran musste ich mich erst mal gewöhnen“, gestand Bundesliga-Rückkehrer Sasa Kalajdzic gegenüber dem Tagesspiegel.

Nach einer von Verletzungspech verfolgten Saison auf der Insel bei den Wolverhampton Wanderers kehrte der ehemalige Stürmer des VfB Stuttgart nun im Winter per Leihe zurück in die Bundesliga, wo seine Karriere vor wenigen Jahren so richtig Schwung aufnahm. In der Saison 2020/21 gelangen dem gebürtigen Österreicher 16 Treffer, davon fanden acht ihren Weg per Kopf ins Netz. Seit der Datenerfassung in der Bundedesliga-Spielzeit 2004/05 erzielten mit Edin Dzeko (9), Anthony Modeste (9), Kevin Kuranyi (10) und Jan Koller (11) nur vier Spieler in einer Saison mehr Treffer mit dem Kopf. Dabei wäre Kalajdzic in seinem Fußballjahrgang damals der Schlechteste gewesen und niemand hätte damit gerechnet, dass er es einmal zum Fußball-Profi schaffen würde, wie Kalajdzic im Sky-Format „Meine Geschichte“ gestand. „Nach dem Abitur habe ich mich gefragt, was mich am glücklichsten macht. Das Lernen nach Schule war es nicht. Das Training am Nachmittag hat mich glücklich gemacht! Also habe ich meinem Vater gesagt, dass ich probieren will, Profi zu werden“, erzählte der Offensivmann weiter.

Bereists während der Schulzeit debütierte er als 16-Jähriger bei den Erwachsenen von SR Donaufeld Wien in der drittklassigen Regionalliga. „Ich habe erstmal die Goschn gehalten. Und gelernt, was es heißt, Respekt zu zeigen. Wenn ich nach dem Training nicht beim Abbau geholfen habe, wurde geschimpft. Wenn die Schuhe nicht gut geputzt waren, wurde geschimpft. Wenn ich irgendwelche Kleidungsstücke vergessen hatte, wurde geschimpft. Das war nie böse oder unter der Gürtellinie, ich wurde nicht gehänselt oder so, im Gegenteil, das waren tolle Menschen, die mir auf meinem Weg extrem geholfen haben. Es war genau richtig so“, berichtete Kalajdzic dem Tagesspiegel über seine ersten Erfahrungen im Herren-Fußball. Er war eben, wie so viele da draußen, ein Junge mit einem großen Traum, auch wenn sich diesem Ziel erst nach dem Schulabschluss vollends gewidmet wurde. Über den österreichischen Verein Arminia Wacker wechselte er mit 23 Jahren in Deutschlands Fußball-Oberhaus. „Früher habe ich immer sonntags die Highlights der Bundesliga geguckt. Jetzt selbst ein Teil davon zu sein, ist einfach nur geil“, äußerte Kalajdzic damals vor seinem Debüt für den VfB Stuttgart in einem Gespräch mit der Bild-Zeitung.

Eine unbeschwerte Kindheit, die ihr Ende in der Verwirklichung des Traumes gefunden hat. Und das Fazit dieser wunderbaren und lehrreichen Zeit? „Du musst mehr machen als andere, das lerne ich auch heute noch. Wenn du erfolgreich sein willst, musst du hart arbeiten“, stellte Kalajdzic im Gespräch mit dem Tagesspiegel klar. Ziele, die er jetzt selbstredend auch bei der Eintracht verfolgen will.

Sasa Kalajdzic
Foto: Wolfgang Frank / EIBNER-Pressefoto

Blick in die Vitrine

  • Europa-League Sieger: 21/22
  • UEFA-Cup-Sieger: 79/80
  • Deutscher Meister: 58/59
  • Deutscher Pokalsieger: 17/18, 87/88, 80/81, 74/75, 73/74
  • Deutscher Zweitligameister: 97/98
  • Landespokal-Hessen-Sieger: 45/46

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