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02.12.2024 / Profis

„Es wird ein heißes Spiel“

Sowohl für Werder Bremen als auch für den SV 98 stand Peter Niemeyer in 55 Pflichtspielen auf dem Feld. In seiner Zeit bei den Lilien hat der heute 41-Jährige dabei nachhaltige Spuren hinterlassen. Mittlerweile ist Niemeyer nach Bremen zurückgekehrt und arbeitet als Leiter Profifußball für Werder. Vor dem Aufeinandertreffen im Pokal haben wir mit ihm über seine Rolle beim SVW, das Spiel am Dienstagabend (3.12./20.45 Uhr) und die Zeit beim SV 98 gesprochen.

Foto: Eibner

sv98.de: Was waren deine Gedanken, als die Partie Werder gegen Lilien ausgelost wurde?

Peter Niemeyer: Zunächst einmal fand ich es super, dass wir ein Heimspiel bekommen haben, da Werder über einen längeren Zeitraum kein Pokalspiel im Weserstadion bestreiten durfte. Aber natürlich habe ich mich auch sehr über den Gegner Darmstadt 98 gefreut, weil ich dort einfach eine tolle Zeit hatte und nun einige bekannte Gesichter wiedersehen werde.

sv98.de: Als Spieler bist du einige Male auf ehemalige Vereine von dir getroffen. Ist so etwas in anderer Funktion auch etwas Besonderes und vielleicht sogar Neuland für dich?

Niemeyer: Mit Münster haben wir im Pokal gegen die Hertha gespielt, daher hatte ich schon mal eine ähnliche Konstellation. Aber natürlich ist jetzt auch eine gewisse Zeit seit meinem Abschied aus Darmstadt vergangenen, sechs Jahre sind im Fußball fast schon eine Ewigkeit. Daher sind es eher die Menschen um die Mannschaft herum, die ich noch kenne und auf die ich mich freue. Ich freue mich einfach auf ein spannendes Spiel und darüber, einen meiner früheren Vereine wiederzusehen. Ohne das Ganze nun zu hochzuhängen.

sv98.de: Bei Werder bist du Leiter Profifußball. Kurz zur Einordnung: Welche Dinge zählen zu deinem Aufgabenbereich?

Niemeyer: Ich bin nah am Team. Ich bin ein Sparringspartner für den Trainer, gleichzeitig aber auch Ansprechpartner für die Mannschaft, speziell bei übergeordneten Themen. Gemeinsam mit Clemens Fritz als Geschäftsführer wollen wir ein verbindendes Element sein, Dinge weiter voranbringen und die Strukturen vorantreiben.

sv98.de: Hast du dir die Aufgabe im Vorfeld so vorgestellt?

Niemeyer: Das kann man immer schlecht sagen. Es ist in jedem Fall anders als bei Preußen. In Münster waren die Strukturen natürlich ganz andere und ich war als Geschäftsführer letztlich die finale Instanz einer Entscheidung. Hier ist alles deutlich größer und es gibt deutlich mehr Menschen, die in die Prozesse eingebunden werden. Aber alles auf eine hochprofessionelle Art und Weise. Ich kann mich und meine Ideen einbringen und mitgestalten. Das macht mir großen Spaß.

sv98.de: Den Spieler Peter Niemeyer haben alle Lilienfans als jemanden mit großen Emotionen, enormen Kämpferherz und als Menschen erlebt, der immer versucht hat, alles aus sich herauszuholen. Wie agiert der Funktionär Peter Niemeyer?

Niemeyer: Die hundertprozentige Leidenschaft für eine Aufgabe habe ich nicht abgelegt. Ich versuche mit maximalem Einsatz meinen Teil zum Erfolg des Vereins beizutragen. Die Emotionalität, die ich auf dem Platz hatte, habe ich auch noch in mir, kann sie aber anders kanalisieren und heute auch zum Teil beruhigend einwirken.

Ich kann mich und meine Ideen einbringen und mitgestalten. Das macht mir großen Spaß.

Peter Niemeyer

sv98.de: Zudem hast du immer den Teamgedanken an erste Stelle gestellt. Wie sehr hilft dir diese Grundeinstellung nun?

Niemeyer: Für mich ist das nach wie vor ein ganz entscheidender Faktor im Profisport. Ich bin total davon überzeugt, dass das für Erfolg unabdingbar ist. Die Grundtugenden, die Darmstadt 98 damals verkörpert hat und sicherlich auch noch verkörpert, die passen total zu mir. Auch deswegen war diese Zeit dort besonders für mich. Und diese Werte versuche ich auch in meiner jetzigen Position zu leben.

sv98.de: Du hast einmal gesagt: „Unterbewusst weißt du: Es wird ein Mann mit Regenschirm vorneweglaufen und du läufst hinterher.“ Damit wolltest du ausdrücken, dass Profifußballern während ihrer Karriere sehr viel abgenommen wird und der Terminplan in gewisser Weise fremdbestimmt ist. Warst du auf die „normale“ Arbeitswelt vorbereitet?

Niemeyer: Ich habe immer gedacht, dass ich weitsichtig bin und mich nicht nur über den Fußball definiere. Aber nachdem ich die Schuhe an den Nagel gehängt habe, habe ich schon gemerkt, dass es doch so gewesen ist und sich mein Umfeld oft meiner Karriere angepasst hat. Im Alltag merkt man dann, dass man als Spieler hohe Privilegien hatte, die nach der Karriere eben wegbrechen. Natürlich hat der Prozess der Umstellung dann einige Zeit gedauert.

sv98.de: Warum wolltest du im Fußball bleiben?

Niemeyer: Der Samstag, der über die kommende Woche entscheidet, der hat für mich einfach einen enormen Suchtfaktor. Deswegen war für mich nach der Karriere recht schnell klar, dass ich wieder in den Fußball möchte. Obwohl ich zwischenzeitlich auch einmal gesagt habe, dass ich nach der Karriere nichts mehr damit zu tun haben möchte. Doch der Fußball hat mein Leben immer ausgefüllt und mir entsprechend sehr schnell einfach gefehlt.

sv98.de: Dein Weg nach der Spielerkarriere liest sich dabei sehr spannend. Zunächst bei Twente noch mit Trainertätigkeiten, dann in Münster als Sportdirektor und später als Geschäftsführer Sport mit einem großen Anteil am Weg von der Regional- in die zweite Liga. Und nun bei Werder und damit einem der größten Vereine in Deutschland. Hattest du mit so einem Weg gerechnet?

Niemeyer: Ich wusste immer, dass ich zwar eine Karriere als Spieler hatte, aber auch, dass ich danach eine neue Karriere starten muss. Es funktioniert nicht, direkt oben einzusteigen. Mir war wichtig, viele Facetten kennenzulernen und meinen Rucksack mit Werkzeugen zu füllen. Mir war immer klar, dass ich eher ins Management möchte als in die Trainertätigkeit, aber es war wichtig, auch den Trainerbereich kennenzulernen. Natürlich habe ich diesen Weg nicht am Reißbrett geplant, aber er hat sich sehr gut zusammengefügt.

sv98.de: In Darmstadt gibt es niemanden, der ein schlechtes Wort über dich verlieren würde. Wie sehr freut es dich, dass du hier als Spieler, aber auch als Mensch in bester Erinnerung geblieben bist?

Niemeyer: Das löst etwas in mir aus. Ich bin glücklich darüber, dass ich bei all meinen Vereinen durch die Vordertür gekommen und auch wieder gegangen bin. Das versuche ich auch jetzt allen Spielern weiterzugeben. Man geht einen gemeinsamen Weg mit einem Verein und auch wenn sich dieser Weg dann mal trennen sollte, kann man immer vernünftig auseinandergehen. Das ist auch eine Charakterfrage. Und es freut mich, wenn ich dieses Feedback bekomme und nicht nur als Spieler, sondern eben auch als Mensch gesehen werde.

sv98.de: Umgekehrt: Was verbindest du nach wie vor mit den Lilien? Gibt es den einen Moment, der sofort in deinen Kopf kommt?

Niemeyer: Der Klassenerhalt in Berlin war schon wirklich krass für mich. Vor der Saison ging es bei der Hertha nicht mehr weiter und dann heuerst du bei den Lilien an, von denen alle erwartet haben, dass sie sang und klanglos wieder absteigen. Aber wir haben es geschafft, allen die lange Nase zu zeigen. Nach diesem Spiel im Olympiastadion mit meinem Sohn über den Platz zu gehen und vor beiden Fankurven zu stehen, das war schon DER Moment meiner Zeit in Darmstadt.

Und ich war vor einiger Zeit mal wieder am Bölle: Da haben mir Leute gesagt, dass auch ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dass dort heute dieses Stadion steht und diese Infrastruktur entstanden ist. Das hatte ich gar nicht so auf dem Schirm, aber es war schön, diese Dinge zu hören.

Foto: Holtzem

sv98.de: Wie intensiv verfolgst du die Lilien?

Niemeyer: Um die Spiele zu sehen, fehlt mir ein wenig die Zeit. Dafür liegt der Fokus zu sehr auf Werder Bremen. Aber natürlich gucke ich schon, wie meine Ex-Vereine gespielt haben. Und ich freue mich total, dass Darmstadt nun so zurück in die Spur gefunden hat.

sv98.de: Was erwartest du für eine Partie am Dienstagabend?

Niemeyer: Ein heißes Spiel. Darmstadt hat einen guten Lauf und ist ein richtig guter Haufen. Wir müssen an unsere Grenzen kommen, um in die nächste Runde einzuziehen. Darmstadt wird uns alles abverlangen.

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