Fotos: SV 98 01.11.2026 / Profis
Kleine Fortschritte
Die Lilien beenden eine erfolgreiche Englische Woche mit einem Unentschieden gegen den Tabellenfünften aus Magdeburg. Nach ein wenig Anlaufzeit zeigten die Südhessen dabei Fortschritte im Offensivspiel und standen defensiv erneut stabil. Unsere Analyse zum Spiel.
Szene des Spiels:
Smits Hacke. Es war ein toller Spielzug in der 37. Minute, den Milan Smit technisch hochwertig zum Ausgleich in die Maschen zauberte. William Mikelbrencis und Marco Richter kombinierten sich über die rechte Offensivseite bis in den Strafraum, Richter brachte den Ball scharf vor das Tor der Gäste, wo der niederländische Angreifer das Leder mit der Hacke in die lange Ecke legte. „Er macht das auch im Training, deswegen hat es mich gar nicht so sehr überrascht“, verriet Vorbereiter Richter mit einem Grinsen, fügte dann aber an: „Für uns war es natürlich super, dass es so geklappt hat.“
Denn der Ausgleich brachte die Lilien nicht nur ergebnistechnisch vollends zurück in die Partie. Nur wenig später hätte Mikelbrencis per Kopf sogar die Führung erzielen können und in den folgenden Minuten bis zum Pausenpfiff war zu spüren, dass Smits Hacke einen Energieschub bei den Südhessen auslöste. Zudem stand sie für zwei Dinge, die als positive Aspekte aus diesem Samstagnachmittag mitgenommen werden können: Der spielerische Fortschritt mit dem Ball am Fuß, den der SV 98 trotz der erneut eher defensiven Ausrichtung zeigte, und die Überzeugung, sich trotz eines frühen Rückstandes und einer schwierigen Situation in die Partie zurückkämpfen zu können.
Das lief gut:
Stabil nach Rückstand. „Wir haben uns vom Rückstand nicht aus der Bahn werfen lassen“, fasste Florian Kohfeldt nach dem Spiel zusammen. Angesichts der tabellarischen Lage der Lilien und des frühen Nackenschlags gegen den Tabellenfünften keine Selbstverständlichkeit. Zwar benötigten die Lilien eine gewisse Anlaufzeit und mussten sich auch nach dem Rückstand ein wenig schütteln, doch auch in dieser Phase blieben sie defensiv stabil und fanden im weiteren Spielverlauf offensiv besser in die Spur. Einen kleinen Wendepunkt bezeichnete dabei auch die 28. Minute, als Marcel Schuhen behandelt werden musste und die Feldspieler geschlossen einen Kreis bildeten, um sich noch einmal zu besprechen: „Wir haben gesagt, dass wir alle brauchen und im Rückstand noch mehr machen müssen“, erklärte Raoul Petretta, der auf die Szene angesprochen wurde. In den darauffolgenden rund 60 Minuten bis Abpfiff verdienten sich die Darmstädter (mindestens) einen Punkt und hatten speziell in der Schlussphase auch Gelegenheiten, um die volle Ausbeute mitzunehmen.
„Nach vorne wird es wieder besser.“ Dieses Zitat von Marco Richter passt hervorragend in unsere Kategorie. Nicht nur beim Tor von Smit gelang es dem SV 98, aus dem Spiel heraus etwas zu kreieren. Noch nicht in dem Umfang, den sich alle wünschen würden, aber doch so, dass ein Fortschritt zu erkennen ist. Nach einer schönen Kombination scheiterte Richter bereits in der 10. MInute am Pfosten, sowohl der Ausgleich als auch die Kopfballchance von Mikelbrencis (38.) entstanden aus gelungenen Spielzügen. Nach dem Seitenwechsel spielten sich die Lilien ebenfalls regelmäßig in Strafraumnähe, kamen zu einigen Eckstößen, sorgten für strittige Szenen im Strafraum oder hatten weitere Abschlüsse. „Wir fangen an, uns wieder Torchancen herauszuspielen“, fasste Kohfeldt treffen zusammen und betonte zudem, wie wichtig es sei, sowohl aus dem Spiel heraus als auch über den ruhenden Ball Gefahr auszustrahlen.
Die Defensive: In Sachen defensiver Stabilität können die Lilien auf eine eindrucksvolle Woche zurückblicken. Gegen den FC St. Pauli blieb der SV 98 erstmals in dieser Saison ohne Gegentor, die weiße Weste musste Marcel Schuhen auch beim Überraschungscoup in Elversberg unter der Woche nicht ablegen. Gegen den Magdeburg kassierten die Südhessen zwar einen Gegentreffer, ließen aber mit einer Ausnahme ansonsten keine größere Möglichkeit für die Gäste mehr zu. Natürlich geht diese Spielweise zu Lasten des eigenen Offensivspiels, doch aktuell scheint dieser Ansatz die beste Möglichkeit, um „die Chance auf erfolgreiche Spiele zu erhöhen“, wie es Kohfeldt zusammenfasste. Drei ungeschlagene Partien innerhalb von acht Tagen sprechen dafür.
Das lief nicht gut:
Das Gegentor. Wie nahezu jeder Gegetreffer wäre auch das 0:1 an diesem Samstagnachmittag zu verhindern gewesen. In diesem Fall jedoch sogar recht simpel. Im bisherigen Saisonverlauf zeigten sich die Lilien in der Verteidigung von gegnerischen Ecken hochkonzentriert und besetzten genau die Räume, für die jder einzelne Spieler zuvor eingeteilt wurde. In der 14. Minute gegen Magdeburg gab es kleine Abweichungen von diesem Plan. Und diese Nuancen reichen auf diesem Niveau oft leider aus. Baris Atik erkannte den entstandenen Raum und spielte die Ecke scharf vor das Tor, wo es dem SV 98 nicht gelang, das Leder aus der Gefahrenzonen zu klären. Tobias Müller bedankte sich und traf zur Führung für die Gäste. „Wir haben die Ecke nicht gut verteidigt“, resümmierte Cheftrainer Kohfeldt, der nicht auf ein mögliches Fehlverhalten einzelner Akteure eingehen wollte. Wir belassen es daher ebenfalls bei dieser grundsätzlichen Beschreibung, die den SV 98 ins Hintertreffen geraten ließ.
Die ersten 25 bis 30 Minuten: Zwar starteten die Lilien durchaus ordentlich in die Partie und besaßen durch Richters Pfostenschuss und den Nachschuss von Noah Weißhaupt große Möglichkeiten auf eine Führung, in Summe zeigte sich der SV 98 über einen längeren Zeitraum der ersten Halbzeit aber zu „passiv“, wie Kohfeldt später einräumte. Im eher tieferen Block und ohne eine hohe Pressinglinie entsteht dieser Eindruck zwar grundsätzlich schneller als bei einem aggressiven Anlaufen und einer hochstehenden Abwehrkette, doch auch mit der derzeitigen Spielweise hatten sich die Südhessen ein wenig mehr Zugriff erhofft, als sie ihn in den ersten 30 Minuten besaßen. „Da waren wir zu weit auseinander“, gestand Petretta ein und auch Richter erkannte, er uns seine Teamkollegen „Anlaufzeit“ benötigten, bevor sie sich „leidenschaftlich“ in die Partie kämpften.
Zitat des Tages
Natürlich wollten wir das Heimspiel unbedingt gewinnen, aber wir sind auch zum vierten Mal in Serie zuhause ungeschlagen geblieben. Insgesamt war es eine gute Woche.