Unentschieden bei der Generalprobe
Der SV Darmstadt 98 und der englische Zweitligist FC Portsmouth haben sich bei der Generalprobe vor dem offiziellen Saisonstart mit einem torlosen Remis getrennt.
Es war wahrlich kein leichter Gang, den die Lilien kurz nach Abpfiff antraten. Im strömenden Regen ging es für die Akteure vor die eigene Fankurve. Dort warteten mehr als 1000 Lilienfans, die ihre Mannschaft auf die Ostalb begleitet hatten. Und die ihre Heimreise selbstverständlich gerne mit Punkten ihres Lieblingsteams angetreten hätten. Ebenso wie die durchnässten Spieler des SV 98. Doch trotz der Niederlage der Südhessen folgte ein Moment, der allen Darmstädtern Kraft und Stärke geben sollte für die weitere Saison. Ein Moment des Zusammenhalts und der Gemeinsamkeit. Trotz der beidseitigen Enttäuschung und des bitteren Ergebnisses.
„Das hat mir Gänsehaut bereitet“, erklärte Marcel Schuhen wenig später auf emotionale Weise, wie er den Gesang und die Unterstützung des eigenen Anhangs in diesen Minuten erlebt hatte. “ ‘ Wir sind immer da! Wir sind Darmstädter. ‘ Dieses Lied werde ich die ganze Nacht im Kopf haben“, so der Lilien-Schlussmann, der nicht der einzige war, dem der sich wiederholende Chorus der Supporter noch in den Ohren klang. „Diese Situationen sind extrem wichtig für uns. Weil es nur gemeinsam geht. Die heutige Niederlage ist sehr bitter, aber wir nehmen auch dieses Bild aus der Kurve mit. Weil es sehr kraftvoll und ehrlich war.“
Die Niederlage ist sehr bitter, aber wir nehmen auch dieses Bild aus der Kurve mit. Weil es sehr kraftvoll und ehrlich war."
Und gleichzeitig eine lautstarke Form der Anerkennung für das, was die Lilien an diesem Samstagnachmittag auf den Rasen gebracht hatten. Trotz zahlreicher Ausfälle war von Beginn an spürbar, dass sich dieses Team etwas vorgenommen hatte. Allein Oscar Vilhelmsson besaß in den ersten 25 Minuten drei gute Chancen zur Führung, der Rückstand zur Halbzeit passte nicht wirklich zum Spielverlauf. „Wir waren gut im Spiel und haben uns dann auch in der Pause gesagt, dass wir das 0:1 drehen können“, verriet Klaus Gjasula über die Gefühlslage vor dem Seitenwechsel. Gesagt, getan. Innerhalb von acht Minuten zogen die Lilien das Spiel auf ihre Seite, nach 60 Minuten prangte eine 2:1-Führung auf der Anzeigetafel. „Nach dem 2:1 herrscht dann natürlich auch eine gewisse Euphorie. Und dann kassieren wir zwei Tore nach Ecken durch denselben Spieler“, fasste Schuhen zusammen, was seiner Mannschaft innerhalb von zwei Minuten den Sieg entriss. Zwei Kopfballtreffer des Heidenheimer Kapitäns Patrick Mainka sorgten dafür, dass der Mitaufsteiger von der Ostalb schlussendlich die Oberhand behielt.
„Es ist eine Niederlage, die auf jeden Fall zu verhindern gewesen wäre“, resümierte Gjasula treffend. „Es tut weh. Nicht nur wegen der Tabelle, sondern weil wir uns für den Auftritt nicht belohnt haben. Wenn du hier zwei Tore schießt, dann musst du etwas mitnehmen.“ Dass dies nicht gelang, lag schlussendlich an der Standardstärke der Heidenheimer. Und daran, dass die Lilien es nicht schafften, diese zu verteidigen. Gjasula: „Wir haben jetzt zwei Spiele in Folge verloren und dabei alle vier Tore nach Standards kassiert. Das zeigt zwar, dass wir aus dem Spiel nicht viel zulassen, aber Standards gehören eben auch zum Fußball. Das müssen wir besser verteidigen.“
Eine Mannschaft wie der SV Darmstadt 98 wird in der Bundesliga nur dann punkten, wenn sie die eigenen Chancen bestmöglich nutzt und umgekehrt die eigenen Fehler minimiert. Auch deshalb schmerzte die Niederlage von Heidenheim besonders, wie Gjasula zugab: „Es gibt Spiele, in denen man unterlegen ist, diese verliert man meistens. Deswegen musst du in den Spielen etwas mitnehmen, in denen du besser bist.“
Bochum, Köln, Heidenheim. Drei Spiele, in denen die Lilien mindestens auf Augenhöhe agierten, nach Abpfiff aber mit leeren Händen dastanden. Zwar beweisen die Begegnungen, dass der SV 98 absolut konkurrenzfähig ist – um das große Ziel des Klassenerhaltes zu erreichen, braucht es aber auch Punkte aus diesen Partien.
„Wir sind heute niedergeschlagen und enttäuscht. Wir wollten unseren Fans heute etwas schenken und uns als Mannschaft belohnen“, bilanzierte daher auch Lieberknecht auf seine ehrliche Art und Weise, bevor er den Blick nach vorne richtete und anfügte: „Aber es wäre auch viel zu früh, die Flinte ins Korn zu werfen. Deswegen lautet das Motto: Punkte holen, wo keiner damit rechnet. Und jetzt kommt der VfL Wolfsburg.“
Am kommenden Samstag empfängt der SV 98 die Wölfe im Merck-Stadion. Auch dann werden sie wieder da sein. Die Darmstädter Fans. Weil sie es immer sind. „Speziell für diese Leute wollen wir jetzt Punkte holen“, versprach Schuhen, bevor er die Rückreise nach Darmstadt antrat. Zwar ohne Punkte, aber zumindest mit einem eindrucksvollen Bild in seinem Kopf. Und der Hoffnung, dass Visuelles und Zählbares möglichst schnell wieder zueinander finden.