Widget
10.12.2023 / Profis

Kraftvoll und ehrlich

Es war wahrlich kein leichter Gang, den die Lilien kurz nach Abpfiff antraten. Im strömenden Regen ging es für die Akteure vor die eigene Fankurve. Dort warteten mehr als 1000 Lilienfans, die ihre Mannschaft auf die Ostalb begleitet hatten. Und die ihre Heimreise selbstverständlich gerne mit Punkten ihres Lieblingsteams angetreten hätten. Ebenso wie die durchnässten Spieler des SV 98. Doch trotz der Niederlage der Südhessen folgte ein Moment, der allen Darmstädtern Kraft und Stärke geben sollte für die weitere Saison. Ein Moment des Zusammenhalts und der Gemeinsamkeit. Trotz der beidseitigen Enttäuschung und des bitteren Ergebnisses.

Die Mannschaft bedankt sich für den Fan-Support vor der Kurve in Heidenheim
Foto: SV 98

„Das hat mir Gänsehaut bereitet“, erklärte Marcel Schuhen wenig später auf emotionale Weise, wie er den Gesang und die Unterstützung des eigenen Anhangs in diesen Minuten erlebt hatte. “ ‘ Wir sind immer da! Wir sind Darmstädter. ‘ Dieses Lied werde ich die ganze Nacht im Kopf haben“, so der Lilien-Schlussmann, der nicht der einzige war, dem der sich wiederholende Chorus der Supporter noch in den Ohren klang. „Diese Situationen sind extrem wichtig für uns. Weil es nur gemeinsam geht. Die heutige Niederlage ist sehr bitter, aber wir nehmen auch dieses Bild aus der Kurve mit. Weil es sehr kraftvoll und ehrlich war.“

Die Niederlage ist sehr bitter, aber wir nehmen auch dieses Bild aus der Kurve mit. Weil es sehr kraftvoll und ehrlich war."

Marcel Schuhen, Torhüter des SV 98

Und gleichzeitig eine lautstarke Form der Anerkennung für das, was die Lilien an diesem Samstagnachmittag auf den Rasen gebracht hatten. Trotz zahlreicher Ausfälle war von Beginn an spürbar, dass sich dieses Team etwas vorgenommen hatte. Allein Oscar Vilhelmsson besaß in den ersten 25 Minuten drei gute Chancen zur Führung, der Rückstand zur Halbzeit passte nicht wirklich zum Spielverlauf. „Wir waren gut im Spiel und haben uns dann auch in der Pause gesagt, dass wir das 0:1 drehen können“, verriet Klaus Gjasula über die Gefühlslage vor dem Seitenwechsel. Gesagt, getan. Innerhalb von acht Minuten zogen die Lilien das Spiel auf ihre Seite, nach 60 Minuten prangte eine 2:1-Führung auf der Anzeigetafel. „Nach dem 2:1 herrscht dann natürlich auch eine gewisse Euphorie. Und dann kassieren wir zwei Tore nach Ecken durch denselben Spieler“, fasste Schuhen zusammen, was seiner Mannschaft innerhalb von zwei Minuten den Sieg entriss. Zwei Kopfballtreffer des Heidenheimer Kapitäns Patrick Mainka sorgten dafür, dass der Mitaufsteiger von der Ostalb schlussendlich die Oberhand behielt.

Chancen nutzen, Fehler minimieren

 „Es ist eine Niederlage, die auf jeden Fall zu verhindern gewesen wäre“, resümierte Gjasula treffend. „Es tut weh. Nicht nur wegen der Tabelle, sondern weil wir uns für den Auftritt nicht belohnt haben. Wenn du hier zwei Tore schießt, dann musst du etwas mitnehmen.“ Dass dies nicht gelang, lag schlussendlich an der Standardstärke der Heidenheimer. Und daran, dass die Lilien es nicht schafften, diese zu verteidigen. Gjasula: „Wir haben jetzt zwei Spiele in Folge verloren und dabei alle vier Tore nach Standards kassiert. Das zeigt zwar, dass wir aus dem Spiel nicht viel zulassen, aber Standards gehören eben auch zum Fußball. Das müssen wir besser verteidigen.“

Eine Mannschaft wie der SV Darmstadt 98 wird in der Bundesliga nur dann punkten, wenn sie die eigenen Chancen bestmöglich nutzt und umgekehrt die eigenen Fehler minimiert. Auch deshalb schmerzte die Niederlage von Heidenheim besonders, wie Gjasula zugab: „Es gibt Spiele, in denen man unterlegen ist, diese verliert man meistens. Deswegen musst du in den Spielen etwas mitnehmen, in denen du besser bist.“

Bochum, Köln, Heidenheim. Drei Spiele, in denen die Lilien mindestens auf Augenhöhe agierten, nach Abpfiff aber mit leeren Händen dastanden. Zwar beweisen die Begegnungen, dass der SV 98 absolut konkurrenzfähig ist – um das große Ziel des Klassenerhaltes zu erreichen, braucht es aber auch Punkte aus diesen Partien.

"Punkte holen, wo keiner damit rechnet"

„Wir sind heute niedergeschlagen und enttäuscht. Wir wollten unseren Fans heute etwas schenken und uns als Mannschaft belohnen“, bilanzierte daher auch Lieberknecht auf seine ehrliche Art und Weise, bevor er den Blick nach vorne richtete und anfügte: „Aber es wäre auch viel zu früh, die Flinte ins Korn zu werfen. Deswegen lautet das Motto: Punkte holen, wo keiner damit rechnet. Und jetzt kommt der VfL Wolfsburg.“

Am kommenden Samstag empfängt der SV 98 die Wölfe im Merck-Stadion. Auch dann werden sie wieder da sein. Die Darmstädter Fans. Weil sie es immer sind. „Speziell für diese Leute wollen wir jetzt Punkte holen“, versprach Schuhen, bevor er die Rückreise nach Darmstadt antrat. Zwar ohne Punkte, aber zumindest mit einem eindrucksvollen Bild in seinem Kopf. Und der Hoffnung, dass Visuelles und Zählbares möglichst schnell wieder zueinander finden.

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
Paul Fernie verlängert langfristig und rückt in Geschäftsführung auf
01.05.2026

Paul Fernie verlängert langfristig und rückt in Geschäftsführung auf

Kontinuität in der sportlichen Führung: Der SV Darmstadt 98 hat den Vertrag mit Paul Fernie vorzeitig und langfristig verlängert. Im Zuge der Ausdehnung seines Kontrakts rückt der bisherige Sportdirektor in die Geschäftsführung des Vereins auf und fungiert ab sofort als Geschäftsführer Sport.

„Man hat schon Pferde kotzen sehen“
30.04.2026

„Man hat schon Pferde kotzen sehen“

Unser Cheftrainer sprach auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC (3.5./13.30 Uhr) über die mentale Frische seines Teams, die Marschroute der verbleibenden Spielen und seinen Trainerkollegen, dessen Engagement nach sechs Jahren beim KSC nach dieser Saison endet. 

Der Karlsruher SC im Gegnercheck
30.04.2026

Der Karlsruher SC im Gegnercheck

Linker Haken, "Onehundredandeightyyyyyyy" und den Staffelstab übergeben. Hört sich nicht nach Fußball an - und das stimmt auch. Oft wird der KSC mit Profifußball in Verbindung gebracht, doch bei der Masse an Titel im Gesamtverein lohnt sich auch der Blick abseits des Fußballplatzes. Titel von Baden-Württemberg bis nach Rom.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum KSC-Spiel
30.04.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum KSC-Spiel

Lilien im Wildpark! Der SV Darmstadt 98 gastiert anlässlich des 32. Zweitliga-Spieltags am kommenden Sonntag (3.5./13.30 Uhr) beim Karlsruher SC. Geht die positive Bilanz aus den letzten Aufeinandertreffen aus Sicht der Lilien weiter? Setzen Florian Kohfeldt und Isac Lidberg ihre Serie gegen den KSC fort? Und hört Fabian Schleusener endlich mal auf, gegen den SV 98 zu treffen? Wir haben alle Zahlen & Fakten zum Spiel für Euch zusammengetragen.

Ein Spiel Sperre für Pfeiffer
27.04.2026

Ein Spiel Sperre für Pfeiffer

Das DFB-Sportgericht hat Patric Pfeiffer nach dessen Platzverweis gegen die SV Elversberg für eine Partie gesperrt.

Bölle-Energie
26.04.2026

Bölle-Energie

Als sich Florian Kohfeldt in der Halbzeitpause der Mannschaftskabine näherte, da hörte der Cheftrainer der Lilien genau einen Satz: „It’s not finished“. Ausgesprochen hatte ihn Fraser Hornby und damit die Marschroute für seine Teamkollegen und sich selbst festgelegt. Was folgte, war eine besondere zweite Hälfte des SV 98 und ein Punkt gegen die SV Elversberg, der für die Aufstiegsträume in Südhessen zwar zu wenig sein dürfte, aber trotzdem für Stolz bei den Lilien sorgte.

„Sind physisch über uns hinausgewachsen“
25.04.2026

„Sind physisch über uns hinausgewachsen“

Bis zum Schluss in Unterzahl gekämpft und alles probiert. Doch am Ende müssen die Lilien im ausverkauften Merck-Stadion am Böllenfalltor mit einem 3:3 gegen die SV Elversberg leben. Wie ordnen die Darmstädter Protagonisten die leidenschaftlichen 90 Minuten am Bölle ein? Was sagen beide Cheftrainer zur Partie? Wir haben alle Stimmen für Euch zusammengefasst.

Punkt gegen Elversberg
25.04.2026

Punkt gegen Elversberg

Kein Sieger im Verfolgerduell: Mit 3:3 (2:3) endet das Heimspiel der Lilien gegen die SV Elversberg. Nach zuletzt drei Niederlagen konnte der SV 98 zumindest wieder einen Zähler einfahren und steht nun bei 51 Saisonpunkten. Für die Südhessen trafen Pfeiffer (14.) und Hornby (15., 51.).

Furukawa und Petretta starten
25.04.2026

Furukawa und Petretta starten

Heimspieltag im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Anlässlich des Samstagabendspiels am 31. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga empfängt der SV Darmstadt 98 die SV Elversberg. Und Cheftrainer Florian Kohfeldt verändert seine Startelf gegenüber der Vorwoche auf zwei Positionen. Raoul Petretta ersetzt Fabian Nürnberger (Oberschenkelprobleme). Außerdem startet Yosuke Furukawa für Killian Corredor gegen das Team aus dem Saarland.

Matchday kompakt: Alle Infos zum Elversberg-Spiel
24.04.2026

Matchday kompakt: Alle Infos zum Elversberg-Spiel

Auf ein Neues unter Flutlicht. Am Samstagabend (25.4./20.30 Uhr) spielen die Lilien gegen die SV Elversberg. Wie fallen die Meinungen der Trainer vor dem Spiel aus? Wer pfeift, wer überträgt und kommentiert das Spiel? Und mit welchem Wetter können die Lilien-Fans im Stadion rechnen? Alle Infos für euch in „Matchday Kompakt“ zusammengetragen.

„Darmstadt 98 kann hinfallen, aber liegen bleiben ist keine Option“
24.04.2026

„Darmstadt 98 kann hinfallen, aber liegen bleiben ist keine Option“

Mit welchem Gedanken blickt Florian Kohfeldt auf das Duell am Samstagabend (25.4./20.30 Uhr) gegen die SV Elversberg? Wo sieht er die Stärken des kommenden Gegners? Und wie will seine Mannschaft nach zuletzt drei Niederlagen wieder punkten? Diese und weitere Fragen beantwortete der Lilien-Cheftrainer auf der Pressekonferenz am Freitag (24.4.) in den Katakomben des Merck-Stadions am Böllenfalltor. Wir haben die wichtigsten Kohfeldt-Aussagen aus der PK für Euch zusammengefasst.

Die SV Elversberg im Gegnercheck
23.04.2026

Die SV Elversberg im Gegnercheck

Im Fußballkosmos ist eine Fahrstuhlmannschaft ein Team, das zwischen zwei Ligen pendelt - zu gut für die eine Liga, aber nicht ganz auf dem Niveau der nächsthöheren Liga. Die Folge ist zumeist: viele Aufstiege und viele Abstiege. Doch die SV Elversberg ist gerade dabei, den Begriff neu zu definieren. Denn seit einigen Jahren fährt der Fahrstuhl die SVE nahezu ausschließlich nach oben.