„Können auf dieser Leistung aufbauen“
Gegen den Tabellenfünften aus Magdeburg bleibt der SV 98 auch im vierten Heimspiel in Folge im Merck-Stadion am Böllenfalltor ungeschlagen. Die Stimmen zum Spiel:
Paul Fernie ist nun auch offiziell eine Lilie. Der neue Sportdirektor des SV Darmstadt 98 hat in dieser Woche seine Arbeit aufgenommen. Seine offizielle Vorstellung fand am Dienstag (16.4.) im Rahmen einer Pressekonferenz zusammen mit Vereinspräsident Rüdiger Fritsch im Merck-Stadion am Böllenfalltor statt. Wir haben die wichtigsten Aussagen beider Protagonisten für Euch zusammengestellt.
Die Hauptbotschaft lautet: Wir haben mit Paul Fernie einen neuen Sportdirektor. Er hat zunächst einmal einen Vertrag über drei Jahre erhalten, Laufzeit also bis zum 30. Juni 2027. Nach der Freistellung von Carsten Wehlmann haben wir den Januar intern aufgefangen und dann den Februar genutzt, um ein Anforderungsprofil zu erstellen. Dort haben wir wichtige Punkte aufgelistet, die uns für die Neubesetzung des Postens wichtig waren. Davon gibt es selbstverständlich viele und es war wichtig, eine Priorität zu finden, welche dieser wichtigen Punkte für uns am wichtigsten waren. Anfang März haben wir dann begonnen, uns konkreter mit Namen zu beschäftigen, zunächst einmal intern und mit Blick auf unser erstelltes Profil. Wenn ein solcher Posten im Profifußball frei wird, dann gibt es immer eine lange Liste an Bewerbern und an Beratern, die ihre Schützlinge ins Spiel bringen. Die Kunst war es aber, den richtigen Mann für Darmstadt 98 zu finden. Schlussendlich gab es zwei Kandidaten, die wir konkret im Visier hatten. Einer davon war Paul Fernie, für den wir uns schlussendlich entschieden haben. Und er sich umgekehrt für uns.
Eine Überschrift lautete natürlich Fachwissen, dieses sollte ein Sportdirektor selbstverständlich mitbringen. Konkret interessiert haben uns insbesondere die Scouting-Idee, die Überlegungen in der Kaderplanung und natürlich auch das vorhandene Netzwerk, damit eine entsprechende Spielerauswahl stattfinden kann. Uns waren zudem wichtig: Teamfähigkeit, Führungskompetenz, Kommunikationsfähigkeit. Der Kandidat sollte die Lilien-DNA verkörpern und er muss uns spüren lassen, dass er gemeinsam mit Darmstadt 98 in die Zukunft gehen möchte. Diese Dinge hat Paul allesamt verkörpert. Paul ist ein Wunschkind. Wir haben jemanden gesucht, der Darmstadt 98 auch als Chance sieht. Und nicht nur als Job.
Auf dem Papier ist der Zuständigkeitsbereich identisch zu dem von Carsten Wehlmann. Paul ist federführend verantwortlich für die gesamte sportliche Abteilung. Dazu gehören neben Trainerteam und Lizenzspielern auch die medizinische Abteilung und das Funktionsteam. Dabei spielt Teamfähigkeit natürlich eine große Rolle. Dennoch hat Paul große Gestaltungsfreiheiten und da kommt es natürlich immer auf jeden Einzelnen an, wie man diese Freiheiten zum Wohle des Vereins nutzt.
Ich habe einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Schon beim Warm-up am Sonntag gegen Freiburg konnte ich die Euphorie und Energie des Stadions spüren. Ich wollte eigentlich der Mannschaft zusehen, war aber ganz abgelenkt, wie laut die Fans schon vor dem Spiel waren. Das ist nicht selbstverständlich in dieser sportlichen Situation und einfach einzigartig hier in Darmstadt. Ich habe mich gestern dann bei der Mannschaft in der Kabine vorgestellt. Es war kurz und knackig. Intensiver wird es dann in den nächsten Tagen und Wochen.
Darmstadt 98 ist ein Verein voller Leidenschaft, Energie und Intensität. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Der SV Darmstadt 98 hat sich Stück für Stück weiterentwickelt – in der Struktur und auf dem Spielfeld. Dieses „sich immer weiterentwickeln“ ist genau meins. Wir passen sehr gut zusammen. Daher habe ich mich sehr gefreut, als der Anruf kam. Mir war sofort beim ersten Gespräch klar, dass es mit uns funktionieren kann. Es ist wichtig, eine Gemeinsamkeit in puncto Menschlichkeit zu spüren. Das Gefühl habe ich bei Darmstadt sofort gehabt. Wir können gemeinsam etwas aufbauen.
Wir haben einiges zu tun. Aber das ist normal. Priorität hat aktuell die Kaderplanung, da haben wir einen gewissen Zeitdruck. Ich mache mir aber keine Sorgen. In jedem Verein gibt es Leihspieler und auslaufende Verträge. Ich will nun meine eigenen Eindrücke von den Spielern sammeln und dann die Kaderplanung angehen. Ich habe den Wunsch, dass jeder die Mentalität besitzt, besser werden zu wollen. Diese Gier muss bei jedem Spieler und jedem Mitarbeiter da sein. Das erwarte ich von jedem. Mein Job ist es, ein Umfeld aufzubauen, in dem jeder besser werden kann.
Es gibt drei Säulen – das Live-, Video und Daten-Scouting. Man muss alle drei Säulen abdecken und die richtigen Entscheidungen treffen. Zudem braucht man ein gutes Netzwerk und gute Leute in der Scouting-Abteilung. Dann müssen die Spieler natürlich auch zu Darmstadt 98 passen. Überall auf der Welt gibt es Talente. Es geht darum, ein System und eine Struktur aufzubauen, damit wir die richtigen Spieler für den SV 98 finden können. Unsere Scouting-Abteilung braucht dafür eine gewisse Man-Power. Aber ich nehme mir die Zeit, um Entscheidungen darüber zu treffen, was wir brauchen.
Mein Lebenslauf ist nicht ganz normal (lacht). Ich bin niemand der Angst hat, etwas Neues auszuprobieren. Ich bin wissbegierig und versuche immer, einen Weg zu finden, um mich zu verbessern. Ich habe angefangen als Jugendtrainer, habe mich weiterentwickelt zum Performance-Analyst, war Co-Trainer, Scout und Chefscout. Zudem habe ich in vielen Ländern gearbeitet. In Deutschland zu arbeiten war dann eine neue Erfahrung und eine Zeit, die ich sehr genossen habe. Danach bin ich nach New York gegangen und habe auch dort viel gelernt und ein ganz neues Umfeld kennengelernt. 2021 bin ich zurück nach Deutschland, um in Wiesbaden als sportlicher Leiter meine Ideen einzubringen und umzusetzen. Insgesamt habe ich viele Erfahrungen gemacht, habe bei kleinen und großen Vereinen gearbeitet – mal mit mehr, mal mit weniger Geld.