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12.11.2023 / Profis

Zusammenhalt der Lilien-Familie

Zusammenhalt. Das steht für Verbundenheit. Für Gemeinschaftsgeist. Für Kollegialität und Geschlossenheit. Ein starkes Wort, welches im Fußball wie allgemein im Mannschaftssport so häufig seine Benutzung findet. Dass Zusammenhalt am Böllenfalltor auch gelebt wird, hat die vergangene Woche eindrucksvoll bewiesen. Es war eine emotionale Woche, in der der Fußball plötzlich in den Hintergrund rückte. Eine Woche, die gezeigt hat, auf was es im Leben wirklich ankommt. Familie. Und auf Zusammenhalt.

Am Montag (6.11.) war es, als der SV Darmstadt 98 die Nachricht veröffentlichte, dass die Lilien aus familiären Gründen vorerst auf Torsten Lieberknecht verzichten müssen (siehe Extrameldung). Ein Schlaganfall seiner Frau Simone erforderte seine volle Aufmerksamkeit. “Von uns als Verein erhält er jede erdenkliche Rückendeckung, um sich voll und ganz seiner Frau sowie seiner Familie widmen zu können“, hatte Vereinspräsident Rüdiger Fritsch daraufhin betont.

Die Gesundheit geht vor. Es macht mich sehr stolz, für Darmstadt 98 zu spielen, wo das so gelebt wird.

Christoph Zimmermann

Die Gesundheit der Familie? Das wichtigste im Leben – wichtiger als alles andere, wichtiger als Fußball. Wörter, die so im Fußballgeschäft schon häufig gefallen sind. “Und manchmal habe ich das Gefühl, dass es nur dann wichtigeres im Leben gibt, solange es nicht mit dem Fußball kollidiert”, kritisierte Christoph Zimmermann am frühen Samstagabend in der Mixed-Zone des Merck-Stadions am Böllenfalltor, um dann hervorzuheben: “Daher muss ich sagen, dass ich sehr glücklich über die Herangehensweise des Vereins und des Trainers bin. Ich bin sehr froh über die klare Linie: Die Gesundheit geht vor. Es macht mich sehr stolz, für Darmstadt 98 zu spielen, wo das so gelebt wird.”

Fußball am Bölle!

Denn schließlich stand am Ende dieser emotionalen Woche ja doch noch ein Fußballspiel auf dem Plan. Eine Partie, in der am Böllenfalltor zwei direkte Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga aufeinander trafen. Die Abwesenheit des Trainers sowie die zu kompensierenden Sperren (Maglica, Gjasula, Holland) und der kurzfristige Ausfall von Tobias Kempe (Schlag auf den Fuß) waren dafür allesamt keine gute Vorzeichen. Der Cheftrainer konnte zuhause vor dem TV-Gerät dennoch eine Mannschaft beobachten, die diese Ausnahmesituation annahm und schließlich auch meisterte. Auch wenn die dargebotenen 90 Minuten sicherlich kein fußballerischer Leckerbissen waren. “Doch darum geht es manchmal nicht”, sagte Marcel Schuhen nach einem torlosen Remis zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem 1. FSV Mainz 05. Fußball ist Ergebnissport. Und ein Punkt ist ein Punkt.

Gepunktet! Und das ohne Gegentor

Als “taktisch geprägt” und in der ersten Halbzeit als einen “Abnutzungskampf” bezeichnete Ovid Hajou auf der Pressekonferenz nach der Partie das Spielgeschehen. Der Co-Trainer hatte zusammen mit dem gesamten Trainerteam des SV 98 das Fehlen von Lieberknecht aufgefangen, die Vorbereitung auf das Mainz-Spiel übernommen und die Mannschaft am Samstagnachmittag betreut. Mit Erfolg. Schließlich konnten die Lilien nach drei Niederlagen in Folge gegen Leipzig, Bayern München und den VfL Bochum endlich wieder punkten. Zudem blieben sie erstmals in dieser Saison ohne Gegentreffer. Vor allem letzteres kristallisierte sich als ein Manko der vorangegangenen zehn Spieltage heraus. Mit 32 Gegentoren kassierten die Darmstädter bekanntlich ligaweit die meisten. “Es war wichtig, dass wir heute erstmals zur Null gespielt haben”, betonte daher Jannik Müller. “Zufrieden” genau darüber zeigte sich Hajou. Und Zimmermann unterstrich: “Ich bin froh, dass wir alle Situationen verteidigen konnten und erstmals die Null gehalten haben.”

Die knapp bessere Zweikampf- (54:46 Prozent) sowie Luftzweikampfquote (61:39 Prozent) untermauerten am 11. Spieltag die defensive Stabilität der Lilien, welche ihnen den achten Saisonzähler bescherte . Doch konnte sich der SV 98 mit leichten Ballbesitzvorteilen (57:43 Prozent) gerade im zweiten Durchgang auch einige Hochkaräter erspielen. Oscar Vilhelmsson gleich zweimal, Fraser Hornby, Mathias Honsak oder Marvin Mehlem verpassten in aussichtsreichen Positionen den Führungstreffer für die 98er. “Wir haben ein bisschen mehr am Dreier geschnuppert als die Mainzer”, erkannte Hajou folgerichtig. Weil aber auch der Gast aus Rheinland-Pfalz kurz vor Schluss beinahe den Lucky Punch hätte setzen können, einigten sich beide Parteien dann doch auf ein schlussendlich leistungsgerechtes Unentschieden.

Mitnehmen und darauf aufbauen

“Jeder konnte sehen, dass wir unser Herz auf dem Platz gelassen haben”, betonte Schuhen. Auch Müller attestierte seiner Mannschaft eine Leistung, “auf die wir aufbauen können”. Es sind diese positiven Dinge, die der SV Darmstadt 98 aus dieser emotionalen Woche mitnehmen kann – mit in die Länderspielpause, mit in das dann folgende Auswärtsspiel beim Europa-League-Teilnehmer SC Freiburg (25.11./15.30 Uhr).

Die Darmstädter, sie haben einen weiteren Zähler eingeheimst. Sie haben zu Null gespielt. Sie sind als Mannschaft noch enger zusammengerückt und haben ihrem Cheftrainer in einer schwierigen Woche den Rücken freigehalten. Damit er sich den Dingen widmen konnte, die viel wichtiger als der Fußball sind. Genau das ist es, was den Zusammenhalt der Lilien-Familie ausmacht.

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