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29.11.2023 / Profis

1. FC Köln im Gegnercheck

Endlich wieder ein Flutlichtspiel im Merck-Stadion am Böllenfalltor! Zum Auftakt in die Weihnachtszeit gastiert am Freitagabend (1.12./20.30 Uhr) der 1. FC Köln im Heimstadion der Lilien. Vor der Partie nehmen wir den Gegner aus dem Rheinland einmal genauer unter die Lupe.

Die Mannschaft des 1. FC Köln vor der Fankurve im RHeinEnergieStadion
DFL/Getty Images/Lukas Schulze

Juli 2021. Der 1. FC Köln verpflichtet einen neuen Trainer. Steffen Baumgart heißt er, soll das Ruder wieder rumreißen. Keine leichten Bedingungen für den neuen Coach. Der Effzeh, er kam frisch aus der Relegation – erst im Rückspiel rettete sich die Mannschaft durch einen 5:1-Erfolg gegen Holstein Kiel vor einem Abstieg in die 2. Bundesliga. Die Vorgabe für Baumgart war somit klar: Nicht schon wieder zittern, den Klassenerhalt sichern!

Und dann ging sie los, die erste Saison unter Steffen Baumgart. Von wegen zittern, den Abstieg vermeiden. Mit 52 Punkten, 14 Siegen, zehn Unentschieden sowie zehn Niederlagen standen die Kölner im darauffolgenden Sommer 2022 auf dem siebten Tabellenplatz und qualifizierten sich damit sogar für die Europa Conference League. Erstmals wieder Fußball auf dem internationalen Parkett seit der Saison 2016/17!

Auch in der vergangenen Saison lief es in der Folge vielversprechend für den Klub aus der Domstadt. Zwar mit zehn Punkten weniger auf dem Konto gelang den Kölnern auf Tabellenplatz elf dennoch der sichere Ligaverbleib. Doch in dieser Saison scheint das Thema Abstiegskampf, wieder in den Vordergrund zu rücken. Unter Baumgart ist es die erste Phase, in der es für den 1. FC Köln bislang noch nicht rund läuft. Die Lilien erwarten dennoch einen intensiven und mutigen Gegner, wenn es am Freitagabend (1.12) zu einem Aufeinandertreffen zweier direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt geht.

Der Trainer

Wie sagt man so schön? Der passt wie die Faust aufs Auge. Eine Aussage, die die Fans des 1. FC Köln über ihren aktuellen Cheftrainer Steffen Baumgart wohl unterschreiben würden. In Köln gilt der 51-Jährige nämlich durchaus als eine Art Kultfigur. Doch wie genau hat man sich den gebürtigen Rostocker an der Seitenlinie vorzustellen?

Outfit-technisch gestaltet sich das ganze recht simpel, allerdings mit hohem Wiedererkennungswert. Denn egal, welche Temperaturen draußen herrschen – ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint: Baumgart hat stets ein Kurzarm-Polo an. Gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger sagte er dazu nur: „Ich habe auch schon eine Jacke am Spielfeldrand getragen, aber die hat meine Beweglichkeit eingeschränkt.“ An Spieltagen trägt er dazu oftmals eine graue Schiebermütze auf dem Kopf. Eine Mütze, die einst sogar für Lieferengpässe im Kölner Fanshop sorgte. Dem Express verriet Baumgart in einem Gespräch: „Ich habe gesehen, dass der Verein eine im Katalog hat und gesagt: Die trag ich! Ich ziehe die Mützen auch privat ganz gerne auf, habe zuhause sechs, sieben Schiebermützen – sogar welche mit Ohrenschützern.“

In jeder Hinsicht ein besonderer Trainertyp also, der schon im Verlauf seiner Spielerkarriere stets seinen eigenen Kopf hatte. Baumgart kickte unter anderem für Hansa Rostock, Union Berlin, den VfL Wolfsburg oder den 1. FC Magdeburg. „Ich glaube schon, dass ich ein Spieler war, der nicht immer alles richtig gemacht und auch nicht immer „Ja und Amen“ gesagt hat“, berichtete er schmunzelnd im ZDF-Sportstudio. Wurde ein Verbot ausgesprochen, brach er es gerne mal. „Es wurde einst gesagt, wir dürften keinen Motorrad-Führerschein machen. Da habe ich mit 30 meinen Führerschein gemacht und bin mit dem Motorrad vor die Kabine gefahren“, lacht Baumgart.

Später als Cheftrainer coachte er unter anderem den SC Paderborn, stieg mit den Ostwestfalen in die Bundesliga auf und wechselte zur Saison 2021/22 in die Domstadt. Gleich in seinem ersten Jahr führte er den Effzeh gar auf Platz sieben und damit ins internationale Geschäft. Nach Rang elf in der vergangenen Saison stehen die Kölner aktuell auf dem letzten Tabellenplatz. Doch seine Art in der Coachingzone hat Baumgart über die Jahre nie verändert. Er ist emotional und lautstark, stets aktiv am Kommunizieren und das ohne Pause. „Ich wollte immer der Trainer sein, den ich selbst gern gehabt hätte“, sagte er im Sportstudio und erklärte: „Ich will gar nicht ruhiger sein. Ich habe das Gefühl, dass ich der Mannschaft so helfe und mir selber auch. Es ist mir egal, was andere davon halten, ich bin so und werde auch immer so sein.“ Es ist diese unkonventionelle Art des Fußball-Betreuens, die der Köln-Trainer an den Tag legt. Mit mentalem Vollkontakt ist er mit Haut und Haaren in seinem Coaching-Element, ohne neben all der Taktik und Emotionen den Faktor Spaß zu vernachlässigen. Auch seine Spielidee – basierend auf hoher Intensität, hohem Verteidigen, Pressing und konsequentem Flügelspiel – wird von seinen Spielern angenommen. In brenzligen Situationen haben Baumgart und der 1. FC Köln es bislang immer wieder geschafft, in den entscheidenden Spielen den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der 1. FC Köln am Freitagabend gegen die Lilien präsentiert. Und obwohl Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt angesagt sind, wird Steffen Baumgart mit hoher Wahrscheinlichkeit im Kurzarm-Polo im Merck-Stadion am Böllenfalltor an der Seitenlinie stehen.

Foto: EIBNER-Pressefoto/Joerg Niebergall

Transfermarkt

Top-Neuzugänge Top-Abgänge
Jeff Chabot (25, Sampdoria) Ellyes Skhiri (28, Eintracht Frankfurt)
Luca Waldschmidt (27, VfL Wolfsburg) Jonas Hector (33, Karriereende)
Jacob Christensen (22, Nordsjaelland) Ondrej Duda (28, Hellas Verona)
Faride Alidou (22, Eintracht Frankfurt) Timo Horn (30, Vereinslos)
Leart Paqarada (29, St. Pauli) Tim Lemperle (21, Greuther Fürth)

Prunkstück

Ein echtes Kölner Markenzeichen ist auch in dieser Saison das Flügelspiel. Bereits in der vergangenen Saison gehörte der 1. FC Köln hier zu den Spitzenreitern. Aktuell verbucht das Baumgart-Team nämlich mit 169 Flanken aus dem Spiel heraus den Liga-Bestwert in dieser Statistik. Ein Indiz dafür, wie sich der FC seine Torchancen erspielt. Zudem ist auch die Kilometertabelle ein Freund der Kölner. Mit 1.441,6 gelaufenen Kilometern ist die Mannschaft aktuell ganz oben mit dabei – nur Union Berlin (1.449,6), die TSG Hoffenheim (1.469,2) und Aufsteiger Heidenheim (1.469,4) haben noch größere Distanzen zurückgelegt. Am Ende der vergangenen Saison lag der Effzeh in dieser Statistik übrigens auf Platz eins.

All Eyes on ...

… den Fußballspieler mit der Immatrikulationsnummer. Wobei!? Genau genommen, hat der Kölner Innenverteidiger Timo Hübers sein Masterstudium in Wirtschaftswissenschaften im Frühjahr abgeschlossen. Doch startete seine Fußballkarriere parallel zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung. „Wenn man sich den typischen Fußballspieler anguckt, trägt der eine teure Uhr, Markenklamotten und fährt vermutlich ein dickes Auto. Es ist das komplette Konträr zu meiner Studenten-Babbel“, erzählte der 1, 90 Meter große Abwehrspieler einst im WDR-Podcast. Ursprünglich wollte Hübers mit dem Fußball eigentlich nur sein Studium finanzieren. Schließlich hatte er bereits zwei schwere Knieverletzungen erlitten. „Da war es wichtig, einen Plan B vor Augen zu haben“, berichtete er weiter.

Erst den Bachelor, dann noch das Masterstudium. Und nebenher auch noch die Fußballkarriere: Tagtägliches Training und Spiele am Wochenende. Um diese Komponenten vereinen zu können, bedurfte es einer Menge Fleiß und Disziplin. Für Hübers keine Aufgabe, die ihn vor größere Probleme stellen sollte. Bereits mit 13 Jahren wurde der heute 27-Jährige von Hannover 96 entdeckt, verbrachte seine gesamte Jugend dort und avancierte später zum Profi. In logischer Konsequenz studierte er natürlich an der Uni Hannover. Aber sorgt ein Fußballprofi auf dem Campus nicht für Aufsehen? „Ich war gefühlt jeden Tag da. Ich war viel in der Mensa, in der Bibliothek und generell auf dem Campus unterwegs. Eine schöne Abwechslung, um mal etwas aus der Fußballblase herauszukommen. Ich war gefühlt jeden Tag da, sodass es nichts besonders war, wenn ich da rumgelaufen bin. Ich war da nicht der Fußballprofi, sondern der Student“, stellte Hübers gegenüber dem Online-Portal „Geissblog“ klar.

Also kamen zu den Trainingseinheiten auf dem Platz wirtschaftswissenschaftliche Texte und Aufgaben am Schreibtisch obendrauf. Und dennoch galt sein Fokus dem Profifußball. Von der Hannoveraner U19 wechselte der Innenverteidiger in der Saison 2015/16 für ein Jahr zur zweiten Mannschaft des 1. FC Köln, um danach zu den 96ern zurückzukehren. Nach fünf Jahren im Hannoveraner Dress dann der erneute Wechsel. Wieder in die Domstadt. „Mit der Rückkehr zum FC schließt sich für mich ein Kreis: In meinem Jahr bei den Amateuren habe ich immer im Stadion gesessen, zugeschaut und wollte selbst gerne auf dem Rasen stehen. Dass das jetzt so gekommen ist, ist großartig“, betonte Hübers anlässlich seiner Verpflichtung im Sommer 2021 in den vereinsinternen Medien. Seither wächst er beim 1. FC Köln zu einem echten Führungsspieler heran. Trotz prominenter Abgängen wie beispielsweise Jonas Hector oder Ellyes Skhiri haben die Kölner mit Timo Hübers einen Mann in den eigenen Reihen, der sich gut in der Bundesliga sowie in der Mannschaft etabliert hat und Verantwortung übernimmt.

Foto: Eibner-Pressefoto/Thomas Thienel

Blick in die Vitrine

  • Deutscher Meister: 77/78, 63/64, 61/62
  • Deutscher Zweitligameister: 18/19, 13/14, 04/05, 99/00
  • Deutscher Pokalsieger: 82/83, 77/78, 76/77, 67/68
  • Westdeutscher Pokalsieger: 63/64, 52/53

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