„Eine hochverdiente Niederlage“
Wir haben die Stimmen nach der deutlichen Auswärtsniederlage beim KSC zusammengefasst.
Es waren beeindruckende Szenen, die sich da im Merck-Stadion am Böllenfalltor abspielten. Weit nach Ablauf der regulären Spieldauer, die achte Minute der Nachspielzeit war gerade angebrochen. Da erhob sich noch einmal das gesamte Stadion – die einen von ihren Sitzen, die anderen standen eh schon. Südtribüne und Gegengerade, Nord- und Haupttribüne. Dass die Lilien dem deutschen Rekordmeister wenig später mit 2:5 unterliegen würden, stand da bereits schon fest. Doch alle gemeinsam besangen sie lautstark ihren geliebten Sportverein und machten dabei vor allem eines deutlich: Das Merck-Stadion am Böllenfalltor zieht an einem Strang.
Die Mannschaft auf dem Platz, die Lilien-Fans auf den Rängen. “Im Stadion hat man gemerkt, dass der Zusammenhalt da war”, sollte Torsten Lieberknecht später auf der Pressekonferenz verdeutlichen. Daher drehte die Mannschaft nach Abpfiff auch eine komplette Runde durch das Darmstädter Stadion. Nicht auf dem Rasen, sondern hinter der Werbebande direkt an den Zäunen mit den ausgestreckten Händen der Fans entlang – von der Südtribüne die ganze Gegengerade entlang vor die Nord- und zurück zur Haupttribüne. Nicht um sich trotz Niederlage abfeiern zu lassen, sondern um das enge Band zum eigenen Anhang zu demonstrieren. “In die Gesichter der Fans zu gucken, gibt extrem viel Kraft. Unsere Fans haben heute einmal mehr ihr Gespür bewiesen”, betonte Fabian Holland.
Bereits im Vorfeld der Partie hatten die Südtribüne sowie die Gegengerade und der A-Block in einem gemeinsamen Statement das Motto “All together now” ausgerufen. Es geht nur gemeinsam. Schon das Einlaufen zum Warmmachen zeigte, dass auch die Mannschaft bereit war, das ganze Stadion mitzunehmen. Nicht wie üblich direkt in ihre Hälfte laufend, drehten die Lilien auf dem Rasen erst eine komplette Runde durchs Böllenfalltor und holten sich den anfeuernden Applaus aller Tribünen ab. Und auch während der 90 Minuten ließ der SV Darmstadt 98 trotz der 2:5-Niederlage gegen den FC Bayern München sein blau-weißen Herz auf dem Rasen. Holland: “Die Fans haben gesehen, dass wir alles versucht und alles auf dem Platz gelassen haben.”
So warfen sich die Lilien bereits von Beginn an in alle Bälle, die auch nur annähernd in Richtung des eigenen Tores flogen. “Hinten haben wir gut verteidigt und uns in alles reingeschmissen”, erkannte auch Tim Skarke an, der im Verlauf der ersten Halbzeit für den großen Glücksmoment sorgte und mit seinem Treffer zum 1:0 das Böllenfalltor zum Beben brachte. Auch so ein Beweis dafür, dass es nur gemeinsam geht. Mathias Honsak, der sich zuvor durch die Abwehr des deutschen Rekordmeisters dribbelte, hätte auch selbst abschließen können. “Doch er sieht mich und legt überragend auf mich ab. An diesem Tor hat man den Teamgedanken gesehen”, lobte die Nummer 27 des SV 98.
Die Südhessen, sie zeigten sich couragiert und vor allem leidenschaftlich in der Defensive. Auch ihren Offensivmut ließen die Lilien gleich mehrfach aufblitzen. So erzielten Skarke und Oscar Vilhelmsson zusammen zwei Tore gegen den Rekordmeister. Der schwedische Angreifer traf zudem die Latte, Sebastian Polter den Pfosten. Und dann hielt bei einem Honsak-Abschluss in der ersten Halbzeit auch noch Manuel Neuer seine Mannschaft im Spiel. Klar aber auch, dass sich der SV Darmstadt 98 über die gesamte Spieldauer einer brachialen Qualität des FC Bayern München ausgesetzt sah. 7:27 Torschüsse sollte die Statistik später zugunsten der Münchner zählen. Der Rekordmeister? Er hat eine Ausnahmemannschaft, die neben so vielen anderen Weltklassespielern mit Jamal Musiala auch noch einen absoluten Ausnahmespieler in ihren Reihen hat. Er trug sich gleich zweimal in die Torschützenliste ein, dazu je einmal Harry Kane sowie Serge Gnabry und Mathys Tel. “Es war schwierig, die Wucht der Bayern zu verteidigen”, musste Skarke gestehen und schob dann deutlich hinterher: “Wir sind drangeblieben und haben nie zurückgesteckt. Wir haben auch den Glauben nie verloren und sind als Team aufgetreten. Das muss uns Mut geben.”
Wenn wir etwas Großes erreichen möchten, was noch möglich ist, sollten wir weiter daran glauben und als Gemeinschaft in dieser schwierigen Liga und dieser herausfordernden Saison nicht nachlassen.
Mut für die nächsten, so herausfordernden Spieltage. Zunächst aber verabschiedet sich die Bundesliga in die Länderspielpause. Doch dann warten immens wichtige Wochen auf den SV Darmstadt 98, der in diesen zwingend punkten muss, um den Traum vom Klassenerhalt weiter am Leben zu halten. “Wir wissen, dass die nächsten Wochen entscheidend sind”, so Holland. Erst kommen die beiden Auswärtsspiele in Bochum und Mainz, danach geht es zuhause gegen Freiburg und dann wieder auswärts gegen Köln. Während sich die Lilien noch immer mit 13 Zählern am Tabellenende befinden, beträgt der Abstand zum Relegationsplatz, den die Mainzer aktuell innehaben, sechs Punkte. Und dass dieser Abstand so schnell wie möglich zu schmelzen beginnen muss, ist allen Beteiligten klar. Torsten Lieberknecht: “Wenn wir etwas Großes erreichen möchten, was noch möglich ist, sollten wir weiter daran glauben und als Gemeinschaft in dieser schwierigen Liga und dieser herausfordernden Saison nicht nachlassen.” Denn eines hat dieser Samstagnachmittag trotz der 2:5-Niederlage gegen Bayern München gezeigt: Es geht nur gemeinsam.