15.12.2024 / Profis
Analyse: So kam es zum 5:1-Heimsieg
5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Und ein deutliches Zeugnis der positiven sportlichen Entwicklung des SV Darmstadt 98. Nach einer langen Zeit der offenen Tür schaffen es die Lilien gemeinsam Stück für Stück, das Merck-Stadion am Böllenfalltor wieder in eine Festung zu verwandeln. Was waren die Gründe für das fünfte ungeschlagene Heimspiel in Serie? Und welche Szene hat den SV 98 endgültig auf die Siegerstraße gebracht? Wir blicken auf den beeindruckenden Auftritt unter Flutlicht zurück.
Szene des Spiels:
Das 2:0 kurz vor der Pause. Zugegeben, wir haben lange mit uns gerungen, ob nun das 2:0 oder das 3:0 bedeutsamer für das Spiel der Lilien war. Auch für den dritten Treffer hätte man sicherlich trefflich Argumente finden können, schließlich war das Tor von Luca Marseiler so etwas wie der berühmt-berüchtigte Deckel, der auf die Partie geschraubt wurde. Letztendlich prangt hier aber Fraser Hornbys Schuss aus der Drehung, weil er mental so wichtig war. Schließlich verhinderte das Tor zum 2:0 zumindest jenen unzufriedenen Gang in die Kabine, welchen die Südhessen trotz 45 hervorragend bestrittener Minuten vermutlich angetreten wären. Das Gefühl nämlich, dass man aus der starken Leistung zu wenig Tore herausgeschlagen hätte. Gewiss, der SV 98 hätte im ersten Durchgang noch häufiger jubeln können. Aber das 2:0 sorgte zumindest für eine etwas erfülltere Halbzeitpause. „Zur Pause müssen wir eigentlich noch höher führen“, bilanzierte Florian Kohfeldt hinterher, der Trainer merkte aber auch an: „Bei einem 5:1 sollten wir nicht zu viele Wenn und Abers suchen.“
Das lief gut:
Die Defensive. Bei fünf erzielten Toren geht der Blick naturgemäß eher in die andere Richtung des Feldes. Und doch wird immer sichtbarer, dass die Mannschaft sich defensiv absolut eingegroovt hat. Gegen Münster spielte man das erste Mal seit Ewigkeiten zu Null, in der folgenden Partie gegen den Bundesligisten Werder Bremen verteidigten die Lilien mit höchster Leidenschaft und Verve über 94 Minuten (fast) alles weg und auch beim Hamburger SV ließ man das bis dato offensivstärkste Team der Liga dank eines konzentrierten Auftritts nur selten zur Entfaltung kommen. Den 1. FC Kaiserslautern stressten die Lilien mit einem Ganzfeld-Pressing über die gesamte Spielzeit und verlagerten somit die Partie weit weg vom eigenen Tor. Kohfeldt: „Für mich haben wir herausragend verteidigt. Ich glaube, Kaiserslautern hatte zu keinem Zeitpunkt Ruhe im Spiel mit dem Ball. Und das ist die Basis, die für uns dann dafür gesorgt hat, dass wir auch immer wieder das Gefühl hatten, dass wir vorne gefährlich werden können.“
Die Offensive. „Wir haben die Räume hinter der Kette von Kaiserslautern sehr gut genutzt, haben häufig auf unsere schnellen Spieler in die Tiefe spielen können“, erklärte Clemens Riedel in der Mixed Zone: „Das hat wirklich gut geklappt.“ Stimmt: Riedel uns seine Mitspieler drückten die Roten Teufel vom Beginn weg tief in die eigene Hälfte, legten sich den Gegner zurecht, um dann mit gezielten Angriffen immer wieder gefährlich vor das Tor zu gelangen. Marseiler: „Das Trainerteam hat uns wieder gut vorbereitet, alle haben sich an den Plan gehalten, jeder Spieler wusste, was er zu tun hat.“ Klar erkennbar war der Matchplan am Samstagabend: Mit genau getimten Chips brachte man die Hintermannschaft der Gäste oft in Verlegenheit, sorgte für Zuordnungsprobleme und viele Fragzeichen beim Gegner. „Sei es nach einer Balleroberung, sei es aus dem Spiel heraus. Aus allen Facetten des Offensivspiels waren wir in der Lage, Torgefahr zu erzeugen“, analysierte Kohfeldt im Anschluss an die PK in einer Medienrunde mit den Journalisten. Erkennbar ist, dass die Lilien flexibel in ihrer Herangehensweise sind. Zuletzt spielte man häufig über das Zentrum, gegen Kaiserslautern wurde es mit vielen gegenläufigen Bewegungen häufig überbrückt. Diese Variabilität macht Mut für die abschließende Partie im Jahr 2024 beim Jahn Regensburg. Und darauf verwiesen auch fast unisono alle Beteiligten in blau-weiß. Ein gelungener Heimspiel-Abschluss, ja. Aber noch steht eine Aufgabe in diesem Kalenderjahr an.
Das lief nicht gut:
Die Verletzung von Isac Lidberg. Die Chancenverwertung im ersten Durchgang wurde bereits angerissen, deswegen an dieser Stelle: Gute Besserung, Isac! Der Schwede verletzte sich nach rund einer Viertelstunde am Oberschenkel und musste kurz darauf ausgewechselt werden. Darüber hinaus gibt es diesmal in dieser Rubrik nicht viel zu lesen, wir halten es mit unserem Cheftrainer: „Ich möchte die Mannschaft ausdrücklich loben für die in Gänze beste Saisonleistung. Und dementsprechend bin ich natürlich extrem zufrieden.“
Zitat des Tages
Wenn die im Training zwei Fehlpässe spielen, dann drehen die durch. Und das ist eine richtig gute Mentalität. Und deshalb ist das eine geile Mannschaft.