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14.03.2026 / Profis

Ein gewonnener Punkt

Die Lilien sind in Magdeburg 60 Minuten lang die schwächere Mannschaft, zeigen aber eine beeindruckende Reaktion auf den zwischenzeitlichen Rückstand und nehmen schlussendlich einen Punkt mit nach Südhessen. In unserer Analyse blicken wir auf turbulente Minuten nach dem 0:1 und erläutern die Gründe dafür, dass dem SV 98 über lange Zeit der Zugriff auf die Gastgeber fehlte.

Foto: Pia Kisgen

Szene des Spiels:

Die Minuten nach dem 0:1: „Wir waren 60 Minuten lang die schlechtere Mannschaft. Das 0:1 war verdient.“ Gewohnt ehrlich blickte Florian Kohfeldt nach dem Abpfiff auf das Spielgeschehen. Eine Stunde lang hatte der 1. FC Magdeburg mit Ballsicherheit und Intensität überzeugt, dem SV 98 nur wenige Ballgewinne ermöglicht und speziell vor der Pause eine Führung liegenlassen. Das unglückliche Eigentor von Fabian Nürnberger in der 62. Minute war daher in gewisser Weise eine gerechte Belohnung für die Gastgeber und sorgte dafür, dass in diesem Moment nicht mehr viele Leute auf einen Auswärtspunkt des SV 98 gesetzt hätten. Doch die Südhessen antworteten in einer beeindruckenden Manier. Nur knappe drei Minuten nach dem Rückstand scheiterte Nürnberger aus sehr guter Position („Den muss ich machen“) an FCM-Keeper Reimann, bevor er in der 67. Minute aus der Distanz mit einem abgefälschten Versuch in die Maschen traf.

Es zeichnet die Lilien in dieser Saison aus, dass sie auch an Tagen, in denen sie nicht an ihr Leistungslimt herankommen, etwas Zählbares mitnehmen können. Insbesondere, weil sie in jedem Spiel und in jedem Moment den Glauben an einen eigenen Treffer behalten. „Heute war ein Spiel, in dem wir letztes Jahr auseinandergebrochen wären“, resümmierte Kohfeldt und erinnerte an den Auftritt der Lilien an selber Stelle in der Vorsaison, bei dem das Team mit 1:4 unterlag. 

Die Minuten nach dem Gegentreffer waren ein erneuter Beweis für die mentale Stärke des SV 98 in dieser Saison, die auch an fußballerisch schwächeren Tagen für Ertrag sorgen kann. 

Das lief gut:

Die letzte halbe Stunde: Es wäre falsch, die Phase nach dem Rückstand bis zum Abpfiff als herausragend oder bärenstark zu titulieren. Aber die Leistung der Lilien in diesem Zeitraum war doch eine bemerkenswerte. Weil es eben alles andere als einfach ist, nach einem Rückstand und einem bis dato schwächeren Spiel noch einmal in einer Partie zurückzufinden. Insbesondere, wenn mit Fraser Hornby, Killian Corredor, Raoul Petretta und Niklas Schmidt (zu diesem Zeitpunkt bereits mit Schwindel ausgewechselt) wichtige Akteure nicht zur Verfügung stehen und man in einem derart stimmungsvollen (trotz der Blocksperre) Stadion einem 0:1 hinterherrennt. 

„In der letzten halben Stunde hätten wir es sogar noch drehen können“, erklärte Kohfeldt, der von einer „offenen Partie“ in diesem Zeitraum sprach. Grundsätzlich herrschte bei allen Lilien Einigkeit darüber, dass das Unentschieden angesichts der ersten 60 Minuten einen gewonnen Punkt darstellte, dennoch war auch zu sehen, dass der SV 98 bis zur 98. Minute den Weg nach vorne suchte, bei Abpfiff drei nominielle Stürmer auf dem Platz hatte und sich auch an einem solchen Abend nicht mit dem einen Zähler zufriedengeben wollte. Auch, wenn dieser schlussendlich durchaus zufriedenstellend war. 

Fotos: Tom Sauels & Pia Kisgen

Das lief nicht gut:

Zugriff und Sauberkeit. Dass der SV 98 eine gute Stunde lang nicht so richtig in die Partie fand, lässt sich an verschiedenen Punkten festmachen. Bekanntermaßen ist der 1. FC Magdeburg eine Ballbesitzmannschaft. Trotz ihres Tabellenplatzes führt der FCM diese Statistik ligaweit mit 56 Prozent sogar an. Das Team von Petrik Sander zeichnet eine hohe Ballsicherheit und Kontrolle aus, gleichzeitig sorgt diese Spielweise aber auch für Chancen im Umschaltspiel des jeweiligen Gegners. „Entscheidend ist es, nach Ballgewinn die Räume zu finden, die sie einem dann bieten. Das haben wir heute nicht so richtig geschafft“, fasste Fabian Holland nach Abpfiff zusammen. 

Das lag auch daran, dass der SV 98 generell nur wenige Eroberungen verzeichnete. „Magdeburg ist ein spezieller Gegner, den man nur pressen kann, wenn man perfekt abgestimmt ist“, so Kohfeldt in seinem Fazit, um in der Folge anzumerken, dass ebendiese Abstimmung an diesem Freitagabend in seiner Mannschaft nicht vollends vorhanden war. Begründet lag dies auch an den erneuten Umstellungen innerhalb des Teams und dem Abweichen vom ursprünglichen Plan der Viererkette, die nach dem Ausfall Petrettas in dieser Form nicht mehr umsetzbar war, da Fabian Holland im direkten Duell mit dem pfeilschnellen Rayan Ghrieb immer wieder von Luca Marseiler unterstützt wurde, sodass der SV 98 bis zur 60. Minute überwiegend in einer Fünferkette agierte. Erst nach der Einwechslung Nürnbergers konnte Kohfeldt auf das ursprünglich angedachte System umstellen, die Lilien hatten nun einen deutlich besseren Zugriff auf den Spielaufbau der Magdeburger und fanden so in ihre beste Phase der Partie. 

Zum lange fehlenden Zugriff auf den FCM gesellte sich beim SV 98 zudem eine Unsauberkeit im eigenen Passspiel (Holland: „Das können wir viel besser machen“), die dafür sorgte, dass sich die Lilien nicht wie gewünscht aus dem Pressing befreien konnten und (zu) oft den weiten Schlag auf Isac Lidberg als Lösung wählten, wie auch Holland eingestand: „Isac musste gegen drei, vier Leute spielen, die Lücke war zu groß, da hätten wir schneller nachschieben müssen oder besser aus dem Druck raus spielen und nicht den langen Ball suchen. Das haben wir dann auch in der Halbzeit angesprochen, danach wurde es besser.“ 

Mit Blick auf diese Problematik gestand Cheftrainer Kohfeldt auch ein, dass der Mix an Spielertypen, die an diesem Freitagabend auf dem Feld stand, nicht optimal gewesen sei: „Killi und Fraser sind Spielertypen, die aus ihren Positionen heraus die Tiefe bedrohen. Die Mischung zwischen Spielern, die entgegenkommen und denen, die die Tiefe suchen, die hat heute nicht gestimmt. Aber es war eben auch niemand mehr da.“

Schmidt, Richter, Klefisch und Akyiama verkörpern eher den ballsicheren Kombinationsspieler und neigen dazu, sich ein wenig fallen zu lassen, um sich die Bälle abzuholen und frühzeitig im Spielaufbau eingebunden zu sein. Luca Marseiler, der immer wieder in die Tiefe stößt, war an diesem Abend aufgrund der taktischen Ausrichtung häufig in der eigenen Hälfte gebunden und hatte dadurch nach Ballgewinn oder im Spielaufbau einen weiten Weg vor sich. So lässt sich die Vakanz im Raum um Lidberg erklären, der an diesem Tag einen schweren Stand hatte, sich aufrieb, aber auch erst in der Schlussphase des Spiels zu Strafraumaktionen kam. 

Erkenntnisse, die Kohfeldt mit Blick auf die Partie wie folgt zusammenfasste: „Das ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung dafür, dass wir 60 Minuten die schwächere Mannschaft waren. Unser Spiel war nicht gut, das muss man so sagen. Mit dem Rückstand und der Gesamtgemengelage können wir heute wahrscheinlich von einem gewonnenen 1:1 sprechen.“

Dabei wollen auch wir es belassen und den Blick nun auf das kommende Wochenende richten. Das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 am Samstagabend (21.3./20.30 Uhr).

Zitat des Tages:

Es ist kein Abend zum Jubeln. Kein Abend zum Träumen. Sondern ein nüchterner Abend mit einem etwas glücklichen Punktgewinn.

Florian Kohfeldt

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