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18.01.2025 / Profis

Auftakt geglückt: Das Comeback in der Analyse

Im ersten Rückrunden-Spiel den ersten Zähler 2025 eingesammelt. Und das auch noch bei der Düsseldorfer Fortuna, bei der die Gastspiele der Lilien schon seit Jahrzehnten nicht von Erfolg gekrönt waren. Ein gelungener Auftakt ins Pflichtspieljahr, welches mit einer großen Willens- und Standardstärke zusammenhängt. Dass es aber überhaupt eines Comebacks bedurfte, war ebenso ärgerlich. Wie gewohnt schauen wir in der Nachlese auf die wichtigsten Erkenntnisse der 90 Minuten beim 2:2 des SV Darmstadt 98 in Düsseldorf.

Szene des Spiels:

Corredors Doppelschlag. Nicht die eine Szene, aber ein kurzer, wichtiger Zeitraum: Mit dem Düsseldorfer Treffer zum 2:0 (61.) schien es, als sei die Fortuna endgültig auf die Siegerstraße eingebogen. Zu druckvoll waren die Hausherren aus der Pause gekommen. Doch die Lilien rappelten sich nach dem Nackenschlag sofort auf und erzielten bereits acht Minuten später den Anschlusstreffer. Luca Marseiler war im Strafraum von den Beinen geholt worden, Killian Corredor verwandelte aus elf Metern überlegt. Damit nicht genug: Der Franzose wollte sogar noch ein „Encore“ und traf nur vier Zeigerumdrehungen danach erneut. Einen Eckball bugsierte Aleksandar Vukotic per Kopf in den Fünfmeterraum, von wo Corredor aus kürzester Distanz einnickte. Die Torfolge sorgte im zweiten Durchgang endgültig für Auftrieb, im weiteren Spielverlauf hatten die Südhessen dann sogar weitere Momente, um sogar zum – zugegebenermaßen dann etwas glücklichen – Auswärtssieg zu kommen. 

Das lief gut:

Die Moral. Die oben beschriebenen Momente liefern eine wunderbare Überleitung zum augenscheinlichsten Punkt in dieser Rubrik. Die Comeback-Qualitäten des SV 98. „Moral“ war hinterher dementsprechend ein häufig verwendetes Wort der Protagonisten. Während Cheftrainer Florian Kohfeldt ein „großes Kompliment“ für ebenjene Moral an seine Mannschaft aussprach, drückte auch der emsige Marseiler seinen „Stolz“ auf das Team aus: „Wir haben eine gute Moral in der Mannschaft, um solche Spiele noch zu drehen. Das hat man heute gesehen.“ Zu sehen war damit gleichzeitig der insgesamt neunte Punkt nach Rückstand unter Kohfeldt und ein weiterer Beleg, dass die Mannschaft unter ihrem Cheftrainer selbst in schwierigen Momenten im Spiel den Glauben an die eigene Stärke besitzt. Kohfeldt selbst ordnete das Erlebte wie folgt ein: „Obwohl die Mannschaft in vielen kleinen Dingen heute nicht so sauber war und nicht ans Leistungslimit gekommen ist, ist es schlussendlich ein hochverdienter Punkt. Allerdings auch einer, der nach diesem Spielverlauf zwischenzeitlich nicht mehr unbedingt zu erwarten war.“

Die Standards. In der Winter-Vorbereitung wurde ein großes Augenmerk auf die Standards gelegt. Im Trainingslager in El Saler hatte das Team am Ende jeder Trainingseinheit das Verhalten beim ruhenden Ball gelegt. Mit Erfolg, wie das Auswärtsspiel im Rheinland untermauerte. Zählt der Elfmeter zum 1:2 noch in die Kategorie „Standards, die man machen muss“, belegte insbesondere der Ausgleich die akribische Detailarbeit von Mannschaft und Trainerteam – insbesondere von Co-Trainer Darius Scholtysik, welchen Kohfeldt bei Sky explizit namentlich hervorhob. Beim 2:2 setzte sich Vukotic klug ab, anstatt sich in die gefährliche Zone zu bewegen. Den punktgenauen Eckball beförderte er dann zentral vor das Tor, wo Teamkollege Corredor lauerte und verwandelte. Schön, wenn Pläne aufgehen.

Das lief nicht gut:

Der Rucksack für die Halbzeit. Kohfeldt sprach im Anschluss von einer „typischen ersten Halbzeit nach einer Pause“. Heißt: Hier und da ein paar Unkonzentriertheiten auf beiden Seiten und insgesamt ein Motor, der noch nicht komplett rund lief. Zwar hatte Darmstadt bis dato insgesamt mehr von der Partie, dennoch schnürte man die Fortuna auch nicht komplett in deren Hälfte ein. Ein Spiel mit Anlaufschwierigkeiten also, welches ohne große Ereignisse auf ein 0:0 zur Halbzeit hinsteuerte, ehe die Hausherren mit ihrer ersten richtigen Aktion im Spiel die Führung erzielten. „Wir haben uns in ein paar Momenten verloren. Wir müssen weiter daran arbeiten, den Moment zu fühlen“, skizzierte der Lilien-Cheftrainer und führte dann aus, was er damit konkret meinte: „Linie oder Kette überspielen, im Kombinationsspiel bleiben und vor allem mit einem 0:0 in die Halbzeit gehen. Da musst du einfach fühlen, dass das nicht die Halbzeit ist, in der du dir die Sachen erlauben darfst wie vor dem Gegentor.“

Der Wiederanpfiff. In der bisherigen Zeit und Kohfeldt schafften es die Lilien meist, in der Halbzeit an wichtigen Stellschrauben zu drehen, um mit noch mehr Verve und Zielstrebigkeit die zweiten 45 Minuten zu bestreiten. Am Freitagabend trat die Fortuna im zweiten Spielabschnitt jedoch wie ausgewechselt auf und setzte die Gäste vom Anpfiff weg enorm unter Druck. Zunächst musste Schuhen bei Kwartengs Schlenzer eingreifen (47.), dann parierte er Haags Schuss mit einer starken Fußabwehr (52.). Bei Haags sehenswertem 2:0 war dann auch der Lilien-Schlussmann machtlos. „Wir sind nach der Pause sehr schwer in die Partie gekommen“, bilanzierte Riedel. Kohfeldt pflichtete seinem Kapitän bei: „Wir haben 20 richtig schlechte Minuten gespielt, in denen die Fortuna verdientermaßen das 2:0 macht und eventuell sogar ein drittes Tor hätte nachlegen können.“ Umso beachtlicher, dass die Lilien sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf herauszogen.

Zitat des Tages

Spätestens nach dem 1:2 wurde es für Düsseldorf richtig eklig und wir konnten weiter Druck aufbauen und das 2:2 nachlegen. Insgesamt können wir mit einem positiven Gefühl nach Hause fahren.

Clemens Riedel

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